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Legionellen im Trinkwasser: Ursachen, Symptome und wie Sie sich wirksam schützen

Von: Gast Redakteur:in

Aktualisiert: 21.04.2026

Lesezeit: 8 Min.

Symptome | Tipps | Vorsorge

Wasser fließt aus einem Wasserhahn in ein Glas in einer Küche – Symbolbild für Trinkwasserqualität, Hygiene und mögliche Risiken wie Legionellen im Leitungswasser.
Legionellen vermehren sich in warmem, stehendem Wasser und können beim Einatmen von belastetem Wasserdampf schwere Atemwegserkrankungen wie die Legionärskrankheit auslösen. | © stock.adobe.com - AR

Für das bloße Auge unsichtbar können sich in Wasserleitungen gesundheitsgefährdende Bakterien ausbreiten: die sogenannten Legionellen. Gerade wenn Wasser stagniert oder dauerhaft lauwarm bleibt, vermehren sich diese Erreger. Das betrifft das heimische Badezimmer ebenso wie öffentliche Einrichtungen oder Hotelanlagen.

Werden die feinen Wassertröpfchen beispielsweise beim Duschen eingeatmet, drohen teils schwere Atemwegserkrankungen wie die Legionärskrankheit. Umso wichtiger ist es, die Gefahrenquellen im Alltag zu kennen. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die typischen Symptome einer Infektion und mit welchen simplen Maßnahmen Sie sich und Ihre Familie wirksam schützen können.

Was sind Legionellen eigentlich?

Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die als natürlicher Bestandteil in unserer Umwelt vorkommen. In geringen Mengen findet man sie weltweit in Flüssen, Seen und im Grundwasser. In diesen natürlichen Gewässern stellen sie für uns Menschen in der Regel keine Gefahr dar. Zum gesundheitlichen Problem werden die Erreger erst, wenn sie in künstliche Wassersysteme gelangen – wie etwa in die heimischen Wasserleitungen oder Warmwasserspeicher.

Der entscheidende Faktor für ihr Wachstum ist die Wassertemperatur. In lauwarmem Wasser zwischen 25 °C und 45 °C fühlen sich Legionellen besonders wohl und vermehren sich rasant. Erst bei Temperaturen ab 60 °C sterben die Bakterien zuverlässig ab. Kaltes Wasser unter 20 °C hemmt ihr Wachstum lediglich.

Wenn Wasser in den Leitungen steht (Stagnation) und sich im gefährlichen Temperaturbereich befindet, kann daher ein Bakterienherd entstehen.

Welche Krankheiten lösen Legionellen aus?

Gelangen die Bakterien über eingeatmete Wassertröpfchen tief in die Lunge, können sie eine sogenannte Legionellose verursachen. Dieser medizinische Begriff umfasst zwei völlig unterschiedliche Krankheitsbilder:

  • Die Legionärskrankheit: Hierbei handelt es sich um eine schwere, potenziell lebensbedrohliche Lungenentzündung. Nach einer Inkubationszeit von 2 bis 10 Tagen treten abrupt hohes Fieber, starker Schüttelfrost, Reizhusten, Brustschmerzen und zunehmende Atemnot auf.

  • Das Pontiac-Fieber: Diese Form verläuft deutlich milder und ohne Lungenentzündung. Sie äußert sich wie ein klassischer grippaler Infekt (Kopf- und Gliederschmerzen, leichtes Fieber). Die Inkubationszeit ist mit wenigen Stunden bis Tagen sehr kurz, zudem heilt das Pontiac-Fieber meist schnell von ganz allein wieder ab.

Wer ist besonders gefährdet?

Nicht jeder Kontakt mit Legionellen führt automatisch zum Ausbruch der Legionärskrankheit. Gesunde, junge Menschen erkranken eher selten. Es gibt jedoch bestimmte Risikogruppen, bei denen das Immunsystem die Erreger schlechter abwehren kann.

  • Dazu zählen vor allem Kleinkinder und Senioren bzw. Seniorinnen, deren Immunsystem noch nicht vollständig ausgebildet oder bereits geschwächt ist. Auch Schwangere sollten vorsichtig sein.

  • Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen (wie Asthma oder COPD) oder Raucher:innen sind überdurchschnittlich oft betroffen, da ihre Lungenfunktion bereits vorgeschädigt oder belastet ist.

  • Ein extrem hohes Risiko tragen zudem Personen mit einem generell geschwächten Immunsystem, beispielsweise durch Diabetes, eine laufende Krebstherapie oder die Einnahme von Immunsuppressiva.

Statistiken zeigen zudem, dass Männer häufiger betroffen sind als Frauen. Die Gründe dafür sind noch nicht geklärt. Mögliche Ursachen reichen von der größeren Lungenfläche zu der höheren Zahl an Rauchern und Raucherinnen bis zu der häufigeren Arbeit in Risikoberufen, wie Sanitärbetrieben.

Diagnose und Behandlung: Wann sollten Sie zum Arzt?

