Blut gespendet – und dann? So unterstützt man den Körper bei der Erholung
Deutschland braucht jeden Tag enorme Mengen Blut. Aufs Jahr hochgerechnet etwa 1,8 Millionen Liter Vollblut. Denn Spenderblut ist unverzichtbar bei schweren Erkrankungen sowie nach Unfällen. Wer spendet, leistet deshalb einen buchstäblich lebenswichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung.
Bei einer Vollblutspende werden ungefähr 500 Milliliter Blut entnommen und die meisten gesunden Menschen vertragen das ohne Probleme. Denn diesen Verlust gleicht ein gesunder Organismus schrittweise wieder aus – dennoch kann man ihm dabei helfen.
Was geschieht nach der Blutentnahme im Körper?
Die eigentliche Blutentnahme dauert nur zwischen fünf und fünfzehn Minuten. Dabei verliert der Körper sowohl Flüssigkeit als auch zelluläre Blutbestandteile. Der flüssige Anteil lässt sich vergleichsweise schnell ersetzen: Ausreichendes Trinken vorausgesetzt, ist dieser Verlust normalerweise innerhalb von etwa 24 Stunden ausgeglichen.
Deutlich mehr Zeit benötigt hingegen die Bildung neuer roter Blutkörperchen. Sie enthalten den roten Blutfarbstoff Hämoglobin, der Sauerstoff durch den Körper transportiert. Für seine Herstellung wird Eisen benötigt. Deshalb sind dafür mehrere Erholungsschritte nötig:

Das DRK nennt für den Ausgleich des Eisenverlusts als Orientierung bis zu zwölf Wochen bei Frauen und ungefähr acht Wochen bei Männern. Wie schnell sich der Körper tatsächlich erholt, hängt jedoch unter anderem vom persönlichen Eisenstatus und von der Ernährung ab.
Warum spielt Eisen nach der Blutspende eine besondere Rolle?
Der persönliche Hämoglobinwert schwankt zwar und wird von verschiedenen körperlichen sowie äußeren Faktoren beeinflusst, für die Zulassung zur Blutspende gelten jedoch festgelegte Grenzwerte. Vor jeder Blutspende wird daher der Wert geprüft. Liegt er unter dem vorgeschriebenen Grenzwert, ist an diesem Tag keine Spende möglich.
Ein niedriger Wert sollte ärztlich abgeklärt werden. Auch wiederholte Müdigkeit oder ein auffälliger Leistungsabfall beweisen keinen Eisenmangel, können aber Anlass für eine Blutuntersuchung sein.
Der Körper kann Eisen nicht selbst herstellen, verfügt normalerweise jedoch über gewisse Reserven. Außerdem gewinnt er einen großen Teil des Eisens aus alten roten Blutkörperchen zurück und verwendet es erneut. Das Problem: Bei einer Blutspende geht schlichtweg viel Eisen verloren.
Wie wird das Eisen nach der Blutspende ersetzt?
Bei gesunden Menschen kann eine normale ausgewogene Ernährung die Speicher wieder auffüllen; insbesondere, wenn sie um eisenreiche Lebensmittel ergänzt werden. Dazu zählen zum Beispiel:
Fleisch und Fisch
Hülsenfrüchte und Haferflocken
Hirse und Vollkornbrot
Sonnenblumenkerne und Nüsse
Dabei gilt: Tierisches Eisen kann der Körper leichter aufnehmen. Pflanzliche Eisenquellen sollten dagegen mit Vitamin-C-haltigen Lebensmitteln oder Getränken kombiniert werden, da Vitamin C die Aufnahme verbessert. Kaffee und schwarzer Tee können sie dagegen hemmen, wenn sie direkt zur Mahlzeit getrunken werden.
