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Schilddrüsenunterfunktion
Schilddrüsenunterfunktion und Kinder

Bei Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) produziert die Schilddrüse wenig oder keine der Schilddrüsenhormone Tetrajodthyronin (Thyroxin, T4) und Trijodthyronin (T3). Schilddrüsenhormone spielen eine wichtige Rolle beim Stoffwechsel, der Regulation der Körpertemperatur und bei der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit.
Bei Babys und Kindern kann eine unerkannte Schilddrüsenunterfunktion schwere Folgen haben, da die Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) auch für das Wachstum und die Gehirnentwicklung verantwortlich sind. Etwa eines von 4.000 Neugeborenen ist von einer Schilddrüsenunterfunktion betroffen, Mädchen doppelt so häufig wie Jungen. Wir frühzeitig mit einer regelmäßigen Einnahme von Schilddrüsenhormonen begonnen, entwickeln sich die Kinder ganz normal.
Schilddrüsen Entwicklung
Die Schilddrüse wird zunächst in Höhe des Zungengrundes angelegt. Sie wandert innerhalb der ersten embryonalen Monate nach unten und kommt schließlich in Kehlkopfhöhe zu ihrer endgültigen Lage. Störungen dieser Wanderung können zur Entstehung der sogenannten ektopen Schilddrüsenanlagen (Zungengrundschilddrüse) führen.
Ab der 12. Woche im Mutterleib nimmt die Schilddrüse des Fötus aktiv Jod auf und produziert Schilddrüsenhormone. Das ungeborene Kind ist auf seine eigene Schilddrüsenhormonbildung angewiesen, denn Schilddrüsenhormone gehen nicht von der Mutter auf das Kind über. Wohl aber Jod. Hat die werdende Mutter also Jodmangel, so wird ihr Kind ebenfalls unter Jodmangel leiden. Schwangere sollten daher auf eine ausreichende Jodzufuhr von 200 µg pro Tag achten, um das Kind vor Schäden zu schützen.
Die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) des Fötus entwickelt sich zeitlich parallel zur Schilddrüse. Erst zu Beginn der zweiten Schwangerschaftshälfte ist der Reglerkreis Hypothalamus - Hypophyse- Schilddrüse intakt. Der Schilddrüsen-Hormonspiegel im Blut wird von Rezeptorzellen ermittelt und an eine Kontrolleinheit weitergeleitet. Diese Kontrolleinheit ist der Hypothalamus-Hypophysen-Komplex im Gehirn. Sinkt der Schilddrüsen-Hormonspiegel unter das normale Niveau, setzt der Hypothalamus (das ist ein Teil des Gehirns) das Thyreotropin-Releasing-Hormon (TRH) frei. TRH stimuliert die Hypophyse (Hirnanhangdrüse), Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH) ins Blut abzugeben. TSH wiederum kurbelt die Hormonproduktion in der Schilddrüse an.
Bei einem hohen Schilddrüsenhormonwert produziert der Hypothalamus weniger TRH. Dadurch gibt die Hypophyse weniger TSH ins Blut ab und die Schilddrüse reduziert die Hormonausschüttung und -produktion.
Wenn Hypothalamus, Hypophyse und Schilddrüse normal funktionieren, kann die Hormonproduktion der Schilddrüse also je nach Bedarf an- und abgeschaltet werden. Das garantiert einen konstanten Spiegel an Schilddrüsenhormonen im Blut.
Ursachen der Schilddrüsenunterfunktion
Die Gründe für eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) bei Kindern können angeboren oder erworben sein.
Zu den angeborenen Faktoren gehören:
- Ektope Schilddrüsen: Sie bilden schon bei Geburt oder aber auch im Kleinkind- oder Schulalteralter zu wenig Schilddrüsenhormone.
- Athyreose oder Dysplasie der Schilddrüse: Die Schilddrüse fehlt ganz oder ist nur teilweise vorhanden
- Störung in der Produktion von Schilddrüsenhormonen: Oft infolge eines Mangels an Enzymen, die den Aufbau der Schilddrüsenhormone aus Tyrosin und Jod vorantreiben. Diese Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) geht mit der Bildung eines Kropfes einher. Es entwickelt sich das sogenannte Pendred Syndrom, bei dem das Jod nicht in Tyrosin eingebaut wird. Gekennzeichnet ist das Pendred Syndrom durch eine Innenohrschwerhörigkeit.
- Rezeptorstörung von Körperzellen gegenüber Schilddrüsenhormonen: T3 kann nicht dort angreifen, wo es gebraucht wird
- Defekter Kontrollmechanismus: Die Produktion der Schilddrüsenhormone wird durch einen Rückkopplungsmechanismus reguliert. Bei einem Abfall des Schilddrüsenhormons T3 im Blut setzt der Hypothalamus (ein Teil des Gehirns) Thyreotropin-Releasing Hormon (TRH) frei. TRH regt die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) zur Produktion und Freisetzung von Thyreoidea-stimulierendem Hormon (TSH) an. TSH wiederum stimuliert nun die Schilddrüse, woraus eine vermehrte Produktion und/oder Freisetzung von Schilddrüsenhormonen resultiert. Einer erniedrigten Schilddrüsenhormonkonzentration im Blut kann eine unzureichende Hormonproduktion durch die Schilddrüse zugrunde liegen. Ursachen dieser Unterproduktion sind erniedrigte bzw. erhöhte Produktion an TSH, verursacht durch eine Fehlfunktion der Hypophyse.
