Haldol - Auslöser von Autoagression?

g.elmer

Frage gestellt am
24.04.2012 um 17:34

Ich arbeite als Therapeut in der Dom. Rep. und habe einen Jungen, der seit vielen Jahren Autoagressiv und seit Dezember die Problematik deutlich schlimmer geworden ist. Er schlägt sich mit den Händen ununterbrochen ins Gesicht, aus Selbstschutz werden ihm die Arme am Rücken zusammengebunden, was er ohne Probleme duldet, er reagiert sogar aggressiv darauf, wenn ihm die Arme wieder frei gemacht werden. Er zwingt sich in den Rücken bis er blutig ist, reibt die Rückseite seiner Arme gegeneinander bis er offen ist. Er nimmt bereits seit mehreren Jahren ununterbrochen Haldol Tropfen. Er ist nicht in der Lage zu sprechen und kann einzelne Phrasen wiederholen. Was auffällig ist, dass er eine Art von Augenkrämpfe mehrmals in der der Minute hat, worauf meistens die Selbstaggressionsphasen beginnen (Augen wandern nacht rechts). Er wird aufgrund von Schizophrenie behandelt. Wir sind alle im Dorf ratlos.
Vielleicht kann uns jemand einen Tip geben, den ich der Ärztin weitergeben kann.
Vielen Dank
Georg

Patientendaten

Geburtsjahr: 2000 (12 Jahre)
Geschlecht: männlich
Gewicht: 50,0 kg
Größe: 150,0 cm
Eingetragen durch: Therapeut
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4 Antworten:

DocFreitag
Benutzerbild von DocFreitag
24.04.2012 23:04
Und ich werde mich hüten, auf diesem Wege irgendwelche Behandlungstipps zu geben. Vor jeder Behandlung steht eine gründliche Diagnose, die über ein Forum nicht gestellt werden kann.

Und damit meine ich nicht nur die medizinische (wie sicher ist denn die Diagnose "Schizophrenie", ist eine Epilepsie oder andere hirnorganische Stöung ausgeschlossen, körperliche Erkrankung mit Schmerzen, usw.). Sondern ebenso die Klärung aus pädagogischer Sicht: Was ist hier eigentlich los, worum gehts, und was kann man sinnvoll tun, was hat sich als hilfreich erwiesen und was nicht, wie sehen die Krisen aus, wodurch werden sie ausgelöst, wie könnte man sie vielleicht verhindern oder wenigstens glimpflich überstehen ... Sobald jemand meint, die Ärztin mit ihren Medikamenten wirds schon lösen, dann läuft was falsch. Ratlosigkeit ist keine medizinische Indikation für eine Medikamentengabe.

Zu Ihrer Frage nach dem Haldol: Selbstverständlich kann es sein, dass Haldol wirkungslos bei autoagressivem Verhalten bleibt. Und es kann "paradoxe" Reaktionen auf das Medikament geben. Nicht zu vergessen, dass Haldol Dyskinesien, Bewegungsunruhe, Blickkrämpfe und vielerlei andere unangenehme Empfindungen auslösen kann - wie soll ein Junge, der nicht sprechen kann, sich dagegen wehren? Der weitaus häufigste Grund für ein Versagen von Neuroleptika bei aggressiven Verhaltensstörungen ist, dass das Medikament unangemessen eingesetzt wird und dass da illusionäre, unerfüllbare Hoffnungen reingelegt werden, siehe oben.
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voxlenis

24.04.2012 19:03
Siehe Bastis Antwort ! Man darf wohl annehmen, dass die höher entwickelten Gehirnfunktionen bei dem Kind bereits irreversibel geschädigt sind durch die Langzeitgabe von Haldol. Risperdal wäre einen Versuch wert, aber ich würde erst einmal Dipiperon vorsichtig eindosieren. Es ist zwar nur mittelstark, aber die beruhigende Wirkung bei genauer Einstellung ist hoch zu werten. Da kommt es allerdings auf jeden Tropfen an. Bei obiger Schilderung habe ich meine Zweifel, ob dafür das Interesse am Wohlergehen des Kindes ärztlicherseits gross genug ist. Gruss, Vox
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Basti59425
Benutzerbild von Basti59425
24.04.2012 18:05
PS: Ist eine Epilepsie ausgeschlossen worden?
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Basti59425
Benutzerbild von Basti59425
24.04.2012 17:42
Bei Kindern und Jugendlichen kann Haldol auch das Gegenteil von dem bewirken, was es soll.
Soweit ich informiert bin, wird Risperdal bei aggressivem Verhalten bei Kindern mit starker Intelligenzminderung als Medikation eingesetzt.
Mal ganz abgesehen davon, daß Haldol irreversible Schäden anrichten kann, finde ich es überaus seltsam, daß noch niemand auf die Idee gekommen ist, daß es sich um eine paradoxe Reaktion auf die Haldol-Therapie handeln könnte.
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