Beim Thema Gene denken wir meist an unveränderbare Eigenschaften, wie Augenfarbe oder Haarfarbe. Dabei können unsere Gene noch viel mehr. „Gene steuern die Produktion von Proteinen, die in allen Prozessen des Körpers eine Rolle spielen. Sie regeln Stoffwechselvorgänge, Immunantworten und viele andere grundlegende Prozesse, die uns gesund erhalten oder Krankheiten begünstigen können“, erklären Dr. Manuel Burzler und Timo Janisch.
Während seiner Tätigkeit als Arzt wurde Dr. Manuel Burzler zunehmend unzufrieden mit den beschränkten Möglichkeiten der klassischen Medizin. Deshalb suchte er nach Alternativen und wandte sich der Wissenschaft der Epigenetik zu. Seitdem konzentriert er sich darauf, die Ursachen von Symptomen und Erkrankungen zu erforschen. Zusammen mit Timo Janisch gründete er das Epigenetik Ausbildungsinstitut HealVersity.
ist zusammen mit Dr. Manuel Burzler Gründer des Epigenetik Ausbildungsinstitut HealVersity. Sein Ziel ist es, aus Forschungsergebnissen der Epigenetik in Handlungsempfehlungen für ein gesundes und langes Leben abzuleiten.
Unsere Gene sind also jede Minute an zahlreichen Prozessen in unserem Körper beteiligt. Dafür sind dort unzählige Informationen gespeichert. Soll zum Beispiel eine neue Zelle hergestellt werden, brauchen sie nicht alle davon. Stattdessen werden einige Informationen “deaktiviert”. Es sind nur die Bereiche aktiv, die für diese Aufgabe benötigt werden. So wird etwa in unserem Beispiel festgelegt, ob die Zelle eine Haut-, Nerven- oder Muskelzelle werden soll. Dieses “Deaktivieren” ist ein epigenetischer Prozess; das Gen selbst wird nicht verändert - wie es ausgelesen wird, aber schon.
Die Epigenetik ist, wie der Name schon sagt, ein Teil der Genforschung. Sie beschäftigt sich damit, wie die Informationen auf den Genen ausgelesen werden. Denn auch wenn jede Zelle unsere komplette DNA enthält, Abschnitte, die für diese Zelle nicht relevant sind, werden blockiert. Sie spielen bei der Bildung von neuen Proteinen in dieser Zelle keine Rolle. Das kann zahlreiche Dinge beeinflussen, von Übergewicht über Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zur Bildung von Krebszellen. In der Epigenetik untersuchen Forscher:innen deshalb die Gene und durch welche Faktoren sie beeinflusst werden können.
Wie können wir die Epigenetik für uns nutzen?
Wer Auswirkungen von äußeren Gegebenheiten auf die Epigenetik untersuchen möchte, steht vor großen Herausforderungen. Denn wir sind täglich unzähligen Umwelteinflüssen ausgesetzt. Veränderungen nur einem bestimmten Faktor zuzuordnen, ist deshalb schwierig. Trotzdem gibt es schon zahlreiche interessante Studien im Bereich der Epigenetik. So konnten Veränderungen in den Muskelzellen direkt mit regelmäßigem Training in Verbindung gebracht werden, indem nur ein Bein trainiert wurde. Solche Ergebnisse können dann auch in anderen Bereichen weiter verfolgt werden.

Dr. Manuel Burzler und Timo Janisch etwa konzentrieren sich darauf, wie epigenetische Faktoren genutzt werden können, um Gesundheit zu erhalten und die Lebensspanne zu verlängern. „Unser Fokus liegt darauf, Strategien zu entwickeln, die es ermöglichen, Gesundheit zu fördern und die biologische Resilienz gegen Alterserscheinungen zu stärken.”
Die Forschung zur Epigenetik und Umweltfaktoren steckt nach wie vor in den Kinderschuhen. Noch sind nicht alle Zusammenhänge klar und Schlussfolgerungen können nur vorsichtig gezogen werden. In ihrem Buch „Gute Gene einschalten, schlechte Gene ausschalten“ haben Dr. Manuel Burzler und Timo Janisch einige der Untersuchungen zusammengetragen und daraus erste Tipps abgeleitet.
Dr. Manuel Burzler und Timo Janisch empfehlen: „Die wichtigsten Punkte, die jeder in seinen Alltag integrieren sollte, sind: Achten Sie auf eine ausgewogene antientzündliche Ernährung, integrieren Sie regelmäßige Bewegung in Ihr Leben und finden Sie Wege, um chronischen Stress zu reduzieren. Diese drei Faktoren haben nachweislich einen tiefgreifenden Einfluss auf die epigenetische Ausprägung und können das Risiko für viele Krankheiten senken.“
Auch außerhalb der Epigenetik gibt es viele Empfehlungen zu gesunder Ernährung, Bewegung und Stressmanagement. Die Forschung im Bereich der Epigenetik bekräftigt diese noch einmal: “Viele der traditionellen Empfehlungen zur gesunden Ernährung und Stressbewältigung haben sich als zutreffend herausgestellt. Die Epigenetik zeigt uns nun, warum diese Praktiken so wichtig sind, da sie die Gene aktiv beeinflussen und deren Aktivität in eine gesunde Richtung lenken können.”, so Dr. Manuel Burzler und Timo Janisch.

Zukunftsaussichten: Wohin führt uns die Epigenetik?
Die Epigenetik bestätigt aber nicht nur bekannte Empfehlungen. So konnten etwa epigenetische Veränderungen in Krebszellen gefunden werden. Zukünftig könnte das neue Therapieansätze liefern. Auch Dr. Manuel Burzler und Tim Janosch sind zuversichtlich, dass die Epigenetik in den kommenden Jahren ein zentrales Thema in der Medizin sein wird: „In der Zukunft wird die Epigenetik eine Schlüsselrolle in der personalisierten Medizin spielen, indem sie Ärzten ermöglicht, maßgeschneiderte Behandlungsstrategien und vor allem Gesundheitsstrategien, um die Gesundheit zu erhalten, zu entwickeln, die auf den epigenetischen Markierungen des Patienten über Testungen basieren.“ Die ersten Schritte dafür sind gemacht, doch der Weg dahin ist noch weit.
