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/ Wie gelingt mehr Achtsamkeit im Alltag? Aljoscha Long und Ronald Schweppe im Interview

Wie gelingt mehr Achtsamkeit im Alltag? Aljoscha Long und Ronald Schweppe im Interview

Von: Elisabeth Maußner Geprüft von: Nina Kischke
Aktualisiert: 24.07.2026
Lesezeit: 6 Min.
PsychologieMein KörperTipps
Ein Mann atmet tief durch. Er hat die Augen geschlossen und steht in einem modernen Wohnzimmer.
Nicht nur bewusstes Atmen kann helfen, achtsamer durch den Alltag zu gehen. | © Canva

Ob der Blick aufs Handy oder der Griff in die Süßigkeiten-Schublade, viele Dinge gehören unbewusst zu unserem Alltag. Statt bewusster Entspannung bringen sie uns damit eher noch mehr Stress und Unruhe. Doch wie können diese Gewohnheiten durchbrochen werden?

Aljoscha Long und Ronald Schweppe haben sich damit für ihr Buch „Ich lass das jetzt mal weg“ Gedanken befasst. Ihre Lösung: Eine Achtsamkeitschallenge, die uns wieder mehr bewusst macht, was uns im Alltag wirklich gut zu. Warum das wichtig ist und wie es gelingen kann, haben uns beide im Interview erklärt.

sanego: Was sind typische Dinge, die zu unserem Alltag gehören, die aber nicht gut für uns sind?

Aljoscha Long und Ronald Schweppe: Die kennt wohl jede(r) von uns: Wir verbringen zu viel Zeit am Smartphone oder im Internet, essen zu viel Süßigkeiten, trinken zu oft Alkohol oder haben uns Gewohnheiten angeeignet, die uns langfristig schaden.

sanego: Warum machen wir diese überhaupt?

Aljoscha Long und Ronald Schweppe: Oft entsteht das aus einer ungeeigneten Art, mit Stress umzugehen. Wir „entspannen“ uns mit einer Zigarette, ein paar Kugeln Eis oder verbringen unsere Abende damit, Serien zu streamen und durchs Internet zu scrollen. An sich ist das alles kein Problem – wenn wir aber irgendwann nur noch wie ferngesteuert leben und unsere Gewohnheiten das Ruder übernommen haben, erzeugt das noch mehr Stress, statt uns glücklicher zu machen.

sanego: Welche Gewohnheit haben Sie zuletzt aus Ihrem Leben gestrichen und warum?

Aljoscha Long und Ronald Schweppe: Wir haben zuletzt Nachrichten-Fasten betrieben, also bewusst eine Zeitlang auf Breaking News und Horrormeldungen aus aller Welt verzichtet, auf die wir ohnehin keinen Einfluss haben. Wir haben gemerkt, dass die oft reißerische Berichterstattung unserer Stimmung schadet und vor allem Ängste und Sorgen weckt.

Aljoscha A. Long

studierte Psychologie, Philosophie und Linguistik. Er ist Therapeut, Komponist sowie Taijiquan- und Qigong-Lehrer. Zudem ist er als Autor tätig und hält Seminare in den Bereichen Psychologie und Philosophie.

Ronald P. Schweppe

ist Orchestermusiker und Autor im Bereich Spiritualität und Lebenskunst. Er beschäftigt sich intensiv mit fernöstlicher Philosophie und Zen-Buddhismus und hat eine Ausbildung in NLP und MBSR.

Wie funktioniert die Achtsamkeitschallenge?

sanego: Ihr Buchtitel sagt „Ich lass das jetzt mal weg“. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht, oder?

Aljoscha Long und Ronald Schweppe: Die Betonung liegt auf „mal“. Ich lass das ja nicht für immer weg, sondern probiere einfach mal aus, ob weniger nicht vielleicht mehr ist. Es geht nicht um große Vorsätze oder Verbote, sondern um kleine Bewusstseinsexperimente.

sanego: Wie funktioniert die Achtsamkeitschallenge, die Sie im Buch beschreiben?

Aljoscha Long und Ronald Schweppe: Zunächst ist es wichtig, die eigenen Schwachstellen zu erkennen. Esse ich zu viel Süßes? Verbringe ich zu viel Zeit in den sozialen Medien? Lasse ich mich von Algorithmen manipulieren? Konsumiere ich Dinge, die ich gar nicht brauche? Dabei hilft ein Selbsttest im Buch. Und dann entscheidet man sich für eine Gewohnheit und sagt: „Ich lass das jetzt mal weg!“ Immer nur eine Sache und nur eine Woche.

sanego: Gibt es einen guten Zeitpunkt, an dem ich starten kann?

