Angina Plaut-Vincent

Angina Plaut-Vincent

Die Angina Plaut-Vincent, auch Angina ulceromembranacea, Angina ulcerosa oder Tonsillitis ulceromembranacea genannt, ist eine seltene Form der Mandelentzündung (Tonsillitis, Angina tonsillaris). Sie wird durch eine Mischinfektion mit den Bakterien Treponema vincentii und Fusobacterium nucleatum verursacht. Erkennbar ist die Angina Plaut-Vincent als kraterförmiges Geschwür mit grau-grünlichem, schmierigem Belag an nur einer Gaumenmandel. Neben einseitigen Halsschmerzen verursacht die Angina Plaut-Vincent starken Mundgeruch, aber kaum Fieber. Die Infektion heilt nach Antibiotika-Behandlung innerhalb von ein bis zwei Wochen aus.

Community über Angina Plaut-Vincent

Andere Bezeichnungen für die Krankheit Angina Plaut-Vincent

Angina Plaut-Vincent

Fragen zur Kranheit Angina Plaut-Vincent

Zu Angina Plaut-Vincent liegen noch keine Fragen vor –  eigene Frage zu Angina Plaut-Vincent stellen.

Angina Plaut-Vincent Krankheit / Anwendungsgebiet - Wissen

Was ist eine Angina Plaut-Vincent


Angina Plaut-Vincent

Die Angina Plaut-Vincent, auch Angina ulceromembranacea, Angina ulcerosa oder Tonsillitis ulceromembranacea genannt, ist eine seltene Form der Mandelentzündung (Tonsillitis, Angina tonsillaris). Sie wurde nach dem deutschen Bakteriologen H.-K. Plaut und dem französischen Bakteriologen H. Vincent benannt, die die Erreger identifizierten. Verursacht wird die Angina Plaut-Vincent durch eine Mischinfektion mit den Bakterien Treponema vincentii und Fusobacterium nucleatum. Die Infektion tritt häufig bei Jugendlichen auf, verursacht aber nur geringe Beschwerden.

Unsere Mandeln


Unsere oberen Atemwege sind mit jedem Atemzug zahlreichen Viren und Bakterien ausgesetzt.

Sind die Erreger erst einmal in die Schleimhaut eingedrungen, vermehren sie sich und verursachen an dieser Stelle eine Infektion. Neben den Nasenmuscheln, die bei einer Erkältung betroffen sind, können auch Nebenhöhlen, Rachen und Kehlkopf infiziert werden. Die Gaumenmandeln (Tonsillen) sitzen am Übergang von der Mundhöhle zum Rachen an jeder Seite des weichen Gaumens. Die Gaumenmandeln (Tonsillen) sind die eigentlichen Mandeln und gehören zum körpereigenen Immunsystem. Sie bilden in den ersten Lebensjahren mit anderen Geweben und Organen das Immunsystem aus und produzieren Abwehrstoffe. Die Funktion der Gaumenmandeln (Tonsillen) für den Immunschutz lässt bis zum Vorschulalter jedoch rapide nach.

Angina Plaut-Vincent Ursachen


Angina Plaut-Vincent

Verursacht wird die Angina Plaut-Vincent durch eine bakterielle Mischinfektion. Das sauerstoffempfindliche, stäbchenförmige Bakterium Treponema vincentii (gehört zur Bakteriengattung der Spirochäten) und das Fusobacterium nucleatum sind normaler Teil der bakteriellen Mundflora. Sie werden aber zu Krankheitserregern, wenn sie sich infolge mangelnder Mundhygiene und geschwächter Abwehr unkontrolliert vermehren können. Die Infektion tritt häufig bei Jugendlichen auf, verursacht aber nur geringe Beschwerden.

Angina Plaut-Vincent Symptome


Angina Plaut-Vincent

Im Gegensatz zur eitrigen Mandelentzündung (Tonsillitis, Angina tonsillaris), die durch eine Infektion mit Streptokokken hervorgerufen wird und sich durch weiße, eitrige Stippchen auf beiden Gaumenmandeln zeigt, verursacht die Angina Plaut-Vincent nur einseitige Beschwerden. Es bildet sich ein schmerzhaftes, einseitiges Geschwür an einer Gaumenmandel. Das Gewebe der Schleimhaut kann absterben (Nekrose). Übrig bleibt ein übelriechender grau-grünlicher, schmieriger Belag.

