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Zuckersteuer in Deutschland? Was sie für Verbraucher bedeuten könnte

Von: Daniel Haag

Aktualisiert: 06.05.2026

Lesezeit: 6 Min.

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Ein klares Glas, gefüllt mit dunkler, sprudelnder Cola, steht neben einem ansteigenden Balkendiagramm aus gestapelten weißen Zuckerwürfeln. Eine Ein-Euro-Münze balanciert auf dem höchsten Zuckerstapel ganz rechts.
Kommt 2028 eine Zuckersteuer? Es gibt viele, auch medizinische Gründe dafür; die Zuckerindustrie widerspricht. | © Erstellt mit Google Imagen

Kurz erklärt: Eine Zuckersteuer ist eine staatliche Abgabe auf stark zuckerhaltige Produkte – vor allem Softdrinks –, die entweder pauschal oder gestaffelt nach Zuckergehalt erhoben wird. Ziel ist es, den Konsum zu reduzieren, gesundheitliche Risiken zu senken und Hersteller zu Reformulierungen zu bewegen. Erfahrungen aus Ländern wie Großbritannien zeigen, dass insbesondere der Zuckergehalt in Getränken messbar sinken kann.

Kommt die Zuckersteuer – und wird der tägliche Griff zu Cola, Limo oder Energydrink bald spürbar teurer? Die Diskussion um eine sogenannte Zuckersteuer gewinnt in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Jüngster Auslöser ist die aktuelle Debatte innerhalb der Regierungskoalition, ab 2028 eine Zuckerabgabe einzuführen. Ziel ist es, den Konsum stark zuckerhaltiger Lebensmittel – insbesondere gesüßter Getränke – zu reduzieren und damit ernährungsbedingten Erkrankungen vorzubeugen. Doch wie sinnvoll ist eine solche Maßnahme tatsächlich?

Was ist die Zuckersteuer?

Unter einer Zuckersteuer versteht man eine staatliche Abgabe auf Produkte mit hohem Zuckergehalt. In vielen Ländern betrifft dies vor allem Softdrinks wie Cola oder Limonaden und Energydrinks. Die Steuer kann entweder pauschal oder gestaffelt nach Zuckergehalt erhoben werden.

Ziel ist es, Hersteller dazu zu bewegen, den Zuckergehalt ihrer Produkte zu senken und Verbraucher:innen zu einem bewussteren Konsum zu motivieren.

Warum wird über eine Zuckersteuer diskutiert?

Ein zentraler Hintergrund ist die steigende Zahl ernährungsbedingter Erkrankungen wie:

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft fordert schon lange politische Maßnahmen zur Reduktion des Zuckerkonsums. In einer Stellungnahme heißt es:

"Wir begrüßen es außerordentlich, dass die Bundesregierung die seit langem bekannte wissenschaftliche Empfehlung nun umsetzt und plant, ab 2028 eine Herstellerabgabe auf zuckergesüßte Getränke einzuführen."

Barbara Bitzer, Sprecherin des Wissenschaftsbündnisses Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) und Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)

Auch zahlreiche medizinische Fachgesellschaften sowie Ärztinnen und Ärzte sprechen sich für eine solche Maßnahme aus. Laut Berichten fordern tausende Expertinnen und Experten politische Maßnahmen, um den Zuckerkonsum in der Bevölkerung nachhaltig zu senken.

Internationale Erfahrungen mit einer Zuckersteuer: Beispiel Großbritannien

Großbritannien führte 2018 eine gestaffelte Zuckerabgabe auf Softdrinks ein (Soft Drinks Industry Levy). Die Ergebnisse gelten als gut untersucht:

  • Hersteller reduzierten den Zuckergehalt vieler Produkte deutlich

  • Der durchschnittliche Zuckerkonsum über Getränke sank

  • Die Kaufmenge blieb weitgehend stabil, verschob sich aber hin zu weniger stark gesüßten Produkten

Eine im Fachjournal BMJ veröffentlichte Studie untersuchte die Auswirkungen der britischen Zuckerabgabe auf den Zuckergehalt und die Zuckermenge in gekauften Softdrinks und zeigte deutliche Rückgänge, insbesondere durch Reformulierungen der Produkte: Die über Softdrinks gekaufte Zuckermenge sank um rund 30 % (BMJ-Studie zur Soft Drinks Industry Levy).

