Krankheit / Anwendungsgebiet - Wissen
Achillessehnenentzündung
Sie ist die stärkste Sehne unseres Körpers und wurde nach dem griechischen Sagenhelden Achilles benannt, der nur an der Ferse verwundbar war. Die Achillessehne verbindet das Fersenbein (Calcaneus) mit dem Wadenmuskel. Mit ihrer Hilfe wird die Ferse beim Abrollen vom Boden gehoben. Die Achillessehne überträgt gemeinsam mit dem Sprunggelenk die beim Laufen entstehenden Zugkräfte von der Wadenmuskulatur auf die Ferse und ist dabei tagtäglich hohen Belastungen ausgesetzt. Bei Überbeanspruchung kommt es zu Teilrissen im Gewebe, die Entzündungsreaktionen auslösen. Die Achillessehnenentzündung wird auch als Achillotendinitis bezeichnet.
Was ist eine Achillessehnenentzündung

Die Achillessehne besitzt eine Sehnenscheide aus gut durchblutetem Bindegewebe, das ein freies Sehnengleiten ermöglicht. Bei Überbelastung entstehen in diesem Gewebe kleinste Risse, die unser Körper in der Regel selbst reparieren kann. Zurück bleiben allerdings kleine Narben. Durch diese Unebenheiten reibt die Achillessehne dann an der Sehnenscheide, Schmerzen entstehen. Allerdings erwärmt sich die Sehnenscheide beim Sport und weitet sich aus, so dass die Schmerzen wieder verschwinden. Wird die Achillessehne aber weiter überlastet, entsteht immer mehr Narbengewebe, die Achillessehnenentzündung kann chronisch werden und auch die Schleimbeutel können sich entzünden. Außerdem versucht unser Körper, die gereizte Stelle selbst zu behandeln und lässt kleinste Blutgefäße in die Sehne einwachsen. Das schwächt die Achillessehne dann noch zusätzlich. Das Entzündungsgeschehen kann weiterhin noch zur Einlagerung von Kalk in das Gleitgewebe um die Achillessehne führen. Das bezeichnet man als ektope Ossifikation. Die Achillessehne verdickt und verkürzt sich weiter.
Begleiterscheinungen der Achillessehnenentzündungen sind: Schmerzzustände in der Gegend der Achillessehne (Achillodynie), Entzündungen des Schleimbeutels unter der Achillessehne (Achillobursitis) sowie Schmerzzustände am Ansatzpunkt der Achillessehne an der Ferse (Insertionstendopathie). Bei Entzündungen der Sehnenscheide der Achillessehne spricht man von Tenovaginitis der Achillessehne. Die größtmögliche Schädigung und Endpunkt einer chronischen Achillessehnenentzündung ist der Achillessehnenriss (Achillessehnenruptur).
Fuß Anatomie
Unsere Füße haben eine äußerst komplexe Struktur und tragen uns im Laufe unseres Lebens etwa vier Mal um die Erde!
In jedem Fuß sind 26 Knochen über 33 Gelenke miteinander verbunden und über 100 Bänder halten diese zusammen. 20 Muskeln mit ihren starken Sehnen sorgen für Beweglichkeit und festen Stand. Eine Vielzahl von Nerven versorgen die Haut, Muskeln und Sehnen des Fußes. Dadurch können Druck, Dehnungszustand der Muskulatur und Sehnen sowie die Temperatur gefühlt werden. Unser Fuß wird so zu einem sensiblen Organ, das Unebenheiten erkennt, einen weichen von einem harten Untergrund unterscheidet, ebenso wie warm und kalt, spitz und stumpf. Blutgefäße versorgen den Fuß mit Sauerstoff und Nährstoffen.
Mit jedem Schritt wird unser Körpergewicht von der Ferse bis zur Fußspitze verlagert. Die Ferse, die vom Fersenbein (Calcaneus) gebildet wird, trägt die Belastung beim Aufsetzen des Fußes. Das Gewicht wird auf den Rist verlagert, der sich dabei leicht senkt und dann wieder hebt. Das Gewicht wird dadurch an den Ballen und schließlich an die Großzehe zum Abstoßen vom Boden weitergegeben.
Bei Fuß-Fehlstellungen ist diese Verteilung der Belastung verändert. Ein gesunder Fuß hat ein Längsgewölbe, das sich an der Innenseite des Fußes erhebt und ein Quergewölbe, das sich unter den Mittelfußknochen befindet. Durch das Quergewölbe werden die Belastungen des Fußes gegen den Untergrund gedämpft und abgefedert. Wenn sich das Längsgewölbe abflacht, kommt es zu einer Verlängerung des Fußes, es entsteht ein Senkfuß. Ist das Längsgewölbe eingesunken, kommt es zum Plattfuß. Dadurch sinkt die Ferse zum Fußaußenrand ab, im Extremfall liegt die Fußfläche vollständig auf dem Boden auf. Flacht das Quergewölbe ab, kommt es zu einer Aufspreizung der Mittelfußknochen und einer Verbreiterung des Vorfußes. Dann spricht man von einem Spreizfuß. Sind beide Gewölbe betroffen, so liegt ein Senk-Spreizfuß vor. Wenn der Fuß übermäßig nach innen kippt, so liegt ein Knickfuß vor. Das Körpergewicht lastet überwiegend auf dem Innenrand des Fußes. Ist das Fußlängsgewölbe zudem abgeflacht, spricht man von einem Knick-Senkfuß. Der Knick-Senkfuß begünstigt die Entwicklung von einem Fersensporn, denn es kommt hier zu erhöhter Belastung an Stellen, die normalerweise durch die Fußwölbung keinen Bodenkontakt haben. Plattfuß und Senkfuß begünstigen hingegen eine Reizung der Achillessehne, Achillessehnenschmerzen und in Folge sportlicher Fehl- und Überbelastungen auch eine Achillessehnenentzündung.
Formen der Achillessehnenentzündung
Man unterscheidet zwischen akuter Achillessehnenentzündung und chronischer Achillessehnenentzündung.
Die akute Achillessehnenentzündung entsteht oft nach vorausgegangener Reizung der Sehne, die nicht behandelt wurde. Hier erfordern die starken Schmerzen in der Regel eine Schonung bis zu acht Wochen, in Einzelfällen unter Umständen auch länger.
Die chronische Achillessehnenentzündung geht häufig aus der akuten Achillessehnenentzündung hervor, kann aber auch ohne vorherige oder nur geringfügige Beschwerden auftreten. Sehr oft ist es nach dem Aufstehen am Morgen bei den ersten Schritten vor Schmerzen gar nicht mehr möglich, den Fuß bis zur Ferse abzurollen. Das liegt daran, dass während der Nacht bestimmte Eiweiße, die eigentlich zur Abheilung der Entzündung dienen sollten, die Schichten des Gleitgewebes verkleben. Wirkt nun eine Last darauf ein, werden diese Schichten zerrissen, was man vielfach sogar als knisterndes Geräusch wahrnehmen kann. Diese Risse stellen wiederum Reizpunkte dar, die Achillessehnenentzündung wird chronisch.
Inhaltsverzeichnis
Klassifikation nach ICD-10
| M76.6 | Tendinitis der Achillessehne |