Das Allgemeinbefinden ist bei einer Angina Plaut-Vincent nur geringfügig gestört. Es können jedoch Schluckbeschwerden auftreten.

Angina Plaut-Vincent Diagnose


Angina Plaut-Vincent

Nach einem ausführlichen Gespräch über die Beschwerden (Anamnese) wird der Arzt Ihren Mund- und Rachenraum anschauen.

Rachenabstrich


Mittels Rachenabstrich können die Bakterien, die die Angina Plaut-Vincent verursachen, unter dem Mikroskop identifiziert werden. Hat der Arzt die stäbchenförmigen und spindelförmigen Bakterien ausfindig gemacht, kann er vom Labor eine spezielle Bakterienkultur anfertigen lassen, um die Erreger zweifelsfrei nachzuweisen.

Spiegeluntersuchung


Die Spiegeluntersuchung erfolgt mit der Kaltlicht-Halogen-Stirnlampe und unterschiedlichen Spiegeln. Die Stirnlampe ermöglicht, dass Lichtstrahl und Blickwinkel eng beieinander liegen und das Blickfeld gut ausgeleuchtet wird. Über die Spiegel werden nicht direkt einsehbare Bereiche des Rachens ausgeleuchtet und zugleich eingesehen. Hier sieht der Arzt dann das kraterförmige Geschwür mit grau-grünlichem, schmierigem Belag an nur einer Gaumenmandel.

Angina Plaut-Vincent Therapie


Angina Plaut-Vincent

Die Art der Therapie richtet sich nach der Ausprägung der Angina Plaut-Vincent.

Lokalbehandlung


Zunächst kann die Angina Plaut-Vincent lokal behandelt werden. Das kann mit sogenannten Adstringentien geschehen. Das sind Substanzen, die auf Schleimhäute aufgetragen werden und antibakteriell und entzündungshemmend wirken. Eingesetzt wird bei einer Angina Plaut-Vincent zum Beispiel der Wirkstoff Chlorhexidin. Er tötet Keime auf der Schleimhaut ab.

Außerdem kann der Arzt die kraterförmige Gewebswucherung mit zehnprozentiger Silbernitratlösung verätzen.

Antibiotika


Bei einer schweren Verlaufsform der Angina Plaut-Vincent wird Ihnen ein Antibiotikum verschreiben, das Sie für 7-10 Tage einnehmen müssen. Sollte es bei der Antibiotika-Therapie nach drei bis vier Tagen zu keiner deutlichen Besserung der Beschwerden kommen, wird auf ein anderes Antibiotikum umgestellt. Denn möglicherweise sind die bakteriellen Erreger resistent gegen das Antibiotikum. Üblicherweise kommen bei einer Angina Plaut-Vincent Aminopenicilline zum Einsatz. Werden diese nicht vertragen, können Makrolide oder Tetracycline verwendet werden.

Vorsicht: Um ganz sicher zu gehen, dass das Antibiotikum wirkt, sollten Sie die Tabletten lieber mit Leitungswasser satt Mineralwasser schlucken. Denn das im Mineralwasser enthaltene Kalzium bilden zum Beispiel mit Tetracyclinen Klümpchen, die nicht mehr durch die Darmwand passen. Die Wirkstoffe können somit nicht ins Blut gelangen. Wer auf keinen Fall Leitungswasser trinken will, kann stattdessen ein Mineralwasser mit geringem Kalziumgehalt wählen. Der Kalziumgehalt ist auf dem Flaschenetikett als Calcium (Ca) angegeben. Mehrere hundert Milligramm pro Liter können die Wirkung von Medikamenten beeinträchtigen. Wichtig ist aber nicht nur, welches Wasser man mit dem Medikament trinkt, sondern auch, wie viel. Am besten ein ganzes Glas, denn dann zerfällt die Tablette schneller und kann somit auch schneller von der Blutbahn aufgenommen werden. Zudem ist das Medikament auch verträglicher für die Magenschleimhaut, wenn es mit viel Wasser eingenommen wird.

