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Backyard Ultra: Ausdauer als Extremsport

Von: Elisabeth Maußner Geprüft von: Nina Kischke
Aktualisiert: 03.08.2026
Lesezeit: 6 Min.
Fitness und SportMein Körper
Eine Gruppe Läufer bei einem Wettkampf. Die Männer tragen Startnummern und laufen einen Waldweg entlang.
Beim Backyard Ultra geht es nicht um Geschwindigkeit, sondern Durchhaltevermögen. | © Canva

Höher, schneller, weiter: Ultra Sportarten locken immer mehr Zuschauer:innen und Teilnehmende an. Dazu gehört auch der Backyard Ultra. Der Last-One-Standing Wettlauf klingt im ersten Moment machbar: Jede Stunde muss eine Runde über 6,706 Kilometer gelaufen werden - bis nur noch eine(r) Teilnehmer:in übrig bleibt. Beim Backyard Ultra geht es also nicht darum, besonders schnell eine weite Strecke zurückzulegen. Vielmehr müssen Teilnehmende Ihre Kräfte gut einteilen und Durchhaltevermögen beweisen.

Sportwissenschaftler Thomas Gronwald erklärt die Herausforderung beim Backyard Ultra so:

" Der Körper muss über viele Stunden oder sogar Tage hinweg Energie bereitstellen, Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt regulieren, die Muskulatur immer wieder neu aktivieren und gleichzeitig die Leistungsfähigkeit aufrechterhalten. Hinzu kommt die psychische Komponente: Schlafmangel, monotone Belastung und die ständige Entscheidung, noch eine weitere Runde zu starten. Aus sportwissenschaftlicher Sicht ist der Backyard Ultra deshalb weniger ein klassischer Wettkampf gegen die Uhr, sondern vielmehr ein Wettkampf gegen die fortschreitende Ermüdung."

Was ist ein Backyard Ultra?

Der Backyard Ultra ist ein Ausdauerrennen, das 2011 erstmals in Tennessee von Extremsportler Gary Cantrell (Lazarus Lake) veranstaltet wurde. Der Begriff „Backyard“ geht auf den ursprünglichen Austragungsort zurück: Das Rennen fand rund um Cantrells Grundstück statt.

Im Gegensatz zu Marathon, Triathlon oder Cycling wird keine feste Strecke zurückgelegt, sondern in Runden gelaufen. Jede Stunde beginnt eine neue Runde über 6,706 Kilometer (entspricht 4,167 Meilen). Nach 24 Stunden legen die Teilnehmenden so insgesamt 100 Meilen zurück. Der Backyard Ultra endet, wenn nur noch ein(e) Teilnehmer:in übrig ist.

"Dass ein Backyard Ultra besser für den Körper ist als andere Ultra-Rennen, kann man pauschal nicht sagen. Durch die Tempovorgabe mit 6,7 km pro Stunde können Teilnehmer:innen die Runde recht entspannt angehen, dabei bleibt zumeist auch immer wieder Zeit für eine kurze Pause und die Aufnahme von Verpflegung. Neben dem gemäßen Tempo ist auch der zumeist recht flache Kurs für die Gelenke deutlich weniger belastend als bei schnelleren Läufen beziehungsweise bei Ultratrailläufen mit Bergauf- und Bergababschnitten. Dem gegenüber stehen jedoch einige Nachteile eines Backyard Ultra verglichen mit anderen Ultra-Wettkämpfen: Das ständige Stoppen und Starten nach jeder Runde ist auf Dauer eine starke Belastung für die Muskeln, Sehnen und Gelenke und – je nach Anzahl der Runden – lassen die Vorgaben der Rundenzeiten keinen Raum für Powernaps, d.h. der Körper wird zunehmend geschwächt, das Herz-Kreislauf-System extrem belastet und die Koordination verschlechtert sich zunehmend. Außerdem wissen die Teilnehmer:innen eines Backyard Ultra vorher nicht, wann das Zeil erreicht ist. Dadurch besteht die Gefahr, dass viele über ihre (Schmerz-)Grenze hinausgehen und die Warnsignale ihres Körpers ignorieren."

erläutert Sportmediziner Dr. Wolfgang Schillings

Mehr zu den Voraussetzungen für einen Backyard Ultra

In diesem Interview hat uns Sportmediziner Dr. Wolfgang Schillings vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf erklärt, welche Voraussetzungen Teilnehmer:innen für einen Backyard Ultra erfüllen sollten und was für das Training besonders wichtig ist: Backyard Ultra: Was Sie für eine Teilnahme wissen sollten. Dr. Wolfgang Schillings im Interview

Last Soul Ultra: Ultra Wettkampf & Online Event

Der Backyard Ultra hat also vieles, was ein gutes Sportevent braucht: Die Regeln sind klar verständlich, es kann erstmal fast jede(r) mitmachen und es bleibt bis zuletzt spannend, wer als Sieger:in hervorgeht. Das haben auch Fitnessinfluencer:innen erkannt – und den Wettbewerb damit erst in Deutschland bekannt gemacht.

