Sie wälzen sich stundenlang von links nach rechts und fragen sich, wann Sie endlich einschlafen werden – Etwa ein Drittel unseres Lebens verbringen wir mit Schlafen und doch scheint guter Schlaf manchmal ein unlösbares Rätsel zu sein. Schlafexperte Dr. Kai Spiegelhalder untersucht Psychiatrische Schlafstörungen und Schlafmedizin am Universitätsklinikum Freiburg.
Seine Erkenntnisse hat er unter anderem im Ratgeber „Das Besser-schlafen-Prinzip: Mit einfachen Strategien den Schlaf optimieren und Schlafstörungen überwinden“ von Stiftung Warentest zusammengefasst. In unserem Interview gibt er uns spannende Einblicke in die Welt des Schlafs – von praktischen Tipps zum besseren Einschlafen bis hin zu Empfehlungen für besser Nächte.
sanego: Ihre Forschung beschäftigt sich überwiegend mit dem Thema Schlaf. Wie sind Sie auf diesen Bereich gekommen und was fasziniert Sie daran besonders?
Prof. Dr. Dr. Kai Spiegelhalder: Am Thema Schlaf fasziniert mich einerseits, dass die damit zusammenhängenden biologischen, medizinischen und psychologischen Aspekte äußerst vielfältig sind und somit aus der Perspektive der Wissenschaft immer interessant bleiben, und andererseits, dass das Thema auch für Laien sehr gut zugänglich, verständlich und alltagsrelevant ist. Offen gesagt hat bei meiner Berufswahl aber auch eine Rolle gespielt, dass mir mein erster Chef, Herr Prof. Dieter Riemann, einfach sehr sympathisch ist.
Prof. Dr. Dr. Kai Spiegelhalder
ist Leiter der Abteilung für Psychiatrische Schlafstörung und Schlafmedizin am Universitätsklinikum Freiburg. Zudem ist er an der Albert-Ludwig-Universität seit 2018 als Außerplanmäßiger Professor tätig. Sein aktueller Forschungsschwerpunkt liegt auf den psychologischen und neurobiologischen Grundlagen von Schlafstörungen, insbesondere der primären Insomnie. Diese Erkenntnisse nutzt er auch, um in seinem Ratgeber „Das Besser Schlafen Prinzip“ hilfreiche Strategien und Ansätze für einen besseren Schlaf zu vermitteln.
Wann spricht die Wissenschaft von einer Schlafstörung?
sanego: Im Alltag erzählen wie schnell von schlechtem oder gestörten Schlaf. Wann spricht man wissenschaftlich von einer Schlafstörung?
Prof. Dr. Dr. Kai Spiegelhalder: Von einer Schlafstörung im Sinne einer zu diagnostizierenden Erkrankung sprechen wir, wenn Menschen über einen Zeitraum von zumindest einem Monat regelmäßig, d.h. zumindest dreimal die Woche, über Ein- oder Durchschlafstörungen klagen, die die Leistungsfähigkeit oder die Lebensqualität am Tag substantiell beeinflussen.
sanego: Und ab wann sollte ich mir bei schlechtem Schlaf professionelle Hilfe holen?
Prof. Dr. Dr. Kai Spiegelhalder: Es ist relativ einfach, sich über Tipps und tricks zum Thema Schlaf zu informieren, zum Beispiel in Büchern oder online. Ich rate dazu, sich dann professionelle Hilfe zu suchen, wenn diese Ratschläge nicht ausreichend sind, oder wenn sehr akut eine deutliche Beeinträchtigung des Lebensqualität gegeben ist.
Tipps für guten Schlaf
sanego: Es gibt unendlich viele Tipps für guten Schlaf (feste Schlafroutine, Sport, kein Alkohol). Welche Ihrer Forschungsergebnisse setzen Sie selbst um und wie sieht Ihre eigene Schlafroutine aus?
Prof. Dr. Dr. Kai Spiegelhalder: Ich trinke praktisch keinen Alkohol und nehme mit Ausnahme von Koffein auch keine anderen Substanzen zu mir, die eine Auswirkung auf den Schlaf haben. Zudem sind meine abendlichen Abläufe tatsächlich ziemlich regelhaft. Allerdings mache ich leider viel zu wenig Sport, nutze digitale Medien auch vor dem Schlafen und schaue nachts auch mal auf die Uhr.
sanego: Schlafen Sie als Schlafexperte auch mal schlecht oder zu kurz?
Prof. Dr. Dr. Kai Spiegelhalder: Ja klar. Aber ich bin zum Glück nicht von einer chronischen Ein- und Durchschlafstörung betroffen, also eine Erkrankung, bei der Menschen mitunter über Jahrzehnte hinweg keinen erholsamen Schlaf finden. Dafür bin ich dankbar, da viele Betroffene sehr stark unter ihrem gestörten Schlaf leiden.
sanego: Welche Tipps können nach einer schlechten Nacht helfen?
Prof. Dr. Dr. Kai Spiegelhalder: Ich halte es für wichtig, lieber kürzer im Bett zu bleiben und dabei keine größeren Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen zu haben, als länger im Btt zu bleiben und von dieser Zeit sehr viel wach zu sein. Zudem denke ich, dass es nicht sinnvoll ist, sich unter Druck zu setzen, besonders schnell einzuschlafen oder besonders gut durchzuschlafen. Auch sind Ängste, die mit dem Thema Schlaf verbunden sind, völlig nachvollziehbar, aber nicht günstig für einen erholsamen Schlaf. Diese Themen sind die Kernthemen der so genannten kognitiven Verhaltenstherapie für Insomnie, der in Leitlinien empfohlenen Behandlung für dieses Krankheitsbild.