Krankheit / Anwendungsgebiet - Wissen
Hyperhidrose
Die Hände sind ständig feucht, die Socken kleben an den Schuhen, die dunklen Flecken auf der Kleidung unter den Achselhöhlen versetzen uns in Panik. Übermäßiges Schwitzen ist mehr als ein kosmetisches Problem. Viele Betroffene trauen sich gar nicht mehr unter die Leute aus Angst, dass sie ihr Schwitzen nicht unter Kontrolle haben. Übermäßiges Schwitzen ist eine Krankheit, die Hyperhidrose oder Hyperhidrosis heißt.
Was ist Hyperhidrose

Dass uns bei heißen Temperaturen draußen, in der Sauna oder beim Sport der Schweiß aus den Poren rinnt, ist eine völlig normale Reaktion unseres Körpers. Denn um nicht heiß zu laufen, muss sich der Körper abkühlen. Das tut er, indem er aus den Schweißdrüsen Schweiß absondert. Auf der erhitzten Haut verdunstet der Schweiß und kühlt die Haut dadurch ab.
Wenn wir uns fürchten, dann bricht uns der kalte Schweiß aus. Unser Körper zieht alles Blut zusammen, die Haut wird schlechter durchblutet und kühlt ab. Der Schweiß kann nicht wie sonst verdunsten und fühlt sich daher kalt an. Angstschweiß wird nicht nur von Schweißdrüsen abgegeben, sondern auch von ganz speziellen Duftdrüsen. Angstschweiß riecht daher vollkommen anders als normaler Schweiß.
Ab wann der normale Schweißfluss krankhaft verläuft, hängt von der individuellen körperlichen, seelischen und auch zwischenmenschlichen Verfassung jedes Einzelnen ab. Alle diese Faktoren können eine übermäßige, temperaturunabhängige, unvorhersehbare und nicht willentlich kontrollierbare Schweißproduktion beeinflussen. Das krankhafte Schwitzen, auch Hyperhidrose oder Hyperhidrosis genannt, kann am ganzen Körper auftreten (generalisierte Hyperhidrose) oder nur an bestimmten Körperteilen (fokale Hyperhidrose). Hier produzieren vor allem Bereiche mit einer hohen Anzahl an Schweißdrüsen, die begrenzt auf eine kleine Fläche auch noch relativ dicht beieinander liegen, übermäßig viel Schweiß.
Schweißdrüsen
Unsere Haut besteht aus mehreren Schichten. Von außen nach innen sind das: Oberhaut (Epidermis), Lederhaut (Dermis) und Unterhaut (Subcutis). Zwischen der Leder- und Unterhaut befinden sich in unserem Körper insgesamt über drei Millionen Schweißdrüsen: pro Quadratzentimeter sind das 100 bis 300! Diese Schweißdrüsen haben eine wichtige Funktion in unserem Körperstoffwechsel. Neben Wasser enthält der abgesonderte Schweiß vor allem Abbauprodukte des Stoffwechsels, die unser Körper auch auf diese Art aussondert und damit die Nieren entlastet.
Vor allem jedoch regulieren die Schweißdrüsen die Körpertemperatur, die konstant bei 36°C – 37°C liegt. Steigt die Außentemperatur an, sondert die Haut Schweiß ab und führt so Wärme ab. In kalter Umgebung wird die Durchblutung der Haut hingegen gesenkt und somit weniger Wärme abgeben.
Schweiß an sich ist absolut geruchlos. Erst durch bakterielle Abbauprodukte erhält er einen unangenehmen Geruch. Die Produktion von Schweiß wird über das vegetative Nervensystem gesteuert.
Neben den Schweißdrüsen gibt es noch die Duftdrüsen. Durch ihr Sekret, dem außer Schweiß diverse Geruchsstoffe beigemischt sind, entsteht der für jeden Menschen eigene Körpergeruch. Die meisten dieser Duftdrüsen werden erst in der Pubertät gebildet und sitzen unter den Achseln, im Schambereich, an den Brustwarzen und am Naseneingang. Vor Urzeiten halfen die Duftdrüsen unter anderem das andere Geschlecht anzuziehen. Im Laufe der Menschheitsentwicklung sind sie allerdings gegenüber optischen Reizen ins Hintertreffen geraten. Doch gerade wenn sich Menschen näherkommen, spielt der Geruch wieder eine große Rolle. Denn: Optische Reize hin oder her, wenn wir jemanden „nicht riechen“ können, hat er auch mit dem stärksten Outfit keine Chance.
