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Schizophrenie

Als Schizophrenie bezeichnet man eine Bewusstseinsspaltung ohne organische Ursachen. Sie betrifft Störungen in Gedächtnis, Denken sowie der Wahrnehmung der eigenen Person, der Umwelt und der Realität. Die Symptome der Schizophrenie sind bei jedem Menschen individuell verschieden. Fast immer jedoch treten Halluzinationen und Wahnvorstellungen auf. Schizophrenie verläuft meistens in Schüben, unterbrochen von Phasen mit völlig normalem Verhalten. Mit einer individuell abgestimmten medikamentösen und psychotherapeutischen Therapie können Menschen mit Schizophrenie ein weitgehend selbstbestimmtes Leben führen.

Was ist Schizophrenie


Schizophrenie

Schizophrenie hat viele Gesichter. Sogar bei ein und demselben Patienten kann Schizophrenie im Laufe der Zeit völlig unterschiedlich verlaufen. Dennoch ist die Schizophrenie keine Persönlichkeitsspaltung. Schizophrenie bedeutet Bewusstseinsspaltung. Die Wahrnehmung des Erlebten ist geteilt in die Realität so wie sie ist und in die eingebildete Welt. Manche Menschen mit Schizophrenie hören Stimmen, andere haben optische Halluzinationen, wieder andere fühlen sich von Strahlen und magnetischen Einflüssen bedroht und ihrer Gedanken beraubt. Besonders in der ersten Phase der Schizophrenie, wenn die Betroffenen sich selber nicht erklären können, was mit ihnen geschieht, fühlen sie sich verfolgt, überwacht und ausspioniert. Alle Dinge, die um sie herum passieren, werden auf die eigene Person bezogen und das ganze Leben dreht sich nur noch um diese Wahnvorstellungen. Menschen mit Schizophrenie sehen sich aufgrund der vermeintlichen Realität zu ihren Verhaltensweisen gezwungen, dabei arbeitet ihr Verstand ganz normal. Er konzentriert sich eben nur auf die von anderen nicht wahrgenommenen Gegebenheiten.

Schizophrenie Arten


Aufgrund der zahlreichen Symptome und Verlaufsformen der Schizophrenie gibt es eine Vielzahl an Krankheitsbildern, die vom Arzt nach bestimmten Kriterien der ICD-10 klassifiziert werden. Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstellt, die Ziffer 10 bezeichnet die 10. Revision der Klassifikation.

Nach ICD-10 wird die Schizophrenie unter F20.xx eingeteilt. Bei F20.x bezeichnet die Zahl für x die für das Krankheitsbild dominante Symptomatik. Die Zahl für das zweite x bei F20.xx kennzeichnet die Verlaufsform der Schizophrenie.

Die Schizophrenie (F20.xx) beschreibt eine Bewusstseinsspaltung, bei der Veränderungen des Verhaltens und Symptome über mindestens sechs Monate kontinuierlich bestehen. Die Symptome sind individuell sehr unterschiedlich, charakteristisch sind jedoch Störungen von Denken und Wahrnehmung sowie unpassende oder verflachte Gefühlsregungen. Das äußerst sich im Gedankenlautwerden, Gedankeneingebungen, Wahnvorstellungen, Kontrollwahn, Beeinflussungswahn sowie dem Gefühl, von außen gelenkt zu werden und Stimmen zu hören, die über die eigene Person sprechen.

Bei der paranoiden Schizophrenie (F20.0) treten dauerhafte paranoide Wahnvorstellungen auf, begleitet von Wahrnehmungsstörungen, akustischen Halluzinationen sowie Störungen der Stimmung, des Antriebs und der Sprache.

Die Hebephrene Schizophrenie (F 20.1) liegt vor, wenn Wahnvorstellungen und Halluzinationen nur flüchtig und bruchstückhaft auftreten und affektive Veränderungen (Stimmungsveränderungen) im Vordergrund der Erkrankung stehen. Das Verhalten der an Hebephrener Schizophrenie leidenden Menschen ist verantwortungslos und unvorhersehbar. Sie neigen dazu, sich sozial zu isolieren, ihr Denken und ihre Sprache sind zerfahren, ihre Stimmung ist der jeweiligen Situation unangemessen. Die Hebephrene Schizophrenie tritt vor allem bei jungen Leuten im Alter von 15 bis 25 Jahren auf.

Die Katatone Schizophrenie (F 20.2) oder schizophrene Katatonie macht sich durch psychomotorische Störungen bemerkbar. Phasen der körperlichen und geistigen Erregung und Erstarrung (Stupor) wechseln sich ab, Zwangshandlungen können begleitend auftreten und können lange Zeit erhalten bleiben.

