Augengrippe

Augengrippe

Es beginnt urplötzlich mit verstärktem Tränenfluss an einem Auge. Der Augapfel wird blutrot, das Lid schwillt an, es juckt, brennt und schmerzt höllisch. Nach ein paar Tagen ist dann das zweite Auge dran. Was auf den ersten Blick aussieht wie eine normale Bindehautentzündung ist die hoch ansteckende Augengrippe (Keratokonjunktivitis epidemica). Gerade in den Wintermonaten hat die durch Adenoviren ausgelöste Augenentzündung Hochsaison. Sie ist nicht nur unangenehm, sondern auch hoch ansteckend. Übertragen wird die Augengrippe durch Schmierinfektion, eine Therapie ist leider nur für die Symptome möglich.

Community über Augengrippe

Andere Bezeichnungen für die Krankheit Augengrippe

Augengrippe

Fragen zur Kranheit Augengrippe

alle Fragen zu Augengrippe

Augengrippe Krankheit / Anwendungsgebiet - Wissen

Was ist Augengrippe


Augengrippe
Die Augengrippe ist eine durch Adenoviren ausgelöste, hoch ansteckende Bindehaut- und Hornhautentzündung. Typisch dafür ist ein einseitiger Krankheitsbeginn mit Lidschwellungen, brennendem, stark gerötetem, heftig tränendem und schmerzendem Auge. Oft kommt es auch zur schmerzhaften Schwellung eines Lymphknotens vor dem Ohr oder am Unterkiefer. Die Infektion des zweiten Auges verläuft dann in der Regel milder.

Augengrippe Ursachen


Augengrippe
Ursachen einer Augengrippe sind Adenoviren der Typen 8, 19 und 37. Adenoviren haben einen Durchmesser von etwa 90 nm, das sind weniger als ein Zehntausendstel Millimeter. Die Viren sind mit bloßem Auge daher nicht erkennbar. Adenoviren lassen sich in verschiedene Typen einteilen und die wiederum in Untergruppen. Sie alle haben eine Proteinkapsel, die typspezifische Antigene enthält. Anhand derer können die verschiedenen Viren im Labor identifiziert werden. Adenoviren sind aber nicht nur die Verursacher der Augengrippe. Sie können unter anderem auch eine Mandelentzündung, Infektionen der Atemwege oder Durchfall-Erkrankungen hervorrufen. Adenoviren sind weltweit verbreitet und können bei Zimmertemperatur wochenlang überleben.

Der Übertragungsweg bei der Augengrippe verläuft über die sogenannte Schmierinfektion. Wenn sich mit Augengrippe infizierte Menschen die Augen reiben, weil diese jucken und brennen, dann gelangen die Adenoviren über die Tränenflüssigkeit auf die Hände. Von dort werden sie dann auf alle möglichen Gegenstände geschmiert – auf Handtücher, auf Mobiliar, auf Türgriffe und vieles mehr. Wenn Sie diese Gegenstände berühren oder einem mit Augengrippe infizierten Menschen die Hand schütteln, dann können auch Sie sich anstecken. Haben Sie sich das Virus erst einmal eingefangen, bleiben Sie für Ihre Mitmenschen in den ersten zwei Wochen hoch ansteckend. Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit dauert bei der Augengrippe fünf bis zwölf Tage. Das ist besonders tückisch, denn in dieser Zeit merken Sie noch nichts von der Augengrippe, können andere Menschen jedoch schon anstecken.

Augengrippe Symptome


Augengrippe

Fünf bis zwölf Tage nach der Ansteckung mit Adenoviren treten bei der Augengrippe die ersten Beschwerden auf. Die Symptome einer Augengrippe reichen von den typischen Symptomen der Bindehautentzündung bis hin zur Hornhauttrübung als Spätfolge. Folgende Beschwerden können bei Augengrippe auftreten:

  • brennende, juckende Augen
  • starker Tränenfluss
  • stark gerötete und angeschwollene Bindehäute
  • Lidschwellungen
  • Fremdkörpergefühl
  • Licht- und Blendempfindlichkeit
  • starke Schmerzen
  • Lymphknotenschwellungen
  • Hornhauttrübungen durch angegriffene Oberfläche der Hornhaut. Dadurch eingeschränkte Sehfähigkeit

Augengrippe Diagnose


Augengrippe
Der direkte Erregernachweis durch ein Labor aus einem Bindehautabstrich des Menschen, der an Augengrippe erkrankt ist, ist nach §7IfSG (Infektionsschutzgesetz) meldepflichtig. Dabei wird aber nicht der Name des Erkrankten an das Gesundheitsamt weitergegeben, sondern lediglich, dass ein Fall von Augengrippe vorliegt. Das dient der Statistik und dazu, mögliche Epidemien aufzudecken.

Doch weil die Symptome einer Augengrippe häufig eindeutig sind, verzichten viele Ärzte und Krankenhäuser auf eine labordiagnostische Untersuchung. Damit entfällt die Meldepflicht. Die Dunkelziffer dürfte bei den jährlich dokumentierten Augengrippe-Erkrankungen daher recht hoch sein.