Arten der Hyperhidrose
Schweißperlen auf der Stirn, Nasse Hände, Flecken im Achselbereich auf dem T-Shirt, nasse Socken: Schweißausbrüche können überall ihre Spuren hinterlassen. Die einzelnen Schweißherde an Hand, Fuß, Achsel, Kopf und Rumpf können dabei durchaus gleichzeitig aktiv sein. Wenn die Hyperhidrose nach dem Ort des Schwitzens eingeteilt wird unterscheidet man die fokale Hyperhidrose, also das übermäßige Schwitzen an einer bestimmten Körperstelle und die generalisierte Hyperhidrose, also krankhaftes Schwitzen am ganzen Körper.
Die fokale Hyperhidrose zeigt sich besonders an folgenden Körperteilen:
Schweißhände: Krankhaftes Schwitzen an den Händen oder Hyperhidrosis palmaris beginnt meist in der Pubertät. An unseren Händen befinden sich bis zu 400 Schweißdrüsen pro Quadratzentimeter Haut. Je nach Schweregrad der Hyperhidrose wird sie nach der sichtbaren Ausprägung des Schweißes eingeteilt in:
Grad 1: Bei der leichten Hyperhidrose liegt eine stark erhöhte Handfeuchtigkeit vor.
Grad 2: Die mäßig starke Hyperhidrose zeigt sich durch Schweißperlen und Begrenzung der Schweißausbrüche auf den Schwitzherd.
Grad 3: Bei der starken Hyperhidrose kommt es zum Abtropfen von Schweiß und das Schwitzen betrifft auch die Finger und den seitlichen Rand der Hand.
Schweißhände kann jeder von uns in Stress-Situationen bekommen. Dazu zählen Angst, Aufregung, hohe Belastungen. Dauerhafte Schweißhände aufgrund von Hyperhidrosis palmaris treten jedoch zu jeder Zeit auf und verursachen oft enorme Probleme im Sozialleben.
Achselschweiß: Das krankhafte Schwitzen unter den Achseln mit sichtbarer Durchfeuchtung der Kleidung heißt medizinisch Hyperhidrosis axillaris. Ausgelöst wird diese Form der Hyperhidrose durch psychischen Stress, Schmerzen oder Angst, manchmal jedoch auch durch eine andere Grunderkrankung.
Hyperhidrose an Kopf, Hals, Gesicht und Stirn: Unter Hyperhidrosis facialis versteht man übermäßiges Schwitzen im Gesicht. An Wangen und auf der Stirn bilden sich dann sichtbare Schweißperlen, die auch abtropfen können. Ist die Kopfhaut betroffen kommt es zur kompletten Durchnässung der Haare.
Schweißfüße: Sind die Schuhe durch triefend nasse Füße durchfeuchtet, spricht man von Hyperhidrosis plantaris. Durch die Feuchtigkeit können Risse in der Haut entstehen. Außerdem bilden die Fußsohlen und die Zwischenräume der Zehen ein ideales Klima für Fußpilz.
Trunkale Hyperhidrose: Krankhaftes Schwitzen am Rücken und in der Lendengegend wird als trunkale Hyperhidrose bezeichnet. Diese Form des übermäßigen Schwitzens ist aber relativ selten.
Außer nach dem Ort des Schwitzens unterscheidet man auch noch zwischen primärer und sekundärer Hyperhidrose. Bei der primären Hyperhidrose liegt keine erkennbare Ursache für das übermäßige Schwitzen vor. Bei der sekundären Hyperhidrose ist das starke Schwitzen eine Begleiterscheinung einer anderen Grunderkrankung wie Adipositas (Fettleibigkeit), Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion), Diabetes mellitus, psychische Erkrankungen oder Bluthochdruck. Aber auch Nervenschädigungen durch eine Gehirnblutung, Verletzungen am Rückenmark oder ein Großhirn-Infarkt können Gründe für Hyperhidrose sein.
Oft treten Kombinationen aus primärer und fokaler Hyperhidrose sowie sekundärer und generalisierter Hyperhidrose auf.