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Herzinfarkt bei Frauen: Elain über ihren Herzinfarkt und die Folgen im Interview

Von Elisabeth Maußner
Aktualisiert: 25.05.2026
Lesezeit: 7 Min.
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Eine Frau fasst mit beiden Händen an ihr Herz. Sie trägt ein gelbes T-Shirt und steht vor einem gelben Hintergrund.
Viele Frauen erkennen die Symptome eines Herzinfarkts zunächst nicht als Notfall. | © WHstudio Leushin N - stock.adobe.com

Ein Herzinfarkt bei Frauen ist nicht viel seltener als bei Männern, äußert sich aber oft anders. Deshalb wird er bis heute oft nicht erkannt. Auch Elain dachte zunächst nicht, dass ihre Symptome einen ernsten Hintergrund haben könnten. Durch die Hartnäckigkeit ihrer Hausärztin und ihr Bauchgefühl konnte sie dann doch noch rechtzeitig im Krankenhaus behandelt werden.

Wie sie ihren Herzinfarkt erlebt hat, was er heute für ihr Leben bedeutet und welche Tipps sie anderen Frauen unbedingt mitgeben möchte, erfahren Sie im Interview.

Steckbrief Herzinfarkt bei Frauen
Steckbrief Herzinfarkt bei Frauen | © Erstellt mit Google Imagen.

Symptome eines Herzinfarkts bei Frauen: Die ersten Anzeichen

sanego: Herzinfarkte bei Frauen sind für die meisten Menschen wenig präsent. Welche ersten Beschwerden hatten Sie?

Elain: Ich saß total entspannt im Sessel und hatte auch noch etwas Zeit, bis ich los musste. Es begann mit einem Druck auf der Brust, es fühlte sich eng an, und ich dachte, ich bekomme einen Asthmaanfall. Ich lief los, um mein Asthmaspray zu holen, dies brachte aber keine Linderung. Ich ging ins Schlafzimmer und legte mich neben meinen Mann aufs Bett und sagte ihm, dass ich meine Arme nicht mehr heben kann, weil sie so weh tun und ich hatte starke Schmerzen im Kiefer. Mein Mann wollte dann das Blutdruck-Messgerät ins Schlafzimmer holen. Ich bin aufgestanden und ihm gefolgt. Die Blutdruckmessung war nicht besonders besorgniserregend. Am Esstisch begann ich dann sehr stark zu schwitzen. Mein Mann sagte dann, dass ich mich ausruhen soll, ich verspürte aber eine massive Unruhe.

sanego: Wie haben Sie diese eingeordnet? Haben Sie sie ernst genommen?

Elain: Irgendwie kann ich das gar nicht so richtig beantworten. Ich habe solche Beschwerden noch nie gehabt. Ein Herzinfarkt war für mich aber sooooo weit weg. Zu der Zeit war ich super schlank, sportlich gut drauf. Bin jeden Tag 6 km mit dem Hund gelaufen. Irgendwie war das für mich nicht denkbar, dass das mein Herz sein könnte. Um 9:00 Uhr habe ich dann unsere Tochter zur Schule gefahren. Von dort aus bin ich zur Drogerie gefahren, da die Damen beim Hausarzt meinten, dass ich erst mal einen Coronatest machen sollte. Den habe ich dann auf dem Parkplatz gemacht ( natürlich negativ…) und bin dann zum Hausarzt gefahren.

Elain

ist 40 Jahre alt, seit 17 Jahren mit ihrem Mann liiert und hat zwei Kinder. An einen Herzinfarkt dachte sie bei den ersten Symptomen zunächst nicht. Dennoch suchte sie ärztliche Hilfe und konnte so rechtzeitig operiert werden. Inzwischen hat sich ihr Herz wieder gut erholt, mental muss sie den Notfall noch aufarbeiten.

Verdacht auf Herzinfarkt: So sieht die erste Versorgung aus

sanego: Wie hat Ihre Hausärztin reagiert?

Elain: Beim Hausarzt wurde ein EKG geschrieben, dieses war aber unauffällig. Nichtsdestotrotz bin ich noch zu meiner Hausärztin rein. Hier kann ich einfach nur vom Glück reden, dass sie geschaltet hat. Aufgrund meiner Schilderung der Symptomatik hat sie mir eine Notfalleinweisung ins Krankenhaus ausgestellt und eindringlich dazu geraten sofort ins Krankenhaus zu fahren.

sanego: Warum sind Sie nach dem Besuch trotzdem nicht ins Krankenhaus gefahren?

Elain: Ganz ehrlich? Weil ich nicht hysterisch sein wollte. Das EKG war ja in Ordnung. Die Beschwerden hatten nachgelassen. Man möchte ja auch nicht unnötig Arbeit machen.

sanego: Was hat Ihre Meinung geändert?

Elain: Mein Bauchgefühl. Nach dem Besuch beim Hausarzt war ich zu Hause, habe unseren Sohn versorgt und irgendwie ließ mich die Angst nicht los. So richtig greifen kann ich das heute gar nicht mehr. Es war nur ein Gefühl. Also habe ich mich ins Auto gesetzt, ohne jemandem Bescheid zu sagen und bin ins Krankenhaus gefahren.

sanego: Wie sind Sie im Krankenhaus empfangen worden? Fühlten Sie sich dort gut aufgehoben?

