Krankheit / Anwendungsgebiet - Wissen
Epilepsie
Der ganze Körper sackt urplötzlich in sich zusammen, schlägt auf dem Boden auf und beginnt unkontrolliert zu zucken. Schaum tritt aus dem Mund aus, die Augen sind offen, starr und verdreht. So schnell wie diese Szene begann, so plötzlich endet sie. Ein epileptischer Anfall dauert nur wenige Minuten ¬und nicht immer gestaltet er sich so dramatisch. Bei Epilepsie kommt es durch vorübergehende elektrische Fehlimpulse der Nervenzellen im Gehirn zu nicht kontrollierbaren Zuckungen am ganzen Körper, zu unwillkürlichen Bewegungsabläufen der Hände oder zu Dämmerzuständen.
Was ist Epilepsie

Epilepsie ist der Oberbegriff für eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems. Epilepsie zeigt sich mit wiederkehrenden Anfällen, die plötzlich auftreten und in der Regel wenige Sekunden oder Minuten dauern. Grund dafür sind abnorme elektrische Aktivitäten im Gehirn. Epilepsie kann ein lebenslanges Leiden sein, aber auch nach einer gewissen Zeit wieder ausheilen. Neben der Epilepsie gibt es noch viele andere Arten von Krämpfen, die vom Gehirn gesteuert werden. Der Fieberkrampf bei kleinen Kindern ist eine Form davon, ebenso zählen dazu Krampfanfälle, die beim Entzug von Alkohol und Drogen auftreten oder bei zu niedrigem Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie) sowie als unerwünschte Nebenwirkung von Medikamenten.
Unser Gehirn
Unser Gehirn besteht neben dem Stützgewebe aus sogenannten Gliazellen aus Milliarden von Nervenzellen (Neuronen). Jedes einzelne Neuron steht über astartige Ausläufer (Dendriten) mit bis zu 100.000 anderen Neuronen in Kontakt und tauscht über elektrische Impulse Signale mit ihnen aus. Aus den empfangenen Informationen wird dann ein Ausgangssignal aufsummiert. Erst wenn eine bestimmte Schwelle an Informationen überschritten ist, kommt es zu diesem Ausgangsimpuls. Er wird dann über eine Art Kabel (Axon) an andere Nervenzellen verteilt (abgefeuert).
Bei einem epileptischen Anfall verändert sich die Form, in der die Neuronen miteinander kommunizieren. Die Nervenimpulse werden – stark vereinfacht ausgedrückt – sehr heftig und schnell abgefeuert, so dass es zu Fehlfunktionen wie Muskelzuckungen kommt. Normalerweise werden fehlerhafte Impulse vom Gehirn erkannt, als unbrauchbar aussortiert und richten somit keinen Schaden an. Bei Epilepsie funktioniert dieser Mechanismus aber nicht.
Epilepsie Formen
Je nach Ursache wird die Epilepsie in folgende Formen eingeteilt:
Idiopathische Epilepsie: Hierbei ist die Epilepsie nicht die Folge einer Krankheit, Hirnfehlbildung oder Hirnschädigung. Die Epilepsie tritt ohne erkennbare Ursachen auf, eine erbliche Veranlagung ist wahrscheinlich.
Symptomatische Epilepsie: Bei dieser Form der Epilepsie liegen die Ursachen in einer Erkrankung des zentralen Nervensystems oder einer Gehirnschädigung (Hirnfehlbildung, Tumore, Traumata, Meningitis, Enzephalitis, Vergiftungen).
Je nach Gehirnbereichen, die von den krankhaft veränderten Entladungen der Nervenzellen betroffen sind, unterscheidet man:
Fokale Epilepsie: Hier sind nur eine Hirnregion oder ein begrenzter Bereich der Hirnrinde betroffen. Die fokale Epilepsie kann sich aber zu einer generalisierten Epilepsie entwickeln.
Generalisierte Epilepsie: Hier ist das gesamte Gehirn betroffen. Die fehlerhafte nervliche Erregungsbildung breitet sich über beide Hirnhälften aus.