Für die Labordiagnose der Augengrippe wird ein Bindehautabstrich vorgenommen. Dabei werden mit einem angefeuchteten Tupfer möglichst viele Zellen von der Bindehaut abgeschürft. Das ist zwar unangenehm, aber für den Nachweis der Augengrippe leider notwendig. Der Bindehautabstrich wird dann im Labor auf folgendem Wege untersucht:

Mittels PCR-Test (Polymerase Chain Reaction) kann das Erbgut der Adenoviren sichtbar gemacht werden. Das ist in diesem Fall die DNS (Desoxyribunukleinsäure). Jeder Organismus besitzt eine charakteristische Struktur der DNS, die man sich im PCR-Testverfahren zur Identifikation zu Nutze macht.

Mittels Antigen-Nachweis können bestimmte virale Proteine nachgewiesen werden. Dazu bedient man sich des EIA (Enzymatische Immunadsorptionsverfahren) oder des IFT (Immunfluoreszenztest). Dabei werden mittels einer enzymatischen Farbreaktion für den Adenovirus charakteristische Partikel sichtbar gemacht.

Bei der Virusisolierung in Zellkulturen handelt es sich um eine sehr zeitaufwändige Nachweismethode von Adenoviren. Zu diesem Zweck wird das Material des Bindehautabstriches mit Zellen in Verbindung gebracht. Die im Bindehautabstrich enthaltenen Adenoviren infizieren diese Zellen und werden in ihnen vermehrt. Anschließend werden sie aus den befallenen Zellen isoliert und können mittels der sogenannten Elektronenmikroskopie sichtbar gemacht werden.

Augengrippe Therapie


Augengrippe
Gegen Augengrippe und die verursachenden Adenoviren gibt es keine speziellen Medikamente und leider auch keine Schutzimpfung. Unser Körper muss selbst mit den unerwünschten Eindringlingen fertig werden. Daher kann man nichts weiter tun als abwarten, bis es besser wird. Die Symptome der Augengrippe können jedoch durch Augensalben mit anti-viralem Wirkstoff gelindert werden. Salben und Gele mit dem Wirkstoff Dexpanthenol lindern das Gefühl der Trockenheit im Auge und können daher unterstützend eingesetzt werden. Verklebte Augenbereiche können mit warmen, klaren Wasser vorsichtig gesäubert werden. Vorsicht: Kamillenspülungen können den Reizzustand der Augen verstärken oder gar zu Allergien führen. Achten Sie darauf, das Waschbecken anschließend mit einem viruziden (Viren abtötendem) Desinfektionsmittel (erhältlich in Apotheken) zu säubern.

Überhaupt sollte während der Dauer der Augengrippe Hygiene das oberste Gebot sein, um andere Menschen vor Ansteckung zu schützen. Das bedeutet, dass Menschen, die an Augengrippe erkrankt sind, sich von anderen Menschen fernhalten sollten. Für Familienmitglieder gilt: Bitte nicht dieselben Handtücher benutzen. Hände nach Berühren von Gegenständen wie Türklinken waschen und vor allem den Kontakt von Händen mit den Augen vermeiden. Vermeiden sollten Sie auch den Körperkontakt mit dem/der an Augengrippe Erkrankten.

Besteht in Kliniken und Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, Schulen und Seniorenheimen der Verdacht auf einen Ausbruch der Augengrippe, muss das Gesundheitsamt unterrichtet werden.

Für die Hornhautnarben als Spätfolge der Augengrippe gibt es die Möglichkeit, die Narben durch eine Laserbehandlung abtragen zu lassen. Bei der sogenannten phototherapeutischen Keratektomie (PTK) wird mit Hilfe eines Excimerlasers Gewebe von der Hornhautoberfläche abgetragen.

Augengrippe vorbeugen


Augengrippe
Um sich vor Augengrippe zu schützen hilft nur eines: Hygiene. Waschen Sie sich gründlich die Hände, benutzen Sie keine Handtücher, Kosmetika und andere Gegenstände, die der an Augengrippe Erkrankte auch verwendet. Waschen Sie Wäsche und Handtücher des Erkrankten separat bei mindestens 60 Grad. Sind Sie selbst an Augengrippe erkrankt, dann vermeiden Sie, wenn möglich, den Kontakt zu anderen Menschen. Achten Sie darauf, sich nicht mit den Händen an den Augen zu kratzen.

Augengrippe Prognose


Augengrippe
Die Augengrippe ist in der Regel nach etwa drei bis vier Wochen ausgestanden, die Ansteckungsgefahr ist schon nach etwa 14 Tagen vorüber. Nach überstandener Augengrippe sollten Sie Ihre Augen noch etwas schonen. Das bedeutet: Arbeit am Bildschirm nur in Maßen. Vermeiden Sie es, Ihre Augen durch stundenlanges Lesen und Fernsehen zu überanstrengen. Fragen Sie bitte unbedingt Ihren Arzt!

Bis das Sehvermögen nach einer Augengrippe komplett wieder hergestellt ist, können durchaus einige Monate vergehen. Doch in den meisten Fällen heilt die Augengrippe folgenlos aus. Es kann aber auch eine Hornhauttrübung zurückbleiben. Je nachdem wie stark sie ist, sehen Sie kleine verschwommene Punkte. In seltenen Fällen bleibt das Sehvermögen langfristig beeinträchtigt.

Quellen


M. Sachsenweger, Augenheilkunde, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2003
Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2012, de Gruyter
Redaktion/Bieni
[]