Eine Undifferenzierte Schizophrenie (F20.3) liegt vor, wenn keine charakteristischen Merkmale einer der Unterformen der Schizophrenie überwiegt, aber allgemeine diganostische Kriterien der Schizophrenie vorliegen.

Unter einer Postschizophrenen Depression (F20.4) versteht man eine länger andauernde depressive Episode, die im Anschluss an ein schizophrenes Krankheitsbild auftritt. Vorsicht: Bei der Postschizophrenen Depression besteht ein erhöhtes Suizidrisiko.

Als Schizophrenes Residuum (F20.5) oder Schizophrener Residualzustand wird ein chronisches Stadium in der Entwicklung einer schizophrenen Erkrankung bezeichnet. Es ist gekennzeichnet durch die kontinuierliche Verschlechterung der Beschwerden sowie Symptome wie Passivität, Vernachlässigung der Körperpflege, vermindertes Sozialleben, Antriebsminderung, Sprachverarmung, Vermeidung von Blickkontakt.

Eine Schizophrenia simplex (F20.6) liegt vor, wenn sich schleichend eine Antriebsminderung und Abflachung der Gefühle entwickeln. Bei Schizophrenia simplex überwiegen zunächst nur die negativen Symptome wie Apathie, Sprachverarmung, Sprachverflachung.

Unter die andere Schizophrenie (F20.8) fallen sonstige, ganz spezielle und individuell verschiedene Formen der Schizophrenie.

Schizophrenie Verlaufsformen


Die Verlaufsformen der Schizophrenie können entweder kontinuierlich, episodisch mit zunehmenden oder stabilen Defiziten sein oder es können eine oder mehrere Episoden mit vollständigem oder unvollständigem Nachlassen der Krankheitssymptomatik auftreten.

Laut ICDE-10 sind folgende Verlaufsformen möglich:

F20.x.0: kontinuierlich
F20.x1: episodisch mit anwachsendem Residuum (immer mehr Restsymptome bleiben nach jeder Episode zurück)
F 20.x2: episodisch mit stabilem Residuum (eine klar definierte Anzahl von Restsymptomen bleiben nach jeder Episode zurück)
F20.x3: episodisch remittierend (zeitweilig nachlassende Symptome nach jeder Episode)
F20.x4: mit unvollständiger Remission (das zeitweise oder dauerhafte Nachlassen von Krankheitssymptomen erfolgt nicht vollständig)
F20.x5: mit vollständiger Remission
F20.x8: andere
F20.x9: unklar, da der Beobachtungszeitraum unter einem Jahr liegt

Andere Krankheitsbilder


Keine Unterformen der Schizophrenie, sondern eigenständige Krankheitsbilder sind die folgenden Leiden:

Eine Schizotype Störung (F21.xx) liegt vor, wenn exzentrisches Verhalten und Anomalien in Denken und Stimmung auftreten, die schizophren wirken. Jedoch dürfen die Symptome einer Schizophrenie weder aktuell noch früher vorgelegen haben. Eine Schizotype Störung hat kein beherrschendes Symptom, die Zuordnung zu dieser Erkrankung erfordert allerdings das Vorhandensein von mindestens drei der folgenden Symptome über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren:

  • Exzentrik in Verhalten und Erscheinung
  • Sozialer Rückzug und wenig zwischenmenschliche Kontakte
  • Beziehungsfantasien, paranoide Ideen, bizarre Überzeugungen, aber ohne Wahn
  • zwanghaftes Grübeln über sexuelle, aggressive Dinge
  • Episodenhaft auftretende Entpersonalisierungs-Erlebnisse
  • Gekünstelte, stereotype Sprache und Denkweise
  • Episoden von Halluzinationen, wahnähnlichen Ideen und Illusionen

Anhaltende wahnhafte Störungen (F22.x) sind gekennzeichnet durch Wahnvorstellungen, die über drei Monate anhalten, aber im Gegensatz zur Schizophrenie ohne Halluzinationen verlaufen. Bei diesem Krankheitsbild dürfen auch keine schizophrenen Episoden in der Vorgeschichte vorgelegen haben. Die Wahnvorstellungen sind gekennzeichnet durch eine einzelne dominante Wahnidee oder aufeinander bezogene Wahninhalte. Es können auch leichtere Symptome der Schizophrenie dazukommen wie etwa anhaltendes Stimmen-Hören. Auch die sogenannte Paranoia querulans (Querulantenwahn) fällt unter das Krankheitsbild der Anhaltenden wahnhaften Störungen. Menschen mit Querulantenwahn sind der festen Überzeugung, dass sich alle Mitmenschen gegen sie verschworen haben, sie betrügen, hintergehen, zu Unrecht irgendeiner Tat verdächtigen. Sie suchen Abhilfe in ständigen telefonischen und schriftlichen Beschwerden bei den angeblichen Verursachern des Unrechts (auch Behörden, Gerichte und öffentliche Einrichtungen), ziehen vor Gericht und haben die Fähigkeit zur Einsicht vollkommen verloren.