Welche Argumente für eine Zuckersteuer gibt es?

Gesundheitsförderung

Eine Reduktion des Zuckerkonsums kann langfristig das Risiko chronischer Erkrankungen senken. Dazu zählen insbesondere Typ-2-Diabetes, Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Bluthochdruck und koronare Herzkrankheit), nicht-alkoholische Fettleber sowie Karies.

Lenkungswirkung

Preisanreize gelten als wirksames Instrument, um Konsumverhalten zu beeinflussen. Ähnliche Effekte sind auch aus der Tabak- und Alkoholpolitik bekannt: Steuererhöhungen führen dort nachweislich zu einem Rückgang des Konsums, insbesondere bei Jugendlichen und Vielkonsumierenden. So zeigen internationale Auswertungen, dass ein Preisanstieg bei Tabakprodukten den Konsum messbar senkt und insbesondere junge Menschen empfindlich auf Preisänderungen reagieren. Auch im Bereich Alkohol belegen Studien, dass höhere Preise mit einem geringeren Konsum sowie weniger alkoholbedingten Erkrankungen und Todesfällen einhergehen.

Druck auf die Industrie

Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass Hersteller Rezepturen anpassen, um Steuern zu vermeiden. In Großbritannien senkten viele Getränkehersteller im Zuge der Soft Drinks Industry Levy gezielt den Zuckergehalt ihrer Produkte, um unter steuerliche Schwellenwerte zu fallen. Ähnliche Entwicklungen wurden auch in Ländern wie Mexiko beobachtet, wo Unternehmen verstärkt zuckerreduzierte Varianten anbieten.

Kritik an der Zuckersteuer und Gegenargumente

Vertreter der Zuckerindustrie sehen die Maßnahme kritisch: Laut ihnen ist eine Zuckersteuer kein geeignetes Mittel zur Lösung ernährungsbedingter Probleme.

Häufig genannte Kritikpunkte sind:

  • Eingriff in die individuelle Konsumfreiheit

  • soziale Ungleichheit (höhere Belastung einkommensschwächerer Haushalte)

  • unklare Wirkung auf das Gesamtverhalten (Ausweichreaktionen)

Kurz-Umfrage zur Zuckersteuer

Wie stehen Sie zur möglichen Zuckersteuer? Würden Sie Ihr Kaufverhalten ändern, sollte die Abgabe eingeführt werden? Welchen Effekt erwarten Sie? 3 Fragen - nur 1 Minute

Was ist hinsichtlich Zuckersteuer in Deutschland geplant?

Die Bundesregierung diskutiert derzeit verschiedene Modelle zur Einführung einer Zuckersteuer. Medienberichten zufolge steht dabei eine sogenannte Herstellerabgabe im Fokus, die sich am Zuckergehalt orientieren könnte. Ziel ist es, vor allem die Industrie zu Reformulierungen zu bewegen.

Zugleich wird die Maßnahme politisch kontrovers diskutiert: Während Gesundheitsorganisationen den Vorstoß begrüßen, gibt es innerhalb der Politik und Wirtschaft auch Vorbehalte hinsichtlich Wirksamkeit und sozialer Auswirkungen.

Parallel dazu gibt es freiwillige Vereinbarungen mit der Lebensmittelindustrie zur Zuckerreduktion (z. B. im Rahmen der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie, bei der Hersteller zugesagt haben, u. a. den Zuckeranteil in Softdrinks, Frühstückscerealien und Kinderprodukten schrittweise zu senken) – deren Effekt bislang als begrenzt bewertet wird.

