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/ Wie die richtige Ernährung Entzündungen senken und Arthrose lindern kann – Ernährungswissenschaftler Dr. Wolfgang Feil im Interview

Wie die richtige Ernährung Entzündungen senken und Arthrose lindern kann – Ernährungswissenschaftler Dr. Wolfgang Feil im Interview

Von: Nina Kischke
Aktualisiert: 17.02.2025
Lesezeit: 8 Min.
KrankheitenBehandlungTippsErnährung
Person sitzt auf einem Sofa und hält sich mit beiden Händen das rechte Knie, offenbar wegen Schmerzen. Sie trägt eine hellblaue Jeans und ein weißes Langarmshirt. Symbolbild für Gelenkbeschwerden, Arthrose oder Knieprobleme.
Bei Arthrose gibt es neben Schmerzmitteln und Operationen auch andere Wege, wieder schmerzfrei und beweglicher zu werden. | © Yura Yarema - stock.adobe.com

Millionen Menschen leiden unter Arthrose – steife Gelenke, Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit schränken ihre Lebensqualität erheblich ein. Betroffene sind in ihrem Alltag stark eingeschränkt und sehen häufig nur Schmerzmittel oder Operationen als Ausweg. Doch es gibt auch andere Wege, wieder schmerzfrei und beweglicher zu werden.

Dr. Wolfgang Feil, Biologe und Gesundheitsforscher, zeigt mit seiner Strategie, wie eine gezielte Kombination aus Ernährung, Bewegung, Nährstoffzufuhr und mentaler Stärke die körpereigenen Heilungsprozesse aktivieren kann. In diesem Interview spricht Dr. Feil über seine Motivation, die vier zentralen Bausteine seiner Strategie und gibt praxisnahe Tipps, wie Betroffene ihren Heilungsprozess aktiv unterstützen können.

"Arthrose endlich heilen" ist bei folgenden Shops erhältlich:

sanego: Ihr Buch richtet sich an Arthrose-Patienten und -Patientinnen, die nach alternativen, nicht-invasiven Heilungswegen suchen. Was war Ihre persönliche Motivation, dieses Buch zu schreiben?

Dr. Wolfgang Feil: Meine Motivation war eine Kombination aus wissenschaftlicher Neugier und persönlicher Erfahrung. Als Biologe und Forscher habe ich mich intensiv mit den molekularen Grundlagen von Entzündungs- und Regenerationsprozessen beschäftigt. Insbesondere hat mich fasziniert, wie Entzündungsprozesse Arthrose steuern und wie wir diese gezielt beeinflussen können. Gleichzeitig sah ich, dass viele Menschen mit Arthrose nur unzureichend informiert sind und ihre Beschwerden entweder mit Schmerzmitteln oder Operationen behandeln lassen, ohne je eine echte Chance auf Knorpelregeneration zu erhalten. Ich wollte aufzeigen, dass unser Körper über ausgefeilte Regenerationsmechanismen verfügt, die wir durch Ernährung, Bewegung, gezielte Nährstoffe und eine gesunde Psyche aktiv anstoßen können.

Arthrose

ist eine degenerative Gelenkerkrankung, bei der der Knorpel zwischen den Gelenken zunehmend abgebaut wird, was zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führt. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von genetischer Veranlagung über Überlastung bis hin zu Entzündungen. Da sich der Knorpel nur begrenzt regenerieren kann, zielt die Behandlung von Arthrose auf Schmerzreduktion, Erhaltung der Beweglichkeit und Prävention weiterer Schäden ab.

sanego: Sie haben mit der Dr.-Feil-Strategie einen ganzheitlichen Ansatz zur Behandlung von Arthrose entwickelt, der auf vier Säulen basiert. Könnten Sie uns diese Bausteine kurz vorstellen? Und welcher dieser Bausteine wird Ihrer Erfahrung nach von Patienten und Patientinnen oft unterschätzt, obwohl er für den Heilungserfolg von entscheidender Bedeutung ist?

Dr. Wolfgang Feil: Meine Strategie setzt sich aus vier ineinandergreifenden Bausteinen zusammen:

1. Entzündungssenkende Ernährung

Hier geht es um die gezielte Auswahl von Lebensmitteln, die entzündungssenkende Signalwege im Körper fördern und proinflammatorische Gene wie COX-2 und TNF-α möglichst „herunterfahren“. Omega-3-Fettsäuren aus Fisch oder Algen, Curcumin aus Kurkuma oder Polyphenole aus Beeren sind Beispiele für Inhaltsstoffe, die entzündungshemmend wirken.

2. Bewegung und gezieltes Training

Moderate, gelenkschonende Bewegungsformen wie Schwimmen, Radfahren oder leichtes Krafttraining stimulieren die Knorpelzellen (Chondrozyten), mehr Kollagen Typ II zu produzieren. Außerdem verbessert Bewegung die Durchblutung, was wiederum für den Nährstofftransport im Gelenk von Bedeutung ist.

