Anonymer Benutzer
Frage gestellt am
27.10.2012 um 20:50
Eigene Wünsche/ Bedürfnisse immer zurückstecken- ist das eine Krankheit?
Meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse stelle ich immer hinten an- in der Familie und überall. Egal, ob es um die Wahl des Mittagessens geht, wohin wir in den Urlaub fahren, wen wir wann besuchen, welches Auto oder Fernseher gekauft wird usw. ..., ich stecke zurück und tue Dinge, die ich eigentlich nicht will.
Mich regt das immer mehr auf und ich werde immer unzufriedener- aber ich komme aus diesem Kreislauf einfach nicht raus- ich schaffe es nicht.
Nun frage ich mich, ist das vielleicht eine "Krankheit" (psychisch) und könnte man diese mit Tabletten behandeln?
"Sie sagt zwar, sie möchte all das nicht, ob es denn so ist ..." ... "Und ja, sie verleugnet ihre Gefühle schon ein wenig, wenn sie diesen zuwider handelt und dennoch Sachen tut, sie sie nicht möchte. Und das wiederum kann sogar dann krank machen."
Boah @ moo, weiß ich doch nicht, ob sie diese verleugnet. Sie sagt zwar, sie möchte all das nicht, ob es denn so ist, ich kenne sie nicht. Ich finde die Fragestellung nur leicht provokant. Erinnert mich doch irgendwie an andere Fragen.
Bei dieser Selbstaufgabe muß ich halt immer an Mutter Theresa denken. Frag' mich nicht weshalb. ;-)
Wenn wir an die Sache mit einer möglichen Therapie bzw. des Ändern Wollens herangehen, sollten die Ursachen vielleicht doch bekannt sein. Da sind wir dann wieder bei der kognitiven Verhaltenstherapie. Weshalb tue ich was. Kurzfristig positiv, langfristig negativ und umgekehrt.
Und ja, sie verleugnet ihre Gefühle schon ein wenig, wenn sie diesen zuwider handelt und dennoch Sachen tut, sie sie nicht möchte. Und das wiederum kann sogar dann krank machen. Mmmmh?
@ Frank: Egoismus ist nicht ganz passend, eher Selbstschutz, der natürlich mit dem Ich zusammenhängt :-)
Kritikunfähigkeit, oder auch Angst vor Kontra, hat sehr wohl mit dem Ego zu tun. Bringt es was, wenn sie über die Ursachen nachdenkt? Verleugnet sie wirklich ihre Gefühle?
@Dschungi: Ne ne. Auch wenn's eingefordert wird, so ist es noch lange nicht das Ergebnis der weiblichen Sozialisation. Wenn, dann der individuellen Hilflosigkeit.
@Dschungi:Das dieses Verhalten von der Umwelt oft eingefordert wird, war früher mal so, aber heutzutage denke ich ist es legitim, das Mann und Frau auf einer Stufe stehen. Schau doch mal wieviele Frauen in Führungspositionen sind...was auch m. E. gut so ist. Die Zeit, das Frau "duckmäuserisch" ist und keine eigene Meinung haben darf, ist Gott sei Dank vorbei.
LG Jutta
Kann auch etwas mit Egoismus zu tun haben, sich und seine Bedürfnisse so zu verleugnen. Ob das für dich denn gesund ist, ist ein anderes Kapitel. Nur als Überlegung und Anregung auch in die andere Richtung zu denken.
Vielleicht solltest du dir mal Gedanken darüber machen, weshalb du dich so verhälst? Mir fielen da schon einige mögliche Gründe ein. Konfliktunfähigkeit etc. ...
Hab' nochmal über deine Frage nachgedacht ...
Ich denke, es gibt keine eindeutige Grenze zwischen sozial inkompetentem Verhalten und den daraus manchmal resultierenden Krankheiten in Richtung "Ängste" (Schüchternheit, Soziale Phobie, ängstliche Persönlichkeitsstörung, panikartige Angstzustände, ...). Ich glaube auch nicht, dass Tabletten bei jahrelang antrainierten Verhaltensweisen (Gewohnheiten) helfen, aber wenn es zu Angstzuständen kommen sollte, dann sind Tabletten vll. hilfreich.
Nun will ich aber nicht den Teufel an die Wand malen.
Deiner Beschreibung nach zu urteilen liegt nur eine Unfähigkeit vor, nein zu sagen und bei familiären Entscheidungen mitzuwirken. Das führt unweigerlich zu deiner Unzufriedenheit. Weil du deine Bedürfnisse nicht durchsetzt, womöglich gar nicht ansprichst.
Da du keine beruflichen Probleme anführst, gehe ich davon aus, dass du zu Hause bist, richtig? Gut! Denn auf Arbeit würden "nette" Kollegen sehr schnell ihren Nutzen erkennen, ihre Arbeit auf hilfsbereite Mitmenschen, die es allen und jedem Recht machen wollen, abwälzen. Vielleicht würde sogar der Chef unangenehme Aufgaben auf widerstandslose Ja-Sager/innen übertragen. Das hätte früher oder später ein Burnout mit Einmündung in eine Depression zur Folge.
