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/ SkinnyTok, Looksmaxxing und Co.: So schützen Eltern ihr Kind vor ungesunden Schönheitsidealen. Psychologin Dr. Charlotte Ord im Interview

SkinnyTok, Looksmaxxing und Co.: So schützen Eltern ihr Kind vor ungesunden Schönheitsidealen. Psychologin Dr. Charlotte Ord im Interview

Von: Elisabeth Maußner

Aktualisiert: 25.03.2026

Lesezeit: 7 Min.

Psychologie | Beauty

Ein junges Mädchen betrachtet sich zufrieden im Spiegel.
Eltern haben einen großen Einfluss darauf, ob Ihre Kinder ein positives Körperbild entwickeln. | © Prostock-studio - stock.adobe.com

Ob SkinnyTok oder Looksmaxxing: der Hype nach einem besonders schönen und ästhetischen Körper ist nach wie vor präsent – und damit auch der Druck, möglichst schlank und normschön zu sein. Das kann ernste gesundheitliche Folgen haben. Doch wie können Eltern Ihre Kinder davor schützen? Und wie begleiten sie Teenager auf der Suche nach dem eigenen Körpergefühl?

Psychologin Dr. Charlotte Ord hat ihre Erfahrungen dazu in einem Buch zusammengefasst. In „Wenn du deinen Körper liebst, lernt dein Kind das auch“ zeigt sie, wie Eltern das Körperbild ihres Kindes beeinflussen – und es so auch vor ungesunden Verhaltensweisen schützen können. Wie das genau funktioniert und warum Verbote dabei nicht helfen können, erklärt Dr. Charlotte Ord im Interview.

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Übersetzt aus dem Englischen

sanego: Warum ist ein positives Körperbild für mein Kind wichtig?

Dr. Charlotte Ord: Ein positives Körperbild wirkt schützend. Kinder, die sich in ihrem Körper wohl und zuhause fühlen, bewegen sich eher mit Freude, essen intuitiv, setzen Grenzen und nehmen aktiv am Leben teil. Studien zeigen konsistent, dass ein positives Körperbild sowie Wertschätzung und Respekt gegenüber dem eigenen Körper mit besserer psychischer Gesundheit, höherem Selbstwertgefühl und langfristig gesünderen Verhaltensweisen verbunden sind. Wenn Kinder ihrem Körper vertrauen und ihn respektieren, sind sie widerstandsfähiger gegenüber Gruppendruck, Diätkultur und schädlichen Schönheitsidealen.

Dr. Charlotte Ord

ist Psychologin und Psychotherapeutin mit eigener Praxis in England. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist es, Patienten und Patientinnen zu einem positiven Körpergefühl zu verhelfen, etwa in der Schmerztherapie, der Rehabilitationsmedizin und im Gewichtsmanagement. Zudem ist sie immer wieder als Expertin in den Medien geladen.

Wie können Eltern das Körperbild Ihrer Kinder beeinflussen?

sanego: Wie groß ist der Einfluss von Eltern auf das Körperbild ihrer Kinder?

Dr. Charlotte Ord: Eltern haben einen bedeutenden Einfluss auf das Körperbild ihrer Kinder – sowohl direkt als auch indirekt.

Kinder übernehmen, wie Erwachsene über ihren eigenen Körper, den Körper anderer sowie über Essen, Bewegung, Alter und Gewicht sprechen. Selbst scheinbar harmlose Aussagen wie „Ich fühle mich heute dick“, „Heute habe ich gesündigt“ oder „Das muss ich wieder abtrainieren“ prägen die innere Haltung von Kindern gegenüber Essen und Körpern. Sie lernen dadurch nicht nur etwas über Nährwerte und Stimmung, sondern auch über soziale Bewertungen.

Die gute Nachricht ist, dass dieser Einfluss auch positiv genutzt werden kann. Eltern, die Körperrespekt, flexibles Essverhalten und Freude an Bewegung vorleben, können schädliche gesellschaftliche Botschaften abpuffern.

sanego: Welche drei Dinge sind besonders wichtig, um ein positives Körperbild zu fördern?