Zu den erworbenen Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion gehören:
- Jodmangel
- Leidet die werdende Mutter an der Autoimmunstörung Morbus Basedow, die mit einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) einhergeht und wird mit Hormonblockern behandelt, ist das bei niedriger Dosis für das Ungeborene unbedenklich. Höhere Dosen dieser sogenannten Thyreostatika können allerdings die Schilddrüse des ungeborenen Kindes hemmen und zur Schilddrüsenunterfunktion führen
- Entzündung der Schilddrüse (Thyreoiditis)
Symptome der Schilddrüsenunterfunktion
Zu welchem Zeitpunkt der Hormonmangel einsetzt und wie lange er schon andauerte sind wichtige Punkte für die Entwicklung einer Schilddrüsenunterfunktion. Schon nach der Geburt kann sich eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) bemerkbar machen. Der Säugling zeigt dann folgende Auffälligkeiten:
- Verspäteter Geburtstermin und hohes Geburtsgewicht
*Verlängerte Gelbsucht
- Trinkschwäche
- Erbrechen
- Muskelschwäche
- Hartnäckige Verstopfung
- Harter Bauch
- Kleinwuchs
- Schwerhörigkeit
- Verspätete Zahnentwicklung
- Geistige und körperliche Entwicklungsstörungen
- Später: Sprachstörungen
Weiterhin können auch Hernien auftreten. Darunter versteht man einen Bruch, der durch das Vorfallen des Bauchfells durch eine Muskellücke in die Bauchwand (äußerer Bruch) entsteht. Oder aber es handelt sich um einen Bruch im Zwerchfell (innerer Bruch). Der durch das Bauchfell gebildete Bruchsack kann Teile des Darmes oder des großen Netzes, das den Darm außen überdeckt, enthalten oder mit Flüssigkeit gefüllt sein. Seltener kann der Darm auch in einer Bauchfelltasche innerhalb der Bauchhöhle eingeklemmt werden. Nach dem Ort des Auftretens unterscheidet man mehrere Hernienarten:
Leistenhernie: In der Leiste besteht bei Männern am Austritt des Samenstranges und bei Frauen am Austritt des Mutterbandes aus dem Leistenkanal eine Schwachstelle in der Bauchdecke. Dort kann sich ein mit Darmteilen gefüllter Bruchsack bilden, der dann in den Leistenkanal hineinrutscht.
Hodenhernie (Skrotalhernie): Bei dieser Bruchform wandert der Bruchsack entlang des Samenstranges (oder des Mutterbandes) weiter nach unten und kann bis in den Hodensack beziehungsweise die großen Schamlippen gelangen. Der Hoden erscheint dann stark vergrößert, und Darmteile können darin tastbar sein.
Nabelhernie: Nabelhernien entstehen durch angeborene Schwachstellen der Bauchwand am Nabel.
Zwerchfellhernie: Bei dieser inneren Bruchform schiebt sich der Bruchsack durch eine Lücke im Zwerchfell in den Brustkorb zwischen Rippen- und Lungenfell. Meist treten Zwerchfellhernien auf der linken Seite auf, da die Leber auf der rechten Seite dem Zwerchfell anliegt und so einen Bruch verhindert. Die häufigste Zwerchfellhernie ist die Hiatushernie. Dabei wird der Magen beziehungsweise Magenanteile durch die Durchtrittsstelle der Speiseröhre (Hiatus ösophageus) vom Bauch- in den Brustraum verlagert.
Schenkelhernie: Bruchpforte ist der Schenkelkanal zwischen Leistenband und Beckenknochen. Schenkelhernien sind unter dem Leistenband am Oberschenkel tastbar.
Die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kann jedoch auch erworben sein. Sie tritt dann erst später mit den folgenden Symptomen auf:
- Ständige Müdigkeit
- Verzögerte geistige Entwicklung
- Sprachstörungen
- Gangstörungen
- Gestörte Feinmotorik
- Erhöhte Kälteempfindlichkeit
- Verzögertes Einsetzen der Pubertät
- Störungen des Knochenwachstums, Skelettveränderungen an Hand, Hüfte und Wirbeln
- Kropfbildung
Diagnose der Schilddrüsenunterfunktion
Beim sogenannten Neugeborenen-Screening wird dem Säugling am dritten Lebenstag Blut aus der Ferse abgenommen und aus dem Serum die Konzentration verschiedener Hormone bestimmt. Zum einen wird die Menge an Schilddrüsenhormonen T3 und T4 bestimmt, zum anderen der TSH-Wert (Thyreoidea-stimulierendes Hormon). Die Hirnanhangdrüse bildet das TSH, was wiederum die Schilddrüse dazu anregt, Hormone zu produzieren und freizusetzen. Ein erhöhter TSH-Wert im Blut kann ein Zeichen für einen Mangel an Schilddrüsenhormonen sein.