Aljoscha Long und Ronald Schweppe: An sich kann man jederzeit loslegen. Viele Menschen finden es aber hilfreich, an einem Montag zu beginnen, weil das gut zum natürlichen Wochenrhythmus passt.

sanego: Wie fange ich am besten an?

Aljoscha Long und Ronald Schweppe: Mit einer klaren Entscheidung. Es ist nicht schwer und kann erstaunlich viel verändern, aber man muss es wollen und sagen: „Ich mach das jetzt einfach mal!“

sanego: Was kann mich dabei unterstützen?

Aljoscha Long und Ronald Schweppe: Wir haben in unserem Buch viele praktische Tipps. Hilfreich ist beispielsweise ein kleines Achtsamkeitstagebuch zu führen und seine Erfahrungen festzuhalten. Für viele ist es auch leichter, die Achtsamkeits-Challenge gemeinsam mit einer Freundin oder einer Gruppe anzugehen und sich auszutauschen.

sanego: Welche Veränderungen kann ich durch die Achtsamkeits-Challenge wahrnehmen?

Aljoscha Long und Ronald Schweppe: Die schönste Veränderung ist, dass man anfängt, sich wieder bewusster um sich selbst zu kümmern. Der Fokus verschiebt sich: „Was tue ich eigentlich? Wie fühle ich mich? Was tut mir wirklich gut?“

Der vorübergehende Verzicht wird so zu einer Chance, sich aus alten Mustern zu befreien und seine wahren Bedürfnisse kennenzulernen – und ist damit eine Form der Selbstfürsorge.

sanego: Und wenn ich es nicht schaffe, die Challenge durchzuhalten?

Aljoscha Long und Ronald Schweppe: Das macht gar nichts. Dann war vielleicht einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt. Wenn man will, kann man es später noch einmal versuchen. Oder eine Kurz-Challenge machen, bei der man nur drei Tage auf etwas verzichtet.

Mehr Achtsamkeit im Alltag – Was passiert nach der Challenge?

sanego: Was passiert nach der Challenge?

Aljoscha Long und Ronald Schweppe: Das ist spannend. Viele Menschen verändern anschließend längerfristig etwas in ihrem Leben. Sie haben Zusammenhänge erkannt, die ihnen vorher nicht so klar waren. Manche kehren auch wieder zu ihren alten Gewohnheiten zurück, gehen aber viel bewusster damit um. Alles darf – nichts muss.

sanego: Lohnt es sich, die Achtsamkeits-Challenge immer wieder zu wiederholen?

Aljoscha Long und Ronald Schweppe: Anfangs würden wir eher empfehlen, verschiedene Challenges auszuprobieren. So lernt man unterschiedliche Gewohnheiten besser kennen. Tatsächlich ist es aber auch sinnvoll, die gleiche Achtsamkeits-Challenge öfter zu wiederholen. Alte Muster schleichen sich schnell wieder ein, und manchmal braucht Veränderung eben mehrere Anläufe. Das entscheidet letztlich jeder für sich selbst.

sanego: Was mache ich mit Dingen, die ich nicht ganz aus meinem Alltag streichen kann, z. B. Social Media, um mit Freunden und Freundinnen Kontakt zu halten oder auch Konsum, hin und wieder brauchen wir ja doch neue Kleidung oder Haushaltsgegenstände?

Aljoscha Long und Ronald Schweppe: Es geht überhaupt nicht darum, Dinge aus dem Alltag zu verbannen. Ob Konsum, Genussmittel, Social Media oder Schokolade… nichts ist verboten, und es ist gar nicht nötig, ohne auszukommen. Entscheidend ist nicht der völlige Verzicht, sondern der bewusste Umgang. Die Zähne zusammenzubeißen bringt nichts – es geht vielmehr darum, die Augen aufzumachen und sich zu fragen: Brauche ich das wirklich?

sanego: Was können Sie unseren Leser:innen zum Schluss noch mit auf den Weg geben?

Aljoscha Long und Ronald Schweppe: Tun Sie, was Sie möchten – aber tun Sie es achtsam. Nicht entscheidend ist, was wir tun, sondern wie wir es tun. Wenn wir lernen, Gewohnheiten bewusst wahrzunehmen und auch einmal freiwillig auf etwas zu verzichten, entdecken wir, dass Verzicht kein Verlust, sondern ein Gewinn an Freiheit ist. Gerade in einer Zeit der ständigen Reizüberflutung und des Überangebots kann diese Erfahrung unglaublich befreiend sein.

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