Dr. Charlotte Ord:

  1. Körperrespekt vorleben.
    Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie auf Ihren Körper hören und ihn mit Fürsorge und Respekt behandeln, statt ihn zu kritisieren.

  2. Funktion statt Aussehen in den Fokus stellen.
    Sprechen Sie darüber, was der Körper leisten kann: laufen, umarmen, denken, heilen – nicht darüber, wie er aussieht.

  3. Ein gewichtsneutrales Umfeld schaffen.
    Vermeiden Sie Diäten, Kategorien wie „gut/schlecht“ oder „gesund/ungesund“ bei Lebensmitteln sowie Hänseleien über das Aussehen. Das Zuhause sollte ein sicherer Ort sein, von dem aus Kinder die Außenwelt erkunden können.

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Das Körperbild und das Umfeld

sanego: Was kann ich dem Körperbild aus Medien und sozialen Netzwerken entgegensetzen?

Dr. Charlotte Ord: Es ist unvermeidbar, dass Kinder bis zu einem gewissen Grad mit problematischen Online-Inhalten konfrontiert werden. Sie früh an Medienkompetenz heranzuführen kann jedoch schützen. Dazu gehört, offen über Filter, Bildbearbeitung, Algorithmen und unrealistische Schönheitsideale zu sprechen, damit Ihr Kind lernt, Inhalte kritisch zu hinterfragen. Es hilft, sie zu ermutigen, sich zu fragen, wer von einem bestimmten Gefühl profitiert und was die vermittelten Bilder verkaufen sollen. Zudem können Sie differenzieren, was Ihr Kind online sieht, indem Sie es ermutigen, Accounts zu folgen, die Bodydiversität präsentieren. Kinder sollten verstehen, dass viele Bilder inszeniert sind und nicht den Alltag widerspiegeln.

sanego: Wie kann ich mein Kind widerstandsfähiger gegenüber Stigmatisierung oder Mobbing im Zusammenhang mit dem Körperbild machen?

Dr. Charlotte Ord: Resilienz wächst aus Zugehörigkeit und Selbstwertgefühl. Wir können Kindern helfen, diese zu entwickeln, indem wir Gefühle ernst nehmen statt sie abzutun, Kindern Durchsetzungsfähigkeit vermitteln und ihr Selbstwertgefühl unabhängig vom Aussehen stärken. Das geht etwa indem wir ihre Interessen, Werte, Humor, Freundlichkeit und andere persönliche Eigenschaften hervorheben. Als Erwachsene ist es zudem unsere Aufgabe, wenn möglich und sicher, für Kinder einzutreten. Niemand sollte Diskriminierung wegen des Gewichts allein bewältigen müssen, insbesondere nicht Kinder. Das Wichtigste ist aber sicherzustellen, dass sich Ihre Kinder bedingungslos angenommen fühlen.

Buchcover Wenn du deinen Körper liebst, lernt dein Kind das auch
Buchcover Wenn du deinen Körper liebst, lernt dein Kind das auch | © Goldmann

Positives Körperbild trotz widriger Umstände?

sanego: Was kann ich tun, wenn mein Kind bereits ein negatives Körperbild entwickelt hat?

Dr. Charlotte Ord: Bleiben Sie ruhig, interessiert und hören Sie aufmerksam zu, ohne sofort Lösungen anzubieten. Vermeiden Sie vorschnelle Besänftigung wie „Aber du bist doch schön“, da dies den Fokus unbeabsichtigt weiter auf das Aussehen lenken kann. Versuchen Sie, die Ursachen der Überzeugungen zu verstehen und lenken Sie den Fokus sanft auf Körperfunktion, Neutralität und Selbstmitgefühl. Wenn die Unzufriedenheit anhält oder mit restriktivem Essen, Essanfällen, Rückzug oder zwanghaftem Sport verbunden ist, sollte frühzeitig professionelle Unterstützung in Anspruch genommen werden.

sanego: Wie sollte ich reagieren, wenn mein Kind plötzlich eine Diät machen oder exzessiv trainieren möchte?

Dr. Charlotte Ord: Zunächst innehalten und nachfragen: Was ist der Auslöser? Was erhofft sich das Kind davon?