Eine bereits nach der Geburt vergrößerte Schilddrüse (Kropf) lässt sich mit einer Sonografie erkennen. Mit dieser Ultraschalluntersuchung kann der Arzt die Größe und die Lage der Schilddrüse bestimmen und Knoten oder Zysten (Hohlräume) erkennen. Sind auffällige Veränderungen sichtbar, kann bei älteren Kindern eine Gewebe-Entnahme mittels Szintigrafie oder Feinnadelbiopsie nötig werden. Um zu prüfen, ob eine Autoimmunerkrankung vorliegt, bei der sich die körpereigene Abwehr gegen das Schilddrüsengewebe richtet, kann der Arzt Schilddrüsen-Antikörper im Blut untersuchen.
Therapie der Schilddrüsenunterfunktion
Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) muss dem Körper das Hormon, das er nicht oder nicht mehr ausreichend produziert, als Medikament zugeführt werden. Der Arzt wird Ihrem Kind also Tabletten verordnen, die das synthetisch hergestellte Schilddrüsenhormon Levothyroxin enthalten.
Um die richtige Dosierung zu finden, beginnt die Behandlung mit einer kleinen Wirkstoffmenge. Diese wird dann solange gesteigert, bis die benötigte Dosis erreicht ist. Der Bedarf von Schilddrüsenhormonen steigt mit den Lebensjahren an. Daher sind regelmäßige Blutuntersuchungen zur Kontrolle des Hormonspiegels wichtig. Kontrolltermine sind in der Regel im ersten Monat wöchentlich, im 2. und 3. Monat monatlich, dann alle 3 Monate und ab dem zweiten Lebensjahr halbjährlich.
Das können Sie selbst tun
Sie können auch selbst etwas für die gesunde Entwicklung Ihres Kindes tun: Gehen Sie regelmäßig zu den Vorsorgeuntersuchungen. Eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) lässt sich durch eine frühzeitige Diagnose meist noch gut behandeln. Werden an einer Schilddrüsenunterfunktion erkrankte Neugeborene noch in den ersten Lebenswochen mit dem fehlenden Hormon behandelt, entwickeln sie sich ganz normal.
Kinder, die erst später eine Schilddrüsenunterfunktion bekommen, werden normal groß, falls man mit der Hormongabe noch vor der Pubertät beginnt. Achten Sie außerdem auf eine jodreiche Ernährung Ihrer gesamten Familie.
Schilddrüsenunterfunktion vorbeugen
Um einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) vorzubeugen, ist eine jodhaltige Ernährung unerlässlich.
Säuglinge (50-80 µg/Tag): Säuglinge, die von Müttern gestillt werden, die bei ihrer Ernährung auf ausreichende Jodzufuhr achten, sind ausreichend mit Jod versorgt. Säuglinge, die nicht gestillt werden, können mit Jod angereicherter Säuglingsmilch versorgt werden.
Ab dem 6. Monat können Sie mit Jod angereicherte Beikost (Getreidebreie, Kartoffel-und Gemüsebreie) verwenden.
Kinder von 1-9 Jahren (100-140 µg/Tag) sowie Jugendliche (180µg/Tag) sollten regelmäßig Seefisch verzehren. Beim Zubereiten und Würzen der Speisen sollten Sie Jodsalz verwenden.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion
- Schilddrüsenunterfunktion Ursachen
- Schilddrüsenunterfunktion Symptome
- Schilddrüsenunterfunktion Diagnose
- Schilddrüsenunterfunktion Behandlung
- Schilddrüsenunterfunktion Medikamente
- Schilddrüsenunterfunktion Prognose
- Schilddrüsenunterfunktion vorbeugen
- Schilddrüsenunterfunktion und Schwangerschaft
- Schilddrüsenunterfunktion und Kinder
- Quellen
Klassifikation nach ICD-10
| E00.- | Angeborenes Jodmangelsyndrom |
| E00.0 | Angeborenes Jodmangelsyndrom, neurologischer Typ |
| E00.1 | Angeborenes Jodmangelsyndrom, myxödematöser Typ |
| E00.2 | Angeborenes Jodmangelsyndrom, gemischter Typ |
| E00.9 | Angeborenes Jodmangelsyndrom, nicht näher bezeichnet |
| E03.- | Sonstige Hypothyreose |
| E03.0 | Angeborene Hypothyreose mit diffuser Struma |
| E03.1 | Angeborene Hypothyreose ohne Struma |
| E89.0 | Hypothyreose nach medizinischen Maßnahmen |