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E-Rezept: Von Startschwierigkeiten, Vor- und Nachteilen und den häufigsten Fragen

Veröffentlicht: 26.01.2024

Lesezeit: 6 Min.

Apotheke | Krankenkasse | Tipps

Seit 1. Januar 2024 ist das E-Rezept Pflicht. Das rote Papierrezept wird von einer digitalen Version abgelöst. | © MQ-Illustrations - stock.adobe.com

„Das E-Rezept ist jetzt auf dem Chip Ihrer Gesundheitskarte. Sie können es heute Nachmittag in der Apotheke abholen.“

Vielleicht haben Sie das so oder so ähnlich auch schon in Ihrer Arztpraxis gehört?  Seit dem 01.01.2024 gehört er der Spruch wohl zu einem der meist gesagten Sätze in Arztpraxen in ganz Deutschland. Denn seit diesem Datum ist das E-Rezept verpflichtend für alle Ärzte, Ärztinnen, Zahnärzte und Zahnärztinnen – zumindest bei verschreibungspflichtigen Medikamenten für gesetzlich Versicherte. Die Neuerung hat zu einigen Pannen und zahlreichen offenen Fragen geführt.

Wie funktioniert das E-Rezept?

Das elektronische Rezept ist die digitale Version des roten Zettels, den Sie bisher in der Apotheke abgegeben haben. Die Arztpraxis erstellt das E-Rezept und speichert es im E-Rezept-Fachdienst (ähnlich einer Cloud). In der Apotheke kann es anschließend abgerufen werden. Als Schlüssel dient der Chip Ihrer Gesundheitskarte oder ein QR-Code.

Die Pannen seit der Einführung des E-Rezepts

Einige Arztpraxen und auch Apotheken nutzen das E-Rezept schon länger. Viele starteten damit allerdings ganz neu zum 01.01.2024. Das hat erwartungsgemäß nicht überall reibungslos funktioniert. Durch die vielen Anfragen (etwa 7 Millionen E-Rezepte in den ersten 10 Tagen) fiel das System immer wieder überlastungsbedingt aus. Stellenweise wurden deshalb immer noch Papierrezepte ausgestellt oder einzelne Apotheken konnten E-Rezepte nicht einlösen.

Bis heute kommt es auch immer wieder zu Nachfragen wegen falsch ausgefüllter Rezepte. Insbesondere das Freitextfeld zur Fachrichtung scheint hin und wieder für Verwirrung zu sorgen.

Ein weiteres Problem ist wohl die fehlende Aufklärung der Patienten und Patientinnen. Viele hören in der Arztpraxis das erste Mal vom E-Rezept. Andere haben Detailfragen, die geklärt werden müssen. Ein Rezept auszustellen oder einzulösen kann da durchaus länger dauern.

Besonders hart trifft es zudem einzelne Apotheken, bei denen (unverschuldet) das Internet ausfällt. Sie können in dieser Zeit keine Rezepte mehr einlösen. Ein Beispiel ist hier etwa die Brunnen-Apotheke in Witten, die wegen eines Hochwasserschadens keine Rezepte ausgeben konnte.

E-Rezept einlösen – So funktioniert´s

Um das E-Rezept einzulösen, haben Sie drei Optionen:

  • Ihre Gesundheitskarte
    Mithilfe der Krankenkassenkarte (offiziell Gesundheitskarte) kann der oder die Apotheker:in das E-Rezept abrufen. Dafür gibt es ein spezielles Lesegerät in der Apotheke.

  • E-Rezept App
    In der E-Rezept App von gematik können Sie alle Ihre Rezepte verwalten. Sie bietet die Möglichkeit Medikamente in der nächstgelegenen Apotheke zum Abholen zu bestellen, liefern zu lassen oder einen Medikamentenplan zu hinterlegen. Auch andere Anbieter z. B. große Krankenkassen bieten Apps für das E-Rezept an.

  • Zettel mit QR-Code
    Wer möchte, kann sich auch weiterhin einen Zettel für die Apotheke in der Arztpraxis ausstellen lassen. Auf ihm ist ein QR-Code hinterlegt, mit dem der oder die Apotheker:in das E-Rezept einlösen kann.

Vorteile des E-Rezepts

Bei all den Startschwierigkeiten gibt es klare Vorteile, die nach wie vor für die Einführung des E-Rezepts sprechen:

  • Weniger Fehler und Nachfragen
    Der oder die Apotheker:in muss auch beim E-Rezept prüfen, ob alles korrekt ausgefüllt wurde. Durch die Vorgaben in der entsprechenden Maske soll es aber viel seltener zu Fehlern oder Missverständnissen in den Arztpraxen und Apotheken kommen. So müssen Rezepte seltener neu ausgestellt oder angepasst werden.