3. Nährstoffunterstützung

Mikronährstoffe wie Kollagenhydrolysat, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren, Glucosamin und Chondroitinsulfat, Bor, Methionin, Brennnessel- und Ackerschachtelhalmextrakt erhöhen die Regenerationsfähigkeit des Knorpels. Dabei wird sowohl die Knorpelproduktion der Knorpelzellen angeregt als auch die Regeneration der Makrophagen in den heilenden M2 Zustand unterstützt. Daneben sind Antioxidantien wie Vitamin C wichtig, um freie Radikale zu neutralisieren und katabole Prozesse zu bremsen.

4. Mentale Stärke und Stressmanagement

Chronischer Stress erhöht die Cortisolspiegel im Körper und kann dadurch entzündungsfördernde Gene aktivieren. Entspannungsübungen, Achtsamkeitstraining oder auch Meditation helfen, diese negativen Effekte zu reduzieren und die körpereigenen Reparaturmechanismen zu unterstützen.

Am häufigsten unterschätzt wird nach meiner Erfahrung die vierte Säule, also die psychische Komponente. Viele Patientinnen und Patienten achten zwar auf ihre Ernährung oder versuchen sich regelmäßig zu bewegen, sie unterschätzen jedoch den immensen Einfluss von Stress und negativen Gefühlen auf den Gesamtentzündungsstatus des Körpers.

Buchcover von „Arthrose endlich heilen“ von Dr. Wolfgang Feil und Tobias Homburg. Gelber Titelbereich mit roter Bestseller-Kennzeichnung. Motiv zeigt gesunde Ernährung und Bewegung als Alternative zu Operationen bei Arthrose. GU Verlag.
Buchcover "Arthrose endlich heilen" | © GU Verlag

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sanego: Können Sie uns zwei bis drei praktische Tipps für die Umsetzung der Dr.-Feil-Strategie im Alltag geben?

Dr. Wolfgang Feil:

  1. Alltagstaugliche Bewegung einbauen: Selbst kleine Schritte sind hilfreich. Ein paar Kniebeugen während einer Arbeitspause oder ein kurzer Spaziergang nach dem Essen können viel bewirken. Die regelmäßige Druck- und Zugbelastung im Gelenk stimuliert die Knorpelzellen und sorgt für einen verbesserten Nährstoffaustausch.

  2. Mahlzeit mit entzündungshemmenden Lebensmitteln: Planen Sie mindestens eine Mahlzeit pro Tag, die bewusst antientzündliche Komponenten enthält – zum Beispiel Linsen mit Kurkuma, Wildlachs mit gedünstetem Gemüse und ein paar Beeren als Nachtisch. So können Sie sicherstellen, dass Ihr Körper täglich mit den richtigen Nährstoffen versorgt wird, die regulatorische Gen-Schalter für Entzündung drosseln.

  3. Stress abbauen und Entspannung fördern: Nehmen Sie sich beispielsweise jeden Abend fünf bis zehn Minuten Zeit für eine Atem- oder Achtsamkeitsübung. Bereits diese kurzen Auszeiten senken den Cortisolspiegel und helfen Ihrem Körper, wichtige Reparaturprozesse einzuleiten.

sanego: Sie empfehlen unter anderem eine entzündungssenkende Ernährung als Schlüssel zur Arthroseheilung. Welche Lebensmittel sollten Patienten und Patientinnen unbedingt meiden, und welche sind Ihrer Meinung nach besonders effektiv?

Dr. Wolfgang Feil: Unbedingt meiden sollten Sie stark verarbeitete Produkte wie Weißmehl, zuckerhaltige Getränke und Fertigprodukte mit gehärteten Fetten. Diese können über komplexe Signalwege (z. B. eine erhöhte Produktion proinflammatorischer Zytokine wie Interleukin-6) die Entzündung im Körper anfeuern und den Knorpelabbau beschleunigen.

Besonders effektiv sind Lebensmittel, die reich an natürlichen Antioxidantien und entzündungshemmenden Stoffen sind. Dazu zählen:

  • Beeren (z. B. Blaubeeren, Himbeeren): Sie enthalten Polyphenole, die die NF-κB-Aktivität hemmen.

  • Wildlachs, Makrele oder Hering: Hier finden sich hohe Mengen an Omega-3-Fettsäuren, die bei der Hemmung entzündlicher Prozesse helfen.

  • Grünes Blattgemüse (z. B. Spinat, Grünkohl): Reich an Magnesium und weiteren Mikronährstoffen, die für die körpereigene Entzündungsregulation relevant sind.

  • Kurkumawurzel (Curcumin): Ein starkes Antioxidans, das gezielt entzündungsfördernde Schalter wie COX-2 herunterregulieren kann.

  • Gewürznelken: Ein Gewürz, das besonders reich an entzündungssenkendem Eugenol ist. Empfehlung: 2 Gewürznelken zu jeder Mahlzeit einfach schlucken.

