/
/ Vogelgrippe: erhöhte Aufmerksamkeit für H5N1-Viren empfohlen

Vogelgrippe: erhöhte Aufmerksamkeit für H5N1-Viren empfohlen

Von: Elisabeth Maußner

Veröffentlicht: 05.07.2024

Lesezeit: 4 Min.

Patientenwissen | Tipps

Ein Mann mit medizinischer Maske steht in einem großen Hühnerstall. Im Hintergrund zahlreiche Hühner
Könnte die Vogegrippe auch für den Menschen gefährlich werden? | © Berit Kessler - stock.adobe.com

Immer mehr betroffene Kühe in den USA, Impfungen gegen H5N1 in Finnland, Virologe Christian Drosten spricht von einer möglichen neuen Pandemie: Die Vogelgrippe scheint sich auszubreiten. Doch wie sieht die aktuelle Lage wirklich aus?

Steckbrief Vogelgrippe

  • gehört zu den Grippeviren

  • weltweit stark verbreitet

  • betrifft vor allem Wildvögel und Geflügelzuchten

  • Infektionen bei Säugetieren und Menschen sind bisher selten

  • in Deutschland meldepflichtig

Überblick: Das sollten Sie über die Vogelgrippe wissen

Unter dem Begriff Vogelgrippe, auch Geflügelpest genannt, werden mehrere Virusvarianten zusammengefasst, die vor allem Vögel infizieren. Sie werden überwiegend über den Kot übertragen und sind besonders für Geflügelzuchten gefährlich. Deshalb gibt für Tiere wie Hühner eine Stallpflicht, wenn Fälle in der Umgebung auftreten. So können sie nicht von Wildvögeln angesteckt werden.

Gerade grassiert weltweit die größte, bisher dokumentiert Vogelgrippe-Welle. Da sich auch Säugetiere infizieren können, steigt die Zahl der Bären, Robben oder Katzen mit Vogelgrippe.

Vogelgrippe aktuell: Die Entwicklung in den USA

Dass die Vogelgrippe jetzt auch immer mehr Kühe in den USA betrifft, ist deshalb zunächst gar nicht so überraschend. Dennoch ist die Art zum ersten Mal betroffen. Die Ansteckung erfolgt über das Euter. Daher gehen Experten und Expertinnen bislang davon aus, dass die Viren vor allem über Tiertransporte und Melkgeschirr übertragen werden. Allerdings sind sie auch in der Milch erkrankter Tiere nachweisbar. So könnten sich in den Ställen etwa Mäuse und Katzen vermehrt mit Vogelgrippe infizieren.

Erste Untersuchungen des Friedrich-Loeffler-Instituts zeigen, dass auch die deutsche Variante der Vogelgrippe Kühe betreffen könnte. Noch sehen die Forscher:innen aber keine erhöhte Gefahr. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Die Viren können das Euter der Kühe nur schwer erreichen.

  • Bestehende Grippeimpfung können angepasst werden.

  • Durch Testungen und Impfungen könnte ein Ausbruch in Deutschland schnell eingedämmt werden.

Dennoch ist die offizielle Empfehlung, den H5-Viren erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Besonders für die USA wünschen sich Wissenschaftler:innen eine intensive Überwachung der Ausbreitung, um rechtzeitig reagieren zu können.

Die Vogelgrippe beim Menschen

Eine Infektion mit Vogelgrippe bei Menschen ist nach wie vor sehr selten. Seit 2003 meldet die WHO weltweit etwas mehr als 2.600 Erkrankungen und 1.100 Todesfälle in Zusammenhang mit der aviären Influenza. Die Betroffenen stammen überwiegend aus dem asiatisch-pazifischen Raum. In Deutschland gab es noch keinen bestätigten Fall.  