Entscheidend ist nicht, nach einer einzelnen Spende möglichst viel Eisen auf einmal zuzuführen. Sinnvoller ist eine abwechslungsreiche Ernährung über einen längeren Zeitraum. Wer regelmäßig spendet oder bereits einen niedrigen Hämoglobinwert hatte, sollte das Thema bei der ärztlichen Beratung ausdrücklich ansprechen.
Was ist bei einem Eisenmangel zu tun?
Ein ausreichender Hämoglobinwert vor der Spende bedeutet nicht zwangsläufig, dass auch die Eisenreserven gut gefüllt sind. Bei einem beginnenden Eisenmangel kann der Körper zwar zunächst auf seine Speicher zurückgreifen und den Hämoglobinwert noch im erforderlichen Bereich halten. Mit den roten Blutkörperchen geht bei der Spende jedoch so viel zusätzlich Eisen verloren, dass bereits knappe Reserven weiter absinken können – bis an einen Punkt, an dem ein zuvor unbemerkter Eisenmangel deutlicher hervortritt.
In dem Fall können – nach ärztlicher Empfehlung – Nahrungsergänzungsmittel infragekommen, um die Eisenwerte zusätzlich zur angesprochenen Ernährung zu unterstützen. Einen Überblick über Vitamine und Mineralstoffe bieten zum Beispiel Online-Apotheken. Das ersetzt allerdings weder die Diagnose noch eine fachliche Empfehlung. Die Verbraucherzentrale rät dazu, Eisenpräparate nur bei festgestelltem Mangel und nach ärztlicher Rücksprache einzunehmen.
Welche Beschwerden können nach der Blutspende auftreten und wann sind sie abklärungsbedürftig?
Die meisten Menschen vertragen eine Blutspende ohne größere Probleme. Die Hauptbelastung ist der Verlust von Blutvolumen, darauf kann der Kreislauf reagieren. Besonders beim schnellen Aufstehen können sich dann kurzzeitig Beschwerden bemerkbar machen:

Bei Kreislaufbeschwerden sollten sich Betroffene hinlegen und die Beine hochlagern. Ruhe und ausreichend Flüssigkeit tragen meistens dazu bei, dass sich der Zustand rasch bessert. Beginnt die Einstichstelle erneut zu bluten, sollte der Arm angehoben und mindestens fünf Minuten lang fester Druck auf die Stelle ausgeübt werden.
Der Blutspendedienst oder eine ärztliche Praxis sollte jedoch kontaktiert werden, falls
sich Kreislaufbeschwerden trotz Ruhe und Flüssigkeitszufuhr nicht bessern,
Schwindel wiederholt auftritt oder es später erneut zu einer Ohnmacht kommt,
die Einstichstelle trotz anhaltenden Drucks weiterblutet oder mehrfach nachblutet,
am betroffenen Arm starke Schmerzen, Taubheitsgefühle, ausgeprägte Steifheit oder Schwellungen entstehen.
Bei anhaltender Bewusstlosigkeit, Atemnot, starken Brustschmerzen oder einem schweren Kreislaufzusammenbruch ist sofort medizinische Hilfe über den Notruf erforderlich.
Allerdings sei betont, dass solche Komplikationen überaus selten vorkommen. Die große Masse der vielen Tausend regelmäßigen Blutspender:innen erlebt allerhöchstens leichte, höchstens wenige Stunden nachklingende Beschwerden.
Dem gegenüber stehen jedoch über eine Million Menschen, die dank dieser Blutspende weiterleben können – egal ob nach Unfällen, im Rahmen von Krebstherapien oder bei Magen-Darm- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Weitere Informationen
Blutspende – ganz einfach Leben retten: https://www.aerzte.de/gesundheitsratgeber/blutspende-ganz-einfach-leben-retten
Blutwerte: Großes Blutbild oder kleines Blutbild?: https://www.sanego.de/ratgeber/blutwerte-grosses-blutbild-kleines-blutbild
Blutspenden kann auch dem Spender nützen: https://www.tagesschau.de/wissen/gesundheit/blutspende-gesund-100.html