Treten plötzliches hohes Fieber, Schüttelfrost und Atemnot auf, sollten Sie umgehend ärztliche Hilfe oder eine Notaufnahme aufsuchen. Dies gilt ganz besonders, wenn die Symptome kurz nach einem Hotelaufenthalt oder dem ersten Duschen nach längerer Abwesenheit auftreten. Äußern Sie beim Arzt oder bei der Ärztin unbedingt Ihren Legionellen-Verdacht!

Nachgewiesen wird die Infektion unkompliziert über einen spezifischen Urintest auf Antigene. Bestätigt sich die Legionärskrankheit, muss sie sofort und zielgerichtet mit hoch dosierten Antibiotika behandelt werden – oft stationär im Krankenhaus. Je früher die Therapie startet, desto besser sind die Heilungschancen. Beim milden Pontiac-Fieber sind Antibiotika hingegen überflüssig; hier reichen Bettruhe, ausreichend Flüssigkeit und fiebersenkende Mittel aus.

Wie steckt man sich mit den Bakterien an?

Viele Menschen befürchten, sich beim Trinken von Leitungswasser mit Legionellen anzustecken. Für gesunde Erwachsene gibt es jedoch eine beruhigende Nachricht: Das reine Trinken oder versehentliche Verschlucken von erregerhaltigem Wasser ist in der Regel völlig ungefährlich, da unsere Magensäure die Bakterien zuverlässig abtötet.

Die eigentliche Gefahr lauert beim Einatmen der Legionellen. Eine Infektion entsteht erst, wenn die Bakterien in Form von feinsten, schwebenden Wassertröpfchen – sogenannten Aerosolen – direkt in die Lunge gelangen. Das passiert klassischerweise bei einer warmen Dusche. Sobald wir diesen vernebelten, erregerhaltigen Wasserdampf tief einatmen, können die Bakterien die Atemwege befallen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch (wie bei einer normalen Erkältung) ist ausgeschlossen.

Die größten Gefahrenquellen im Alltag

Beim Begriff Legionellen denken die meisten an große Krankenhäuser, Schwimmbäder oder das Badezimmer in der Ferienwohnung. Doch das ist ein gefährlicher Trugschluss. Aktuelle Studien zeigen ausdrücklich, dass ein Großteil der Infektionen tatsächlich direkt aus dem privaten Umfeld stammt. Das fatale Problem dabei: Sehr viele Haushalte sind schlichtweg nicht ausreichend über die unsichtbare Gefahr und die simpelsten Präventionsmaßnahmen im eigenen Zuhause informiert.

Da die Ansteckung über den Wasserdampf erfolgt, stellt jede Situation, in der Wasser zerstäubt wird, ein Risiko dar. Zu den häufigsten Gefahrenquellen gehören:

  • Dusche: Besonders kritisch ist der erste Duschgang nach längerer Abwesenheit (z. B. nach dem Urlaub), wenn das Wasser tagelang in den Leitungen stand.

  • Whirlpools und Jacuzzis: Lauwarmes Wasser gepaart mit starker Sprudel- und Nebelbildung bieten ideale Übertragungsbedingungen.

  • Luftbefeuchter und Klimaanlagen: Werden diese Geräte nicht regelmäßig gereinigt, können sie Erreger direkt und großflächig in die Raumluft blasen.

Neben dem Privathaushalt bergen auch öffentliche Anlagen, Krankenhäuser oder Hotels erhöhte Risiken. Ihre großen Wasserspeicher und teils veralteten Leitungen fördern die Bildung von Kalk und Biofilmen, die den Bakterien als optimaler Nährboden dienen.

Neue Risiken durch Energiesparen und Klimawandel

Oftmals resultiert eine Legionellenbelastung im Haushalt schlichtweg aus fehlendem Wissen über Wasserhygiene. Zwei hochaktuelle Faktoren verschärfen dieses Problem zunehmend:

  • Energiesparmaßnahmen: Um Heizkosten zu senken, reduzieren viele Hausbesitzer:innen die Temperatur ihrer Warmwasserspeicher. Fällt diese dauerhaft unter die kritische Grenze von 60 °C, verwandelt sich der Speicher schnell in einen gefährlichen Brutkasten für Bakterien.

  • Klimaerwärmung: Durch lange Hitzeperioden im Sommer erwärmt sich mittlerweile auch das Kaltwasser in den Leitungen immer häufiger auf über 20 °C bis hin zu gefährlichen 25 °C. Liegen Kalt- und Warmwasserrohre zudem schlecht isoliert dicht beieinander, beschleunigt sich dieser Erwärmungsprozess massiv.

Legionellen vorbeugen: So schützen Sie Ihr Zuhause

Der beste Schutz vor einer Infektion ist die Vorbeugung. Da sich Legionellen vor allem in stehendem, lauwarmem Wasser wohlfühlen, ist die richtige Wasserhygiene im heimischen Haushalt das A und O. Mit einigen simplen Routinen können Sie das Risiko für sich und Ihre Familie drastisch senken.

