Krankheit / Anwendungsgebiet - Wissen
Thrombose
Therapie
Die Therapie der Phlebothrombose hat in den letzten Jahren einen grundlegenden Wandel erfahren. Die strenge Bettruhe, die Patienten zuvor routinemäßig bis zu 2 Wochen an ein Krankenhausbett gefesselt hat, gehört der Vergangenheit an.
Die heutige Therapie der tiefen Beinvenenthromose steht auf zwei Säulen.
- pysikalische Therapie mit Kompression der Betroffenen Extremität und
- medikamentöse Therapie mit Antikoagulation und in Einzelfällen einer Thrombolyse oder Thrombektomie
Kompressionstherapie
Sie hat einen schmerzlindernden und einen abschwellenden Effekt. Zunächst wird das Bein mit Binden gewickelt, später kommen dann Kompressionsstrümpfe zum Einsatz. Die Höhe, bis zu der eine solche Kompressionstherapie durchgeführt wird, richtet sich nach Lokalisation der Thrombose. Die Effektivität dieser Maßnahme ist für eine Dauer von 2 Jahren wissenschaftlich durch Studien belegt.
Antikoagulation
Die wichtigste medikamentöse Sofortmaßnahme ist die Antikoagulation mit Heparin. Sie verhindert das weitere Thrombuswachstum und beugt damit der Komplikation einer Lungenembolie vor. Folgende Präparate sind u.a. in Deutschland für die Thrombosetherapie zugelassen: Nadroparin, Enoxaparin, Tinzaparin und Certoparin.
Sobald wie möglich (1-7 Tage) sollte dann auf orale Antikoagulantien (z.B. Marcumar, Falithrom, Coumadin ) eingestellt werden. Jedoch muss eine überlappende Heparintherapie weitergeführt werden bis der gewünschte Therapeutische Spiegel erreicht ist (Quickwert < 30-40%, INR > 2,0).
Die Behandlung dauert mindestens 3 Monate, in der Regel aber 6-12 Monate. Bei erneuten Thrombosen und bei bestimmten Defekten des Gerinnungs- oder Fibrinolysesystems muss eine Antikoagulation unter Umständen lebenslang durchgeführt werden.
Thrombolyse
Die "Auflösung" des Thrombus hat die Wiedereröffnung der venösen Strombahn zum Ziel. Dabei erfolgt die Applikation der thrombolytischen Substanzen systemisch oder regional über eine Fußrückenvene der betroffenen Extremität. Dabei wird die Applikation über mehrere Stunden, eventuell über Tage durchgeführt.
Bei erfolgreicher, kompletter Rekanalisation besteht keinerlei Risiko mehr für eine postthrombotisches Syndrom.
Auf Grund der teils lebensbedrohlichen Komplikationen ist eine Thrombolyse nicht bei jeder Beinvenenthrombose durchzuführen. Insbesondere bei ausgedehnten Mehretagen-Thrombosen, bei einem Lebensalter unter 50 Jahren und einem geschätzten Thrombosealter von unter 8 Tagen ist eine Thrombolyse indiziert.
Der Patient sollte jedoch stets über Nutzen und Risiken aufgeklärt werden. Hier ist in ca. 15% der Fällen mit bedeutsamen Blutungskomplikationen zu rechnen. Intrakranielle Blutungen treten bis zu 1,5% auf, bei unter 50 Jährigen jedoch nur in bis zu 0,2% der Fälle.
Zugelassen zur Thrombolyse bei tiefer Beinvenenthrombose sind Streptokinase und Urokinase.
Thrombektomie
Die chirurgische Entfernung des Thrombus ist die Therapie der Wahl bei Phlegmasia coerulea dolens zur Erhaltung der Extremität und eventuell bei Einwachsen des Thrombus aus der Vena saphena magna in das tiefe Venensystem. Ansonsten spielt die chirurgische Therapie bei den Phlebothrombosen eine eher untergeordnete Rolle.
Cava-Filter
Bei Patientin mit einer absoluten Kontraindikation gegen eine Antikoagulation oder wenn trotz korrekt durchgeführter Antikoagulation symptomatische Lungenembolien auftreten kann ein gitternetzartiger Filter in die Vena cava inferior eingebracht werden. Dies soll vor weiteren thrombotischen Komplikationen schützen. Eine regelhafte Applikation bei jeder Phlebothrombose ist aber nicht indiziert.