Elain: Im Krankenhaus angekommen, fühlte ich mich in meiner Denkweise bestätigt. Aber irgendwie kann man die Damen da auch verstehen, ich wirkte nicht sonderlich krank. Ich sollte quasi selbst entscheiden, ob meine Beschwerden mehr in Richtung Lunge oder Herzbeschwerden gehen. Dann wurde mir Blut abgenommen, auch hier wurde ich etwas doof behandelt, denn ich müsste schon wissen, ob ich hierbleiben will oder nicht, dementsprechend würde sie die Röhrchen abnehmen. Als dann aber die Blutwerte fertig waren und mein Troponin Wert bekannt, da schlug die Stimmung um.

Was ist der Troponin Wert?

Troponin ist ein Eiweißstoff, der in den Herzmuskelzellen vorkommt und bei einer Schädigung des Herzmuskels ins Blut freigesetzt wird. Der Troponin-Wert wird deshalb vor allem bestimmt, wenn der Verdacht auf einen Herzinfarkt oder eine andere akute Herzbelastung besteht.

Erhöhte Werte können auf eine Herzmuskelschädigung hinweisen, müssen aber immer zusammen mit Beschwerden, EKG und weiteren Untersuchungen bewertet werden. Besonders wichtig ist dabei oft nicht nur ein einzelner Wert, sondern auch, ob der Troponin-Wert im Verlauf steigt oder fällt.

Behandlung und Folgen eines Herzinfarkts bei Frauen

sanego: Wann war klar: Das ist ein echter Notfall?

Elain: Als der Troponinwert bekannt wurde. Da ging alles ganz schnell. Ich musste sofort in ein Bett. An diesem Bett wurde ein Defibrillator installiert. Der Chefarzt der Ambulanz hat meinem Mann am Telefon erklärt, was jetzt passieren wird und dann wurde ich schon in den Herzkatheterbereich gefahren. Dort waren alle unfassbar lieb zu mir. Ich hatte keine Ahnung was mich erwartet und riesige Angst.

sanego: Wie ging es Ihnen nach der OP körperlich, aber auch emotional?

Elain: Die ersten 2 Tage sind sehr verschwommen. Ich weiß noch, dass mein Mann nach der OP sofort bei mir war. Donnerstagabend war die OP und der komplette Freitag fehlt in meiner Erinnerung. Ich denke, dass das an den Medikamenten lag.

2 Tage später durfte ich auf ein normales Zimmer. Mir ging es wirklich sehr schlecht. Körperlich und emotional. Und rückblickend habe ich da noch gar nicht wirklich realisiert, was da passiert ist. Von Ende November bis Ende März diesen Jahres habe ich einen Defibrillator am Körper tragen müssen. 24/7. Meine Herzleistung war bei 31 %. Außerdem hatte ich einen Thrombus in der Herzspitze.

Ich war leistungsfähig sehr eingeschränkt, und mir wurde gesagt, dass viel Ruhe plus die Medikamente bewirken könnten, dass mein Herz sich erholt. Heute bin ich wieder bei einer Herzleistung von 50 %, das ist fast normal. Der Thrombus hat sich aufgelöst und ich bin einfach nur dankbar, hier sein zu dürfen.

sanego: Wie haben Sie den Herzinfarkt heute verarbeitet? Haben Sie noch Ängste oder Sorgen?

Elain: Ängste sind da. Mal laut und mal leise. Ich merke, dass ich meinem Körper noch nicht wieder vertrauen kann. Für mich war das so gemein, ohne Vorwarnung und so heftig. Gerade wenn ich mit den Kindern alleine bin, dann kommen oft Ängste in mir hoch. Was mache ich denn jetzt, wenn es wieder passiert?

Da brauchte ich einen Masterplan um sicherzugehen, dass dann auch jemand erreichbar ist.

Ich bin sehr froh bald meinen ersten Termin bei einer Kardio-Psychologin zu haben. Ich habe große Hoffnung, dass die Gespräche mir gut tun und helfen.

sanego: Wie geht Ihre Familie und Ihr Umfeld damit um?

Elain: Unsere Kinder sind 9 und 11 Jahre alt und haben seitdem viel mehr Angst. Wir sind sehr froh, dass wir hier tolle Therapeuten haben, die die beiden begleiten. Mein Mann muss viel mehr helfen im Alltag. Früher habe ich da keine Unterstützung gebraucht.

Alle um mich herum sind sehr viel wachsamer und besorgter. Wir sind alle noch mehr zusammengerückt und schätzen die gemeinsame Zeit.

Was braucht es, damit Frauen einen Herzinfarkt frühzeitig erkennen?

sanego: Was hätten Sie rückblickend gebraucht, um die Herzinfarkt-Symptome als Notsituation zu erkennen?

Elain: Wahrscheinlich mehr Vertrauen in mich selbst. Und mehr Fürsorge für mich und meinen Körper. Das hat sich durch den Infarkt verändert.

Ich sehe viel klarer und lebe bewusster. Ich möchte gerne meine Kinder großwerden sehen. Das habe ich teilweise mit in der Hand.

sanego: Gibt es noch etwas, dass Sie allen Frauen zum Thema Herzinfarkt mitgeben möchten?

Elain: Wir dürfen uns vertrauen und sind nicht Zuviel. Also bitte hören Sie auf ihr Bauchgefühl und gehen zum Arzt, wenn es Ihnen nicht gut geht.