6 Alltagstipps für Mieter:innen und Eigenheimbesitzer:innen

  1. Leitungen nach Abwesenheit spülen: Lassen Sie Wasser nicht zu lange in den Rohren stehen. Wenn Sie länger als drei Tage nicht zu Hause waren (z. B. nach einem Urlaub), sollten Sie alle Wasserhähne und vor allem die Dusche für einige Minuten richtig heiß durchlaufen lassen. Öffnen Sie dabei das Fenster, verlassen Sie das Badezimmer und vermeiden Sie es unbedingt, den entstehenden Wasserdampf einzuatmen!

  2. Wassertemperaturen richtig einstellen: Kontrollieren Sie die Anlage. Der Warmwasserspeicher sollte konstant auf mindestens 60 °C erhitzt werden. An den Wasserhähnen und in der Dusche sollte das heiße Wasser nach kurzer Vorlaufzeit noch mindestens 55 °C erreichen.

  3. Kaltes Wasser muss kalt bleiben: Wie bereits gelernt, droht auch aus der Kaltwasserleitung Gefahr, wenn sich das Wasser dort im Sommer erwärmt hat. Lassen Sie das Kaltwasser vor der Nutzung (etwa zum Zähneputzen) immer so lange laufen, bis es aus der Leitung spürbar kühl nachfließt.

  4. Duschköpfe und Perlatoren entkalken: Legionellen nisten sich mit Vorliebe in Kalkablagerungen und rauen Biofilmen ein. Reinigen und entkalken Sie Duschköpfe sowie die Strahlregler (Perlatoren) an den Wasserhähnen daher regelmäßig. Tauschen Sie poröse Duschschläuche bei Bedarf komplett aus.

  5. Selten genutzte Anschlüsse durchspülen: Leitungen, die nur unregelmäßig gebraucht werden – wie im Gäste-Badezimmer oder der Außenanschluss für den Gartenschlauch – sind gefährliche Brutstätten. Spülen Sie auch diese Zapfstellen am besten einmal pro Woche kurz durch, um stehendes Wasser zu vermeiden.

  6. Spezielle Wasserfilter nutzen (endständige Filter): Für Personen mit einem geschwächten Immunsystem oder als sofortige Akutmaßnahme bei einem nachgewiesenen Legionellenbefall im Gebäude bieten sogenannte endständige Wasserfilter einen zuverlässigen Schutz. Diese speziellen Mikrofilter werden direkt an den Wasserhahn oder als Aufsatz an den Duschkopf geschraubt und fangen die Bakterien dank feiner Membranen physikalisch ab. Achten Sie jedoch darauf, diese Filterkartuschen regelmäßig nach Herstellerangaben auszutauschen, damit sie wirksam bleiben.

Was besagt die Trinkwasserverordnung?

Als Mieter:in haben Sie ein Recht auf sauberes und gesundheitlich unbedenkliches Wasser. Um dies zu gewährleisten, gibt die deutsche Trinkwasserverordnung klare Richtlinien vor. Bei der Wasserversorgung bis zum Hausanschluss müssen die Versorgungsbetriebe auf eine ungefährliche Menge an Legionellen achten und Grenzwerte durch Reinigungsmaßnahmen einhalten. Ab dem Hausanschluss sind die Eigentümer:innen in der Verpflichtung.

Vermieter:innen von Mehrfamilienhäusern mit zentralen Großanlagen zur Trinkwassererwärmung sind gesetzlich dazu verpflichtet, das Leitungswasser regelmäßig – in der Regel alle drei Jahre – professionell auf Legionellen untersuchen zu lassen.

Sollte eine gesundheitsgefährdende Konzentration der Bakterien festgestellt werden, muss der oder die Vermieter:in umgehend das Gesundheitsamt informieren und Gegenmaßnahmen einleiten. Wird in diesem Zuge ein offizielles Duschverbot ausgesprochen, gilt für Sie: Nehmen Sie dieses zu Ihrem eigenen Schutz absolut ernst und halten Sie es strikt ein! Der Kontakt mit dem gefährlichen Wassernebel muss zwingend vermieden werden.

Händewaschen, das Baden in der Wanne (ohne Brause) oder das Abkochen von Nudelwasser bleiben in den allermeisten Fällen jedoch weiterhin erlaubt, da hierbei keine feinen Tropfen aufgewirbelt und eingeatmet werden.

Fazit: Achtsamkeit als bester Gesundheitsschutz

Auch wenn die unsichtbaren Erreger im heimischen Wasserdampf ernstzunehmende Erkrankungen auslösen können, ist Panik unangebracht. Sie können dem Risiko proaktiv begegnen. Eine konsequente Haushaltshygiene, Duschfilter, das Vermeiden von Wasserstau in den Rohren und richtig justierte Heizungstemperaturen entziehen den Keimen zuverlässig ihren Nährboden.

Bleiben Sie aufmerksam und suchen Sie bei unklaren, fiebrigen Atemwegsbeschwerden rasch medizinischen Rat. Ein bewusster, routinierter Umgang mit Ihren Hausinstallationen ist letztlich der effektivste Schlüssel, um dauerhaft unbeschwert und sicher aufatmen zu können.