Vermeiden Sie Beschämung oder Verbote, denn diese können Geheimhaltung fördern. Stattdessen sollten Sie altersgerechte Informationen vermitteln, warum wachsende Körper ausreichend Nahrung benötigen. Es kann hilfreich sein, zu betonen dass Stärke, Energie und Wohlbefinden wichtiger sind als Gewicht.

Bemerken Sie, dass Ihr Kind starre Regeln oder zwanghafte Verhaltensweisen entwickelt, sind klare, aber einfühlsame Grenzen essenziell um Ihrem Kind Sicherheit und Orientierung zu geben. Schnelle Gewichtsreduktion oder exzessiver Sport bei Kindern sollten immer ernst genommen werden. Hier ist der Schlüssel, schon früh professionelle Hilfe zu suchen.

sanego: Was kann ich tun, wenn mein Kind großes Interesse an einer Sportart hat, die mit negativen Körperbildern verbunden ist, zum Beispiel Ballett oder Bodybuilding?

Dr. Charlotte Ord: Sportarten wie Ballett oder Bodybuilding sind nicht grundsätzlich schädlich, aber oft von einer Kultur umgeben, die Gewicht und Ästhetik betonen.

Wenn sich Ihr Kind für eine auf Ästhetik fokussierte Sportart interessiert, ist es hilfreich, das Trainingsumfeld und die Einstellung genauer zu betrachten, um herauszufinden, welches Körperbild vermittelt wird. Dazu gehört vielleicht auch, nach der Trainingsphilosophie zu fragen und einen Anbieter zu finden, der Können, Spaß und Stärke über das Gewicht stellt. Zusätzlich ist es hilfreich, zu Hause offen über möglichen Druck oder Gruppenzwang während des Trainings zu sprechen. Die Aufgabe der Eltern ist es, mögliche negative Einflüsse abzufedern, nicht Interessen zu verbieten.

sanego: Und was kann ich tun, wenn mein Kind überhaupt kein Interesse an Sport oder Bewegung hat?

Dr. Charlotte Ord: Nicht alle Kinder mögen Wettkampfsport. Vielleicht müssen Sie Ihre Vorstellung von Bewegung und Training erweitern. Dazu könnte gehören Tanzen im Wohnzimmer, Spaziergänge mit dem Hund, Gartenarbeit, Kampfsport, Skateboarden, Schwimmen oder Trampolinspringen. Konzentrieren Sie sich auf Freude und Selbstbestimmung.

Tipps für ein positives Körperbild

sanego: Wie kann ich ungesunde Verhaltensweisen wie hohen Süßigkeitenkonsum ansprechen, ohne ein negatives Körperbild zu fördern?

Dr. Charlotte Ord: Vergessen Sie moralische Bewertungen von Lebensmitteln. Statt Süßigkeiten als „schlecht“ zu bezeichnen, fokussieren Sie sich auf:

  • Unterschiedliche Lebensmittel unterstützen den Körper auf unterschiedliche Weise.

  • Bieten Sie regelmäßige Mahlzeiten und Snacks an, um übermäßiges Essen aus Mangelgefühl zu verhindern.

  • Eine neutrale Struktur, etwa Süßigkeiten gemeinsam mit Mahlzeiten anzubieten statt als Belohnung.

Verbote führen häufig zu einer gedanklichen Fixierung. Ein entspannter Umgang mit allen Lebensmittelgruppen kann helfen, Heißhunger zu reduzieren

sanego: Zum Abschluss: Haben Sie einen Tipp, den jede(r) über die Entwicklung eines positiven Körperbildes wissen sollte?

Dr. Charlotte Ord: Sprechen Sie respektvoll über Körper, über Ihren eigenen, den Ihres Kindes und den anderer. Immer.

Kinder lernen, wie sie mit ihrem Körper umgehen, indem sie beobachten, wie Erwachsene mit ihrem umgehen. Wenn wir es schaffen den Fokus von Kritik auf Fürsorge und von Kontrolle auf Vertrauen zu verschieben, erziehen wir Kinder nicht nur zu einem positiven Körperbild, sondern auch zu innerer Zufriedenheit.

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