Das nur am Rande ...
Es dürfte nicht ganz leicht sein, dass du dich aus diesem Kreislauf befreist, da ja nicht nur du sondern auch dein Mann an deine und seine typischen Verhaltensweisen gewöhnt seid und Änderungen dieser Art immer mit starkem Willen und Disziplin deinerseits einhergehen. Dazu kommt, dass dein Mann/ deine Familie womöglich gar kein Interesse daran hat, dass du dich änderst. Ihm gehts ja gut, er trifft die Entscheidungen und bekommt auch sonst kein Kontra. Du machst, was er sagt. Ist doch schön für ihn, nicht wahr? Und wo bleibst du?
Du hast die Wahl: Entweder du änderst dein Verhalten in deinem Interesse oder schenkst deinen Bedürfnissen keine Beachtung und machst weiter wie bisher.
Was du tun kannst:
Mache dir klar, was dir wichtig ist und setze Prioritäten!
Sage "nein" zu etwas, was du nicht willst und sage "ja" zu etwas, was du willst.
Antworte nicht gleich mit "ja", wenn du dir unsicher bist, sondern mit "nein", denn ein "nein" in ein "ja" zu korrigieren ist zwar auf Dauer nicht konsequent, aber mal möglich. Eine Zusage (ein "ja") in ein "nein" abändern ist hingegen fast unmöglich.
Biete gegebenenfalls Alternativen an, die deinem Interesse näher kommen, den Druck von dir nehmen und den anderen quasi eine Grenze setzen, von der ursprünglichen Erwartung an dich abzukommen.
Lass dich nicht Einwickeln! (Honig um's Maul schmieren, erpressen oder unter Druck setzen)
Rechtfertige dich nicht dafür, eine Bitte abzuschlagen! Eine Bitte ist eine Bitte, keine Anweisung. Du darfst dein "Nein" verständlich begründen, aber ohne dich dabei zu untergraben.
[...]
Ich denke, es ist gar nicht so wichtig zu wissen, warum du dich so oder so verhälst, sondern vielmehr, dass du spürst, dass du dich durch andere Verhaltensweisen/Reaktionen wohler fühlst und damit wieder lernst, deine Wünsche und Bedürfnisse sowie deinen Willen anzubringen und erfolgreich durchzusetzen.
Meist stecken hinter diesem Verhalten traumatische Verlustängste und/oder Mangel an Selbstbewusstsein. Dagegen gibt es kein Medikament. Da Du immer unzufriedener wirst, also bereits erkennst, dass Dein Verhalten nicht gut für Dich ist, wäre das Gespräch mit einem Psychologen nicht verkehrt. Gruss, Vox
Tabletten helfen im Allgemeinen leider nicht, wenn einem das Wort "nein" im Wortschatz fehlt. *Scherz
Ich denke bei dem Problem auch nicht an eine Krankheit im eigentlichen Sinn. Leidest Du nicht darunter, musst Du gar nichts tun. Ansonsten müsstest Du Dein Verhalten ändern. Einfach mal was anderes ausprobieren. Schaffst Du es nicht allein, dann vielleicht bei einem Psychologen Hilfe suchen, erst mal mit einer Verhaltenstherapie.
Ich seh es auch nicht als Krankheit oder beginnende Depression an, eher ein mangelndes Selbstbewusstsein. Du hast vielleicht Angst nicht geliebt zu werden wenn du mal nein sagst oder wenn du sagst was DU möchtest.
Aber das kann man lernen. Ich denke mal eine Gesprächstherapie bei einem Psychologen könnte dir weiterhelfen.
LG und denk dran, DU bist genauso wichtig wie der Rest deiner Familie
Als Krankheit würde ich das nicht bezeichnen. Ist denke, ist auch nicht mit Tabletten behandelbar.
Dein Selbstwertgefühl ist nicht stark ausgeprägt. Und hier müsste man ansetzen. Vielleicht wäre eine Verhaltenstherapie angeraten? Mir erging es ebenso wie dir. Ich sagte auch zu allem Ja und Amen und fühlte mich aber schlecht dabei. Mit der Zeit habe ich gelernt auch nein zu sagen und die Welt ist nicht untergegangen. Zuerst verstand mich niemand. Denn ich habe doch immer getan, was die anderen wollten. Plötzlich war es vorbei. Mein Selbstbewusstsein stieg. Ich habe gemerkt, das die Menschen mich trotzdem liebten, auch wenn ich mal nein sagte.
Logisch, dass Du immer unzufriedener wirst - Du richtest Dich immer nach den Wünschen anderer und übergehst Dich und Deine Bedürfnisse.
Prima, dass Du es jetzt bewusst wahrnimmst, was Du da tust.
Stellt sich natürlich die Frage nach dem "Warum".
Diese Verhaltensweise, deren Ursprung meist in der Kindheit und Erziehung liegt, gilt es für Dich zu verstehen, zu bearbeiten und schliesslich zu ändern.
Manche Menschen schaffen diesen Schritt alleine, aber die Mehrzahl wird die Hilfe eines Therapeuten in Anspruch nehmen müssen.