Vorrübergehende akute psychotische Störungen (F23.xx) liegen vor, wenn die typischen Symptome der Schizophrenie mit einer Dauer von weniger als einem Monat vorliegen und wenn die psychotischen Störungen innerhalb von zwei Tagen bis zwei Wochen nach einer akuten seelischen Belastung beginnen und eine körperliche Ursache der Beschwerden ausgeschlossen werden kann. Vorübergehend akute psychotische Störungen treten häufig als Reaktion auf großen persönlichen Stress auf, zum Beispiel nach dem Tod eines nahen Angehörigen oder anderen schweren Traumata. Die Symptome sind häufig sehr schwer, jedoch tritt bei den meisten Betroffenen eine schnelle Genesung ein.

Als Untergruppen, klassifiziert nach dominanter Symptomatik gelten hier:

F 23.0: Akute polymorphe psychotische Störung ohne Symptome einer Schizophrenie: Hier sind mehrere Halluzinationsformen und Warninhalte gemischt und treten im Wechsel auf

F 23.1.: Akute ploymorphe psychotische Störung mit Symptomen einer Schizophrenie: Genau wie bei F23.0 plus Symptome der Schizophrenie unter einem Monat Dauer.

F 23.2.: Akute schizophrenieforme psychotische Störung: Hierunter fällt eine Schizophrenie bzw. eine schizophrene Reaktion unter einem Monat Dauer

F23.3.: Andere akute vorwiegend wahnhafte psychotische Störung: Hier liegen stabile Wahnvorstellungen vor (Verfolgungswahn, Beziehungswahn) und stabile akustische Halluzinationen

Je nach Belastung kommen hinzu:
F23.x0: ohne akute anhaltende Belastung
F23.x1: mit akuter anhaltender Belastung

Eine Induzierte wahnhafte Störung (F24) liegt vor, wenn zwei oder mehr Menschen denselben Wahninhalt zeigen und sich gegenseitig darin bestärken. Zwischen diesen Menschen besteht eine enge Beziehung und es kann ein zeitlicher, ideologischer und/oder religiöser Zusammenhang dokumentiert werden, der den einen Menschen dazu veranlasste, den anderen in seine Wahnvorstellungen miteinzubeziehen.

Die Schizoaffektive Störung (F25.xx) weist dieselbe Symptomatik wie die Schizophrenie auf. Gleichzeitig ist die Schizoaffektive Störung aber noch durch Stimmungsveränderungen wie Manie (in Form von Hochgefühlen) und /oder Depression (in Form von tiefster Niedergeschlagenheit) gekennzeichnet. Die Anzeichen einer Depression sind dabei die Unfähigkeit, Gefühle zu empfinden. Wut, Trauer und Freude werden nicht mehr wahrgenommen. Die Betroffenen leiden unter Antriebsarmut und sind manchmal zu gar keinen Aktivitäten in der Lage. Die Manie zeigt sich in völliger Selbstüberschätzung des Betroffenen, Hyperaktivität, ständigem Redefluss, eventuell Streitsucht oder schamlosem Verhalten.

Im Gegensatz zur bipolaren Störung treten die Schizophrenen Symptome bei der Schizoaffektiven Störung auch außerhalb von manischen und depressiven Phasen auf.

Laut ICD-10 klassifiziert man Schizoaffektive Störungen folgendermaßen:

F25.0: Schizoaffektive Störung, gegenwärtig manisch: Hier liegt eine Manie plus mindestens ein eindeutiges Symptom für eine Schizophrenie vor.

F25.1: Schizoaffektive Störung, gegenwärtig depressiv: Hierbei müssen mindestens ein eindeutiges Symptom von Depressionen und mindestens ein Symptom der Schizophrenie vorhanden sein.

F25.2: Gemischt schizoaffektive Störung: Symptome einer Schizophrenie und bipolar-affektive Symptome treten gleichzeitig auf.

F25.3: Andere schizoaffektive Störungen: Hierunter fällt die zyklische Schizophrenie. Bei diesem Krankheitsbild wechseln sich Episoden mit schizophrenen und affektiven Krankheitszeichen ab.

zur Hauptseite über Schizophrenie Schizophrenie Ursachen Zuletzt geändert am: 24.04.2012

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