Eine Nahaufnahme in einem Supermarktregal: Eine Hand greift nach einer 0,5-Liter-Limonadenflasche mit der Aufschrift „Fruit Blast“. Im Vordergrund sind zwei Preisschilder eingeblendet: Ein rotes Schild zeigt den tatsächlichen Preis inklusive Zuckerabgabe (€1,89) und warnt vor einem hohen Zuckergehalt (38g). Direkt daneben steht zum Vergleich der hypothetische reguläre Preis ohne Steuer (€1,75). Rechts im Bild ist eine Wasserflasche für €0,69 mit dem Hinweis „0g Zucker“ zu sehen.
Die Einführung einer Zuckersteuer würde die Preise für zuckerhaltige Getränke erhöhen. | © Erstellt mit Google Imagen

Medizinische Einordnung der Zuckersteuer

Aus gesundheitlicher Sicht besteht ein klarer Zusammenhang zwischen hohem Zuckerkonsum und metabolischen Erkrankungen. Besonders problematisch sind sogenannte „flüssige Kalorien“, da sie weniger sättigen und oft unbewusst konsumiert werden.

Eine Zuckersteuer kann daher als Teil eines umfassenden Präventionskonzepts sinnvoll sein – ersetzt jedoch keine Aufklärung, Ernährungsbildung und individuelle Verantwortung.

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Zuckersteuer und Herstellerabgabe?

Eine Zuckersteuer wird häufig direkt auf Endprodukte erhoben, während eine Herstellerabgabe bereits bei der Produktion ansetzt und Unternehmen dazu motivieren soll, den Zuckergehalt zu reduzieren.

Welche Produkte wären von einer Zuckersteuer betroffen?

In der Regel stehen vor allem zuckergesüßte Getränke wie Softdrinks, Energydrinks und gesüßte Säfte im Fokus.

Ab wann könnte eine Zuckersteuer in Deutschland gelten?

Aktuell wird eine mögliche Einführung ab 2028 diskutiert, konkrete gesetzliche Regelungen stehen jedoch noch aus.

Wirkt eine Zuckersteuer wirklich?

Internationale Erfahrungen, etwa aus Großbritannien, zeigen, dass der Zuckergehalt in Getränken sinken kann und Hersteller ihre Rezepturen anpassen.

Müssen Verbraucherinnen und Verbraucher durch eine Zuckersteuer mehr bezahlen?

Das ist möglich, da Unternehmen die Kosten teilweise weitergeben könnten. Gleichzeitig könnten sich günstigere Alternativen mit weniger Zucker etablieren.

Warum richtet sich die Zuckersteuer vor allem auf Getränke?

Zuckerhaltige Getränke liefern viele Kalorien, sättigen jedoch kaum und tragen daher besonders stark zu einem erhöhten Zuckerkonsum bei.

Ist eine Zuckersteuer sozial ungerecht?

Kritiker sehen die Gefahr, dass Haushalte mit geringerem Einkommen stärker belastet werden. Befürworter argumentieren, dass gesundheitliche Vorteile langfristig überwiegen.

Gibt es Alternativen zur Zuckersteuer?

Ja, dazu zählen Aufklärungskampagnen, freiwillige Vereinbarungen mit der Industrie oder verbindliche Grenzwerte für Zucker in Lebensmitteln.

Welche Rolle spielt die Lebensmittelindustrie?

Die Industrie kann durch Reformulierungen – also weniger Zucker in Produkten – maßgeblich zur Reduktion des Zuckerkonsums beitragen.

Weiterführende Hinweise

  • Eine ausgewogene Ernährung bleibt der wichtigste Faktor für die Gesundheit

  • Achten Sie auf versteckten Zucker in verarbeiteten Lebensmitteln

  • Getränke sind eine häufig unterschätzte Zuckerquelle