Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion oder Eisenmangel - bei vielen Menschen wird regelmäßig Blut abgenommen. Dabei wird allerdings nur ein Wert gemessen und ausgewertet. Andere Patienten und Patientinnen sind gesund und waren schon seit vielen Jahren nicht zur Blutabnahme.
Ganz gleich zu welcher Gruppe Sie gehören: regelmäßige Blutanalysen sind ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsvorsorge. Um Krankheiten und Mängel frühzeitig zu erkennen, sollten Sie deshalb regelmäßig ein Blutbild machen lassen.
Warum sollten Sie Ihre Blutwerte checken lassen?
Die Blutwerte zählen zu einer der wichtigsten Untersuchungsmethoden. Anhand der über 100 Blutwerte, die im Labor untersucht und analysiert werden können, können vielfältige Aussagen zum Ihrem Gesundheitsstand getroffen werden:
Sind alle Werte im Normbereich und Sie aller Wahrscheinlichkeit nach gesund?
Gibt es Hinweise auf Mangelerscheinungen, Krankheiten oder Ursachen für bestehende Symptome oder Erkrankungen?
Wie effektiv wirkt eine laufende Behandlung oder Therapie (noch)?
Gibt es Risiken, wegen derer eine Behandlung oder Operation nicht durchgeführt werde sollte?
Die Ergebnisse der Blutuntersuchung geben dabei oft eher einen Hinweis, als eine klare Diagnose. Ein erhöhter oder zu niedriger Wert kann also meist nicht direkt einer Erkrankung oder Ursache zugeordnet werden. Dennoch gibt er dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin einen Hinweis, ob und was genauer untersucht werden sollte. Manchmal sind dann weitere Blutuntersuchungen nötig, manchmal kommen auch andere Untersuchungsmethoden zum Einsatz. Dennoch ist das kleine Blutbild oder manchmal auch das große Blutbild ein guter Anhaltspunkt für die Gesundheitsvorsorge.
Großes Blutbild oder kleines Blutbild: Die Unterschiede
Im Labor können zahlreiche, ganz unterschiedliche Werte einzeln oder gemeinsam untersucht werden. Je nach Situation beauftragt Ihr Arzt oder Ihre Ärztin also verschiedene Untersuchungen. Einige Standard-Werte werden unter den Begriffen kleines Blutbild und großes Blutbild zusammengefasst.
Für das kleine Blutbild werden die Konzentrationen folgenden Werten gemessen:
Erythrozyten (Rote Blutkörperchen)
Leukozyten (Weiße Blutkörperchen)
Thrombozyten (Blutplättchen)
Hämoglobin (Roter Blutfarbstoff)
Hämatokritwert (Volumenanteil des Blutes, der aus festen Blutzellen bestellt)
Beim großen Blutbild werden zusätzlich die verschiedenen Arten der Weißen Blutkörperchen (auch Differentialblutbild genannt) untersucht:
Granulozyten (Dazu gehören Neutrophile, Eosinophile, Basophile)
Monozyten
Lymphozyten

Großes und kleines Blutbild im Vergleich. | © Erstellt mit Google Gemini
Weder das kleine noch das große Blutbild enthalten in der Regel Werte zu einzelnen Hormonen, Entzündungsmarkern oder Cholesterin. Diese befinden sich als Stoffwechselprodukte mit Wasser und Eiweißen im Blutplasma. Bei einem Blutbild werden üblicherweise nur die Blutzellen untersucht, die etwa 45 % des gesamten Blutvolumens ausmachen.
Das kleine Blutbild zählt zu den Routineuntersuchungen. Es ist etwa Bestandteile der Vorsorge ab 35 Jahren und wird als Vorsichtmaßnahme vor Operationen oder bestimmten Untersuchungen durchgeführt. Zusätzlich kann es bei anhaltenden Beschwerden und Infektionen erste Hinweise auf mögliche Ursachen geben.
Das große Blutbild wird dagegen meist erst dann durchgeführt, wenn es beim kleinen Blutbild Auffälligkeiten gab, die durch eine genauere Untersuchung der Weißen Blutkörperchen eingegrenzt werden könnten.
Wann zahlt die Krankenkasse eine Blutuntersuchung?
Ab 35 Jahren gehört das kleine Blutbild zum Check-Up, der allgemeinen Vorsorgeuntersuchung, die alle zwei Jahre durchgeführt werden sollte. Diesen übernimmt die Krankenkasse. Auch vorher werden Blutuntersuchungen in regelmäßigen Abständen übernommen. Zwischen 30 und 35 Jahren zum Beispiel einmal. Daneben gibt es natürlich noch viele weitere Gründe, warum ein Arzt oder eine Ärztin eine Blutanalyse anordnen sollte. Bei Infektionen und unklaren Symptomen, aber auch vor Operationen und Untersuchungen, werden die Kosten für das Blutbild ebenfalls von der Krankenkasse getragen.
Wünschen Sie als Patient oder Patientin darüber hinaus eine Blutuntersuchung oder ein großes Blutbild, müssen Sie die Kosten selbst tragen. Für ein großes Blutbild sind das aktuell zum Beispiel etwa 100,00 €.
Welche Bedeutung haben die Blutwerte?
Im Netz finden sich viele Tabellen zu den einzelnen Blutwerten. Diese sollen Ihnen als Laie helfen, die einzelnen Angaben genauer einzuordnen. Die Zahlen und Werte zu kennen, ist allerdings wenig hilfreich.
Auffällige Blutergebnisse müssen immer von einem Arzt oder einer Ärztin mitgeteilt und auch erläutert werden. Im Idealfall spricht der Fachmann bzw. die Fachfrau mit Ihnen über mögliche Ursachen, das weitere Vorgehen und eventuelle Maßnahmen, die Sie ergreifen sollten. Dabei können Sie sich auch gerne Notizen machen oder Fragen stellen.
Sollten Sie unsicher sein, was Ihre Blutwerte bedeuten, können Sie auch von sich aus das Gespräch suchen. Das Blut ist in seiner Zusammensetzung einzigartig und komplex. Als Transportsystem des Körpers bildet es viele unterschiedliche Vorgänge ab und kann zahlreiche Hinweise geben; ob nun auf das Immunsystem, die einzelnen Organe oder Stoffwechselvorgänge. Zudem schwanken die Blutwerte von Mensch zu Mensch sowie im Laufe eines Tages. Zusätzlich arbeiten die einzelnen Labore mit verschiedenen Messbereichen. Tabellen können deshalb nur Normbereiche abbilden, die wenig Aussagekraft zu Ihrem individuellen Gesundheitszustand bieten.
Möchten Sie noch mehr über Ihre Blutwerte erfahren, empfehlen wir Ihnen dieses Interview mit Thiemo Osterhaus, Autor des Buches „Der Blutwerte-Code“.
