Krankheit / Anwendungsgebiet - Wissen
Epilepsie
Epilepsie Behandlung

Die verschiedenen Formen der Epilepsie erfordern natürlich auch unterschiedliche Behandlungsansätze. Im Falle eines akuten epileptischen Anfalls ist es wichtig, den Betroffenen vor Verletzungen zu schützen. Da ein epileptischer Anfall nach einigen Minuten von selbst abklingt, sollten Sie Ruhe bewahren, Gegenstände aus dem Weg räumen und den Anfall beobachten, um im Notfall eingreifen zu können. Dauert der epileptische Anfall länger als 5 Minuten und kommt es zur Bewusstlosigkeit, sollten Sie den Notarzt alarmieren. Ärztliche Notfallhilfe ist außerdem gefragt, wenn fokale Anfälle länger als 20 Minuten andauern oder eine Serie aus dicht aufeinanderfolgenden Anfällen passiert, bei denen der Betroffene sein Bewusstsein nicht vollständig wieder erlangt. Bei der Notfallbehandlung wird dem Epileptiker meistens Sauerstoff per Nasensonde zugeführt. Außerdem werden Medikamente mit den Wirkstoffen Diazepam-Rektiole oder Diazepam intravenös oder als Infusion zugeführt.
Generell gilt es, charakteristische Auslösefaktoren des epileptischen Anfalls zu meiden. Dazu gehören Schlafmangel und Flackerlicht. Ein regelmäßiger Lebensrhythmus und Alkoholabstinenz können helfen, die Zahl der Krampfanfälle zu reduzieren.
Manchmal hilft auch ein verhaltenstherapeutisches Training dabei, gewohnte Wege zu verlassen und auf bestimmte Auslöser nicht mehr mit einem epileptischen Anfall zu reagieren.
Bei Symptomatischer Epilepsie wird zunächst die Ursache, beispielsweise ein Tumor, behandelt. Ist diese Therapie erfolgreich, verschwindet die Epilepsie meist von selbst wieder.
Antiepileptika
Die idiopathische Epilepsie wird mit Medikamenten (Antiepileptika) behandelt. Eine dauerhafte medikamentöse Therapie ist auch dann angebracht, wenn zwei tonisch-klonische Anfälle aufgetreten sind, die nicht auf einer Außenwirkung beruhen. Wenn also die Betroffenen plötzlich bewusstlos werden und zu Boden stürzen, sich ihre Muskulatur versteift und sie nach einer halben Minute anfangen krampfartig zu zucken, sollte versucht werden, die Krampfanfälle mit Antiepileptika zu unterbinden. Wichtig dabei ist, dass die Konzentration der Arzneimittel im Körper wenn möglich konstant bleibt. Um ein Gleichgewicht zwischen eingenommenen und abgebauten Wirkstoff herzustellen, braucht es einige Zeit. Bei der ambulanten Behandlung wird in der Regel zunächst eine relativ geringe Dosis eingenommen und in bestimmten Abständen gesteigert. Die optimale Dosierung der Antiepileptika ist erreicht, wenn keine Anfälle mehr auftreten. Um den Wirkstoffpegel der Antiepileptika im Blut zu bestimmen, kann das Labor eine sogenannte Plasmaspiegelbestimmung vornehmen, die Aufschluss darüber gibt ob das Mittel zu gering oder zu hoch dosiert ist und ob es unregelmäßig eingenommen wurde. Der Erfolg einer Behandlung bei Epilepsie hängt allerdings vor allem davon ab, ob das richtige Mittel gewählt wurde und ob es auch vertragen wird. Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind: Carbamazepin, Lamotrigin, Oxcarbazepin, Valproinsäure sowie Phenytoin.
Es können auch zwei oder mehrere Antiepileptika miteinander kombiniert werden. Vorsicht: Alkohol verstärkt die Benommenheit, die Antiepileptika hervorrufen.
Barbiturate
Eine weitere Medikamentengruppe zur Behandlung der Epilepsie sind die Barbiturate. Sie verringern die krankhafte Übererregbarkeit der Nervenzellen, die für die epileptischen Anfälle verantwortlich sind. Sie sind allerdings bei Bewusstseinseintrübungen (Absencen), die nur wenige Sekunden andauern, nicht wirksam. Achtung: Durch die Barbiturate verringert sich die Wirksamkeit von Arzneimitteln mit Digitalis (bei Herzschwäche) und von Tetrazyklinen (bei bakteriellen Infektionen).
Medikamente mit dem Wirkstoff Carbamazepin verhindern, dass sich die fehlerhaften Nervenimpulse, die zu epileptischen Anfällen führen, im Gehirn weiter ausdehnen. Carbamazepin darf nicht gleichzeitig mit MAO-Hemmern bei Depressionen eingenommen werden. Ebenfalls nicht, wenn Herzrhythmusstörungen oder Blutbildungsstörungen bestehen. Vorsicht bei Einnahme der Pille zur Empfängnisverhütung. Carbamazepin stimuliert die Leber, mehr von den Enzymen zu produzieren, die auch die Östrogene abbauen, die in der Pille enthalten sind. Sie wirkt daher nicht mehr zuverlässig.
Benzodiazepine
Benzodiazepine hemmen die Ausbreitung der fehlerhaften Erregungen in den Nervenzellen. Wechselwirkungen bestehen mit Arzneimitteln, die dämpfend auf das zentrale Nervensystem wirken. Das können Neuroleptika bei Psychose oder Schizophrenie sein oder Beruhigungsmittel gegen Angststörungen. Ebenso verstärkt sich die Wirkung von Antihistaminika bei Allergien und Heuschnupfen.
Epilepsiechirurgie
Wirken die verabreichten Medikamente nur unzureichend, kann bei fokaler Epilepsie im Schläfenlappen auch auf die sogenannte Epilepsiechirurgie zurückgegriffen werden. Die Epilepsiechirurgie ist ein Teilgebiet der Neurochirurgie. Hierbei werden die Epilepsie-Herde betroffener Hirnareale operativ entfernt. Diese Operationsmethode wird allerdings nur bei sehr schweren Formen der Epilepsie angewandt, denn sie birgt das Risiko, dass anschließend bestimmte Hirnfunktionen beeinträchtigt sind.