Dr. Wolfgang Feil

ist Biologe, Sportwissenschaftler und der Verfasser des SPIEGEL-Bestsellers "Arthrose endlich heilen". Er veröffentlichte in der Sportärztezeitung im August 2024 einen bahnbrechenden Artikel, in dem er studienbasiert aufzeigte, dass Arthrose entgegen der bisherigen Annahmen sehr wohl heilbar ist. MRT gesicherte Fallbeispiele, die Arthrose mit seiner Strategie überwinden konnten, bestätigten seine neuen Erkenntnisse. Dabei basiert seine Strategie zur Heilung auf vier elementaren Bausteinen der Gesundheit: entzündungssenkende Ernährung, Bewegung mit doppelter Gelenkaktivierung, Aktivierung der Selbstheilungskräfte und Nährstoffe.

sanego: Inwiefern spielt die psychische Komponente eine Rolle bei der Arthrosebewältigung? Können Sie uns einen kleinen Einblick zu den von Ihnen empfohlenen Techniken oder Ansätzen geben?

Dr. Wolfgang Feil: Unsere Psyche beeinflusst über neuroendokrine Signalwege und Hormone wie Cortisol in hohem Maße den Entzündungsstatus des Körpers. Ein Mensch, der unter Dauerstress steht, aktiviert immer wieder seine Stressachsen (z. B. die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse), was langfristig die Regeneration des Knorpels erschwert. Ich empfehle Methoden, die das parasympathische Nervensystem stärken und die Stresshormonausschüttung reduzieren. Dazu gehören:

  • Achtsamkeitsübungen: Kurze Meditationseinheiten oder geführte Atemübungen können den Cortisolspiegel nachweislich senken.

  • Progressive Muskelentspannung nach Jacobson: Effektiv, um muskuläre Verspannungen zu lösen und den Körper in einen regenerativen Zustand zu versetzen.

  • Positives Selbstgespräch und Visualisierung: Wer sich mental auf Heilung fokussiert, aktiviert eher regenerationsfördernde Neurotransmitter, was sich positiv auf die Knorpelzellen auswirken kann.

sanego: Sie erwähnen, dass viele Ärzte und Ärztinnen konservative Therapien noch nicht ausreichend nutzen. Welche Hindernisse sehen Sie bei der Integration der Dr.-Feil-Strategie in die gängige medizinische Praxis?

Dr. Wolfgang Feil: Ein wesentlicher Faktor ist die Zeit: Ärzte und Ärztinnen stehen oft unter enormem Zeitdruck und haben nicht immer die Möglichkeit, ausführliche Ernährungs- und Bewegungsberatungen durchzuführen oder ihre Patienten und Patientinnen bei Stressmanagement und Mentaltraining zu begleiten. Hinzu kommt, dass die Schulmedizin eine starke Orientierung an evidenzbasierten Studien hat, die vor allem pharmakologische Ansätze untersuchen. Ganzheitliche Strategien, die mehrere Säulen gleichzeitig bedienen, sind wissenschaftlich komplexer zu erforschen, daher fehlt es oft an großen Studien, die all diese Komponenten in Kombination betrachten.

Außerdem existieren strukturelle Hürden im Gesundheitssystem: Die Vergütung für ärztliche Leistungen ist oftmals nicht auf präventive Maßnahmen und ausführliche Beratung ausgerichtet. Das erschwert die Umsetzung einer integrativen, mehrdimensionalen Therapie, wie sie die Dr.-Feil-Strategie vorsieht.

sanego: Welche Botschaft möchten Sie unseren Lesern und Leserinnen mit auf den Weg geben, die sich unsicher sind, ob ein ganzheitlicher Ansatz wie die Dr.-Feil-Strategie für sie geeignet ist?

Dr. Wolfgang Feil: Es lohnt sich immer, den Körper in seiner Gesamtheit zu betrachten. Arthrose ist kein „isoliertes Problem“ des Knorpels, sondern das Resultat eines komplexen Zusammenspiels aus Genaktivität, Entzündungsprozessen, Ernährungsfaktoren und psychischem Wohlbefinden. Man kann zunächst klein anfangen – zum Beispiel mit kleinen Anpassungen in der Ernährung oder einem kurzen Spaziergang am Tag. Oft berichten Betroffene, dass sie bereits nach wenigen Wochen positive Effekte spüren, geringere Schmerzen und eine bessere Beweglichkeit haben.

Mein Appell an alle Betroffenen lautet daher: Geben Sie Ihrem Körper die Chance, seine eigenen Regenerationsmechanismen zu aktivieren. Selbst wenn operative Maßnahmen oder Medikamente notwendig sein sollten, lässt sich der Heilungsprozess durch eine bewusste Lebensweise maßgeblich beschleunigen und unterstützen. Ein ganzheitlicher Ansatz ist keine Konkurrenz zur Schulmedizin, sondern eine wertvolle Ergänzung.

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