  • Weniger Papierkram
    Bisher mussten Sie eines der roten Rezepte vom Stapel der Arztpraxis in die Apotheke tragen, dort landete es dann auf einem neuen Stapel für die Abrechnung – oder im Papierkorb. Dank des E-Rezepts können sich die Beteiligten den Papierkram jetzt sparen.

  • Kürzere Wege
    Durch die digitale Signatur kann Ihr Arzt oder Ihre Ärztin das E-Rezept direkt dort unterschreiben, wo er oder sie gerade ist. So kann der Betrieb in der Praxis normal weitergehen und muss nicht für eine Unterschrift unterbrochen werden.

  • Vermeidung von Wechselwirkungen
    Nutzen Sie das E-Rezept zusammen mit dem Medikationsplan in der digitalen Patientenakte, können Sie Ihre(n) Arzt oder Ärztin sowie Apotheker:in direkt Einblick in alle Ihre Medikamente geben. Wechselwirkungen fallen dadurch besser auf und können vermieden werden.

  • Digitale Verordnungen möglich
    Bisher klappt es mit den digitalen Verordnungen für Heime oder Videosprechstunde noch nicht. In Zukunft könnten Sie aber ein E-Rezept bekommen, ohne die Praxis zu besuchen. Das ist auch bei einer regelmäßigen Medikation, für die Sie alle paar Wochen oder Monate ein neues Rezept benötigen, praktisch.

Nachteile des E-Rezepts

Neben den Startschwierigkeiten gibt es auch langfristige Punkte, die gegen das e-Rezept sprechen:

  • Wartezeiten in der Apotheke
    Nicht immer ist das E-Rezept schon da, wenn Sie in die Apotheke gehen. Es muss ja eingetragen und unterschrieben werden. Fragen Sie deshalb direkt in der Arztpraxis nach, wann Sie Ihre Medikamente abholen können.

  • Weniger persönlicher Kontakt
    Ein komplett digitales E-Rezept spart Zeit, doch ohne persönlichen Kontakt zwischen Praxis und Patient:in fehlen auch die Gelegenheiten an Vorsorgeuntersuchungen zu erinnern oder kurze Fragen zu klären.

  • Datenschutz
    Als Verantwortliche nimmt die gematik Datenschutz-Maßnahmen sehr ernst. Dennoch bleibt natürlich ein Restrisiko. Sollten Sie die Gesundheitskarte verloren haben, muss diese zum Beispiel schnellstmöglich gesperrt werden, wenn noch ein Rezept offen ist.

  • Fehlende Routinen
    Nicht nur Praxen und Apotheken müssen sich an die neuen Abläufe mit dem E-Rezept gewöhnen. Auch für Sie als Patient oder Patientin ist es eine Umstellung. Bis sich alles eingespielt hat, wird es also noch dauern.

    Häufige Fragen zum E-Rezept

    • Können Sie das E-Rezept in einer Online-Apotheke einlösen?
      Das E-Rezept kann auch in Online-Apotheken eingelöst werden. Dafür benötigen Sie die E-Rezept App oder einen Ausdruck aus der Arztpraxis.

    • Gibt es das E-Rezept für Privatversicherte?
      Für Privatpatienten gibt es keine E-Rezept Pflicht. Ob Ihre Arztpraxis auch grüne und blaue Rezepte als E-Rezept ausstellen kann, hängt von der verwendeten Software ab.

    • Können Sie das E-Rezept auch für Verwandte oder Bekannte einlösen?
      Wer möchte, kann das E-Rezept auch von Bekannten oder Verwandten in der Apotheke holen lassen. Dafür geben Sie ihnen entweder die Gesundheitskarte oder den Ausdruck aus der Arztpraxis mit. Die E-Rezept App von gematik bietet sogar die Möglichkeit, Rezepte innerhalb der Familie oder Freunden und Freundinnen gemeinsam zu verwalten.

Fazit: Was sind Ihre Erfahrungen zum E-Rezept?

Die Startschwierigkeiten des E-Rezepts scheinen überwunden. Bis sich das neue Konzept unter den Patienten und Patientinnen eingespielt hat, wird es aber wohl noch einige Monate dauern. Noch können auch nur verschreibungspflichtige Medikamente (mit einigen Ausnahmen) digital verschrieben werden. Hilfsmittel und andere apothekenpflichtige Produkte sollen erst schrittweise folgen.

Ist der Prozess einmal abgeschlossen, könnte es allerdings tatsächlich eine kleine Entlastung für Arztpraxen, Apotheken und Patienten und Patientinnen bedeuten. Bis dahin muss aber natürlich ein Mehraufwand für die Einführung gestemmt werden.

Was sagen Sie zum E-Rezept? Welche Erfahrungen haben Sie bisher dazu gemacht? Diskutieren Sie mit uns im sanego Fragebereich.