Auch Milch sollte man besser nicht zu Medikamenten trinken, denn sie enthält ebenfalls viel Kalzium. Zwei Stunden vor und nach der Tabletteneinnahme sollte man daher auch keine Milchprodukte essen - also auch keinen Käse oder Joghurt. Auch Saft ist zur Einnahme von Medikamenten nicht geeignet, denn Zitrusfrüchte hemmen den Abbau der Wirkstoffe. Dadurch kann es zu einer lebensgefährlich hohen Konzentration des Medikaments im Blut kommen.

Finger weg auch von Kaffee und Alkohol. Alkohol kann die Nebenwirkungen von Medikamenten verstärken. Die im Kaffee enthaltenen Gerbstoffe können Medikamentenwirkstoffe hingegen inaktivieren. Zudem verstärkt Koffein die Wirkung anregender Stoffe und schwächt den Effekt von beruhigenden Arzneimitteln. Umgekehrt können bestimmte Medikamente den Abbau von Koffein im Blut hemmen.

Penizilline hemmen während der Wachstumsphase den Aufbau der Zellwand von Bakterien und töten sie damit ab. Bereits ausgewachsene Bakterien bleiben intakt, daher müssen unbedingt immer die Tabletten der ganzen Packung eingenommen werden und die Therapie darf nicht einfach eigenhändig abgebrochen werden.

Makrolid-Antibiotika (Makrolide) greifen in die Eiweiß-Produktion der Bakterien ein, die für alle Lebensvorgänge der Erreger wichtig sind. Sie wirken auf die Bakterien nicht abtötend (bakterizide Wirkung), sondern hemmen ihre Vermehrung (bakteriostatische Wirkung). Vorsicht: Wenn Sie Herzrhythmusstörungen oder eine eingeschränkte Leberfunktion haben sollten Sie Makrolid-Antibiotika meiden. Ebenfalls, wenn Sie unter Myasthenia gravis leiden, also unter einer gestörten Übertragung von Nervenreizen auf die Muskulatur.

Tetracycline hemmen die Eiweiß-Produktion in den Bakterien, indem sie den Transportprozess von Eiweiß-Baumaterial behindern. Dadurch können lebenswichtige Eiweiße nicht gebildet werden und die Vermehrung der Bakterien wird gehemmt (bakteriostatische Wirkung). Tetracycline sollten während der Schwangerschaft und der Stillzeit sowie bei Kindern unter neun Jahren nicht angewendet werden, da sie Knochen- und Zahnschäden hervorrufen können. Tetracycline erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut, weshalb während der Anwendung intensive Sonnenbestrahlung vermieden werden muss. Da Tetracycline auch die Vermehrung der zur natürlichen Darmflora gehörigen Bakterien stören, rufen sie häufig Magen-Darm-Beschwerden hervor. Die dadurch ausgelösten Durchfälle können die Wirksamkeit oraler Mittel zur Empfängnisverhütung (beispielsweise [[[Antibabypille]]) beeinträchtigen.

Angina Plaut-Vincent vorbeugen


Angina Plaut-Vincent

Ein Patentrezept zur Vermeidung einer Angina Plaut-Vincent gibt es leider nicht. Sie können nur versuchen, auf Ihre Mundhygiene zu achten und Ihre Abwehrkräfte zu stärken. Gut für unser Immunsystem ist eine vitaminreiche und gesunde Ernährung, regelmäßige und ausreichende Bewegung und die Eindämmung von Stress.

Versuchen Sie außerdem Stoffe, die die Schleimhäute reizen, zu meiden. Dazu zählen zum Beispiel Zigarettenrauch, Staub und Alkohol.

Auch eine gründliche Mundhygiene ist zur Vermeidung einer Angina Plaut-Vincent unerlässlich.

Angina Plaut-Vincent Prognose


Eine Angina Plaut-Vincent heilt bei entsprechender Therapie nach einer Dauer von etwa ein bis zwei Wochen meistens folgenlos aus.

Quellen


H. Boenninghaus, T. Lenarz, Hals-Nasen-Ohren Heilkunde, Springer Verlag, 2008

Redaktion/Bieni

[]