„Runfluencer“ Kim Gottwald veranstaltetet sogar seinen eigenen Lauf. Beim Last Soul Ultra fordert er Instagramstars aus der Laufszene heraus mitzumachen. Die 150 Teilnahmeplätze wurden bereits am Jahresanfang vergeben. Am 15. August 2026 können die Zuschauer:innen dann bei einem Live-Stream mitfiebern. 2025 sahen so kurzzeitig 20.000 Menschen zu. Auch Vorbereitungsvideos und Renn-Highlights erreichen viele Klicks. Aus dem Wettlauf für Ultra Athleten und Athletinnen ist so ein großes Online Event geworden.

Welche Regeln gibt es beim Backyard Ultra?

Die Regeln beim Backyard Ultra sind relativ simpel:

  • Alle 60 Minuten muss eine Runde über 6,706 km gelaufen werden. Wer schneller läuft, kann eine Pause machen. Das heißt, wenn ein(e) Läufer:in die Runde in 50 Minuten schafft, hat er oder sie 10 Minuten Zeit, z. B. zum Essen oder Trinken, bevor die nächste Runde startet.

  • Für jede Runde treffen sich alle Teilnehmenden an der Startlinie und laufen gemeinsam los. Wer nicht im Startbereich ist oder nicht losläuft scheidet aus.

  • Solange mindestens zwei Teilnehmende im Rennen sind, läuft der Wettbewerb weiter.

  • Gewonnen hat die Person, die als einzige noch eine vollständige Runde schafft. Scheiden zwei Personen in der gleichen Runde aus, gibt es keine(n) Sieger:in.

  • Alle ausgeschiedenen Teilnehmenden gelten als „DNF“ (Did not finished). Ein klassisches Siegertreppchen mit 1., 2. und 3. Platz gibt es also nicht.

Wer nimmt an einem Backyard Ultra teil

Der Backyard Ultra zieht nicht nur Influencer:innen und Ultraathleten bzw. Ultraathletinnen an. Durch das besondere Format in Runden, ist er auch für Laufbegeisterte interessant, die eine besondere Herausforderung suchen. Vor allem Hobbysportler:innen, die schon einmal an einem (Halb-)Marathon teilgenommen haben, trauen sich durchaus eine Teilnahme zu.

Sie sollten dafür aber einige Vorrausetzungen erfüllen, so Sportmediziner Wolfgang Schillings:

"Ein sportlicher Ultra-Wettkampf ist immer eine große Belastung für den Körper, deshalb sollten zunächst alle Voraussetzung vorliegen, um diesen auch unbeschadet bewältigen zu können. Insbesondere ein intaktes Herz-Kreislauf-System und gesunde Gelenke sind die Basis dieses Vorhabens. Ebenso wichtig ist eine adäquate Vorbereitung, an erster Stelle eine saubere Lauftechnik und eine gezielte und idealerweise von einem Experten oder einer Expertin vorgegebene Steigerung der Laufumfänge."

Vor der Teilnahme sollten Sie allerdings auch die Grenzen des eigenen Körpers sehr gut kennen. Denn der Backyard Ultra verleitet dazu, mehr Runden zu laufen, als eigentlich gut für den Körper ist.

Sportwissenschaftler Thomas Gronwald mahnt:

"Im Wettkampfkontext ist das schwierig, weil die Motivation oft sehr hoch ist. Deshalb sind ein gutes Betreuerteam und die Bereitschaft, Warnsignale ernst zu nehmen, besonders wichtig. Aus wissenschaftlicher Sicht ist das rechtzeitige Beenden eines Rennens keine Niederlage, sondern Ausdruck eines verantwortungsvollen Belastungs- und Beanspruchungsmanagements."

Mehr zu eigenen Grenzen und Belastungen während eines Backyard Ultra

Worauf Läufer:innen während des Backyard Ultra besonders achten sollten und welche Belastungen auf ihren Körper zukommen, lesen Sie in diesem Interview mit Sportwissenschaftler Thomas Gronwald: Worauf sollten Teilnehmende beim Backyard achten? Trainingswissenschaftler Thomas Gronwald im Interview

Backyard Ultra: Auch für Zuschauer interessant

Zuschauer:innen unterschätzen die Leistung beim Backyard Ultra oft. „Wer beispielsweise 24 Runden absolviert, hat bereits rund 161 Kilometer zurückgelegt – also fast vier Marathonläufe – und das ohne längere Erholungsphasen. Nach 30 Runden sind es bereits über 200 Kilometer.

"Bemerkenswert ist zudem die Gleichmäßigkeit. Viele erfolgreiche Backyard-Athleten und -Athletinnen laufen ihre Runden über viele Stunden nahezu im gleichen Tempo. Diese Fähigkeit zur Selbstregulation ist eine außergewöhnliche Ausdauerleistung.“"

Sportwissenschaftler Thomas Gronwald

Auch die Pausen zwischen den einzelnen Runden können aktiv zum Erfolg beitragen. Teilnehmende verfolgen dabei unterschiedliche Strategien, um den Körper mit ausreichend Erholung und Energie zu versorgen. Zuschauende können in Live Streams und auch vor Ort deshalb aktiv mitfiebern. Oft bleibt es zudem bis zum Schluss spannend, wer als Sieger:in hervorgeht.