Besonders Menschen, die eng mit Geflügel arbeiten, z. B. auf Geflügelfarmen oder in Schlachthöfen, können sich mit Vogelgrippe anstecken. Die Übertragung von Mensch zu Mensch ist kaum dokumentiert. Die aktuell grassierenden Vogelgrippe-Arten scheinen also nur eine geringe Gefahr darzustellen. Gleichzeitig könnte die Dunkelziffer der leicht Erkrankten sehr hoch sein, da es nur wenige Testungen gibt.

Symptome der Vogelgrippe beim Menschen

Die Vogelgrippe äußert sich bei Menschen ähnlich wie eine gewöhnliche Influenza. Mögliche Symptome sind:

  • Fieber

  • Husten

  • Kurzatmigkeit

  • Übelkeit

  • Erbrechen

  • Durchfall

Hals-, Kopf- oder Gliederschmerzen, wie sie bei der Grippe vorkommen, sind seltener. Auch das Ausmaß der Vogelgrippe-Symptome variiert. Es gibt sowohl symptomlose Fälle als auch starke Beschwerden, die einen Krankenhausaufenthalt nötig machen. Da die Viren besonders die Lunge angreifen, kommt es bei der Vogelgrippe zum Beispiel häufig zu Lungenentzündungen.

Vogelgrippe-Impfung in Finnland bereits möglich

Den Grippeimpfstoff gibt es bereits seit über 80 Jahren. Er ist also ausreichend getestet worden und lässt sich verhältnismäßig leicht auf andere Virenstämme, wie die der Vogelgrippe anpassen. Wie wirksam der Impfstoff ist, kann dabei nur schwer untersucht werden. Da es nur wenige Fälle weltweit gibt, sind auch geimpfte Personen den entsprechenden Viren nur selten ausgesetzt. Eine angepasste Grippeimpfung kann aber auf jeden Fall das Risiko einer Ansteckung mit Vogelgrippe minimieren.

In Finnland können sich gefährdete Gruppen bereits gegen H5N1 impfen lassen. Dies betrifft allerdings vor allem Angestellte von Nerzfarmen. Dort breitet sich die Vogelgrippe immer wieder schnell aus, da viele Tiere auf engem Raum zusammenleben. Zudem sind Nerze anfällig für Vogelgrippe und Influenza. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass zwei unterschiedliche Virusstämme aufeinandertreffen und Erbinformationen austauschen. Mutationen, die eventuell auch dem Menschen gefährlich werden könnten, sind dort also wahrscheinlicher.

Experten und Expertinnen sind sich einig, dass Vogelgrippe-Impfungen in Deutschland aktuell nicht nötig sind.

Fazit: Wie geht es weiter mit der Vogelgrippe?

Aktuell sind wohl keine Maßnahmen gegen die Vogelgrippe nötig. Es gibt auch keinen Grund, vor einer neuen Pandemie zu warnen. Infektionen bei Tieren und Menschen sollten natürlich weiter beobachtet werden; wie es auch schon in den letzten Jahren der Fall war. Sollten die Zahlen steigen, kann so etwa mit Impfungen bei Tieren reagiert werden. Bis dahin bleibt die Vogelgrippe nicht gefährlicher als andere Zoonosen für den Menschen.

Autoreninformation

Elisabeth Maußner

Medizinische Redakteurin

Elisabeth Maußner ist studierte Journalistin und schreibt bei der ärzte.de MediService GmbH & Co. KG seit 2017 zu medizinischen Themen. Ihr Ziel: komplexe Zusammenhänge und wissenschaftliche Hintergründe einfach und für jeden verständlich auszudrücken. Die erfahrene Autorin hat bereits über 400 Artikel zu Gesundheits- und Medizinthemen verfasst, die u.a. auf aerzte.de, sanego.de und arzttermine.de veröffentlicht wurden.

Außerdem durfte sie Erfahrung beim Radio und beim Produzieren von Videos sammeln.

Persönlich interessiert sie sich insbesondere für Kinder- und Frauengesundheit, eine ausgewogene, intuitive Ernährung und die Digitalisierung im Gesundheitswesen.

Links

Entdecken Sie weiterführende Informationen über die Autorin: