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C60 Fullerene: Wirkung, Heilkraft und medizinische Forschung

Von: Elisabeth Maußner

Aktualisiert: 18.03.2026

Lesezeit: 7 Min.

Wirkstoffe | Beauty | Mein Körper

Modell eines C60 Moleküls.
C60 ist ein vielversprechendes Molekül in vielen Bereichen der medizinischen Forschung. | © Udomner - stock.adobe.com

C60 oder Carbon 60 Fullerene sollen der Schlüssel für lange Gesundheit sein. Doch was ist das eigentlich genau? Warum wird es von vielen angepriesen und wie sieht die Forschungslage aus? Erfahren Sie hier, was C60 bewirken und warum eine Einnahme bisher nicht empfohlen werden kann.

Was ist C60?

C60 ist eine besondere Form von Kohlenstoff und wird aktuell in der Medizin umfassend erforscht. Das Molekül besteht aus 60 Kohlenstoffatomen, die eine kugelförmige Struktur bilden, ähnlich einem Fußball aus Fünf- und Sechsecken. Damit kann es besonders gut andere Moleküle an sich binden. C60 gehört zur Gruppe der Fullerene und wird chemisch als Buckminsterfulleren oder Buckyball bezeichnet.

Damit ist es aber nicht nur für Chemiker:innen und Forschende interessant. Auch auf TikTok und Instagram wird darüber viel diskutiert. Denn C60 könnte unsere Gesundheit beeinflussen.

Infografik Factsheet C60
Factsheet C60 | © Erstellt von Google Imagen.

C60 in der Forschung: Mögliche Anwendungsgebiete von Buckminsterfulleren

Seit seiner Entdeckung 1996 wird C60 für ganz unterschiedliche Einsatzgebiete erforscht. Medizinisch ist besonders eine mögliche antioxidative Wirkung interessant.

Ist C60 antioxidativ?

Laboruntersuchungen zeigen, dass Fullerene wie C60 viele freie Radikale binden und damit neutralisieren könnten. Sie werden deshalb auch als „Radikalfänger“ bezeichnet. Diese mögliche Wirkung gegen oxidativen Stress wird besonders intensiv erforscht. Denn oxidativer Stress spielt bei zahlreichen Erkrankungen eine Rolle, etwa bei neurodegenerativen Krankheiten, chronischen Entzündungen oder beim Alterungsprozess. Einige Studien deuten darauf hin, dass Fullerene Zellen vor solchen Schäden schützen könnten. Allerdings stammen die meisten Daten aus Zellkulturen oder Tiermodellen. Ob sich diese Effekte auch beim Menschen nachweisen lassen, ist bislang unklar.

C60 und Anti Aging: Kann C60 das Leben verlängern?

Besonders häufig wird C60 heute als Anti Aging Substanz genannt. Fullerene sollen dank der antioxidativen Eigenschaften das Leben verlängern und entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit nehmen. Damit werben etwa die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln mit C60, Olivenöl mit C60 oder auch Fullerene oil.

Diese Produkte beziehen sich meist auf eine Studie, die 2012 an Ratten durchgeführt wurde. Durch die Einnahme von C60 in Olivenöl konnte das Leben der Tiere verlängert werden. Bislang konnte dieser Effekt aber nicht reproduziert oder auf den Menschen übertragen werden. Ob C60 das Leben also verlängern kann, ist bisher noch unklar.

C60 in der Hautpflege

Besonders in Japan wird C60 schon in Anti Aging Hautcremes eingesetzt. Auch hier soll es vor oxidativen Hautschäden, insbesondere Zellschäden durch UV-Strahlung schützen. Positive Effekte wurden schon in einigen Studien beobachtet. Für eine zweifelsfrei nachweisbare Wirkung sind aber noch weitere Untersuchungen nötig.

C60 in der Krebsforschung

Fullerene werden in mehreren Bereichen der Onkologie untersucht. Zum einen könnte C60 in der photodynamischen Therapie eingesetzt werden. Dabei dringt das Molekül in die Tumorzellen ein und wird dann mithilfe von Licht aktiviert, wodurch Krebszellen geschädigt werden können.

Zum anderen wird erforscht, ob C60 als Transportmittel für Medikamente in der Nanomedizin einsetzbar ist. Dafür wird seine kugelförmige Struktur so verändert, dass Krebsmedikamente daran angekoppelt und dann gezielt an der gewünschten Stelle wirken können.

Weitere mögliche Anwendungsgebiete von C60

Die Forschung von C60 steht noch relativ am Anfang. Neben den oben genannten Bereichen wird es deshalb noch in vielen anderen Gebieten untersucht.

So könnte es zum Beispiel in Zukunft gegen bestimmte virale Erkrankungen - von HIV über Grippe bis Hepatitis - oder gegen Bakterien, etwa durch eine antibakterielle Beschichtung oder als Neurotransmitter von Antibiotika, eingesetzt werden.

Auch in der Orthopädie wird zu C60 und Knochen- sowie Gelenkerkrankungen geforscht. Außerdem könnte es vor Alzheimer, Parkinson oder einem Schlaganfall schützen oder sogar als Kontrastmittel bei der Bildgebung eingesetzt werden.

Kurz gesagt:

C60 könnte in Zukunft in vielen medizinischen Bereichen eine Rolle spielen. Die Forschung dazu steht aber noch am Anfang und muss für eindeutige Erkenntnisse fortgeführt werden.

Warum empfehlen Biohacker und Influencer C60?

Obwohl die Wirkung von C60 noch vollkommen ungeklärt ist, wird es schon heute von Biohacker:innen gerade in Social Media empfohlen. Das liegt nicht nur an den ersten vielversprechenden Studienergebnissen, sondern vor allem an der Community. Im Bereich Biohacking und Longevity gibt es auch einige Selbstexperiment-Communities, die bereit sind, neue Mittel und Wege zur Lebensverlängerung oder Gesundheitsverbesserung auszuprobieren, bevor sie wissenschaftlich eindeutig wirksam sind. Das war zum Beispiel bei Intervallfasten oder Kältebädern der Fall, aber natürlich auch bei anderen Tipps, die sich als falsch herausstellten. Hier muss jede(r) selbst entscheiden, ob ein Selbstversuch das Risiko wert ist.

Dosierung und Tipps: Wie wird C60 angewandt?

Eine eindeutig sichere und wirksame Anwendung von C60 gibt es bisher nicht. Die Studien arbeiten teils mit ganz unterschiedlichen Konzentrationen und Darreichungsformen. Vor allem in der Biohacking-Szene wird es dennoch schon heute genutzt und zum Beispiel zusammen mit Olivenöl eingenommen. Die gängigen Dosierungsempfehlungen richten sich dort meist nach persönlichen Erfahrungen oder der oben genannten Studie aus 2012 an Ratten. Beides ist aber nicht einfach auf jeden Menschen übertragbar.

Sollten Sie C60 dennoch einnehmen oder ein Produkt mit Fulleren auftragen wollen, achten Sie genauesten auf die Angaben der Hersteller. Beginnen Sie mit einer möglichst kleinen Dosis und beenden Sie die Anwendung sofort, wenn Sie Nebenwirkungen bemerken sollten.

Wichtiger Hinweis:

Studien zeigen, dass Fulleren unter bestimmten Umständen Zellen schädigen können. Zudem werden die auf dem Markt verfügbaren Produkte mit C60 kaum oder nur unzureichend kontrolliert. Reinheit und Konzentration können sogar innerhalb verschiedener Packungen des gleichen Herstellers variieren. Eine sichere Anwendung ist deshalb nach aktuellem Forschungsstand nicht möglich.

Ist C60 gefährlich? Nebenwirkungen und Sicherheitsbedenken

C60 ist ein Nanomaterial. Die meisten Untersuchungen widmen sich deshalb kleinsten Mengen und Auswirkungen direkt in den Zellen. Die Veränderungen, die es vielleicht im Körper bewirkt, sind deshalb für den Einzelnen nicht wahrnehmbar. Die Wirkung kann bisher auch nicht eindeutig gemessen werden.

Zudem steht die Forschung noch am Anfang. Während einige Studien zum Beispiel zeigen, dass C60 freie Radikale binden kann, beobachten andere unter bestimmten Bedingungen Zellschäden durch das Molekül. Auch zelltoxische Effekte werden im Zusammenhang mit C60 untersucht. Denn das Molekül kann sich in der Zellmembran oder in den Mitochondrien anlagern und so die Zelle schädigen.

Allgemein scheint C60 gut verträglich zu sein und beispielsweise keine allergischen Reaktionen auslösen. Daten zu Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit Medikamenten gibt es aber bislang kaum. Wer es anwenden möchte, sollte also genau auf sich und seinen Körper achten. Auch langfristige Folgen und die Langzeitwirkung sind noch nicht erforscht. Eine sichere Einnahme oder Anwendung gibt es deshalb aktuell nicht.

Häufige Fragen zu C60

Ist C60 natürlich oder künstlich hergestellt?

C60 besteht zwar ausschließlich aus Kohlenstoff, kommt jedoch in der Natur nur in sehr geringen Mengen vor, etwa in Ruß oder in bestimmten kosmischen Staubpartikeln. Für Forschung und technische Anwendungen wird C60 daher in der Regel im Labor hergestellt, indem Kohlenstoff unter speziellen Bedingungen verdampft und sich anschließend zu der charakteristischen kugelförmigen Struktur zusammenlagert.

Warum wird C60 in Olivenöl angeboten?

C60 lässt sich nur sehr schlecht in Wasser lösen, in Ölen aber schon. Damit es gut dosiert und eingenommen werden kann, wird es deshalb häufig mit Olivenöl, MCT-Öl oder Traubenkernöl vermischt.

Wird C60 bereits in Medizin oder Kosmetik verwendet?

In der Medizin befindet sich C60 größtenteils noch im Forschungsstadium. Wissenschaftler:innen untersuchen mögliche Anwendungen, überwiegend auf Zellebene und in Tierversuchen. Aussagen zur Wirkung bei Menschen können deshalb noch nicht getroffen werden.

In Kosmetik wird C60 teilweise bereits in Hautpflegeprodukten eingesetzt, etwa in Anti-Aging-Cremes oder Sonnenschutzformeln. Der gesundheitliche Nutzen solcher Anwendungen ist jedoch noch nicht nachgewiesen.

Wird C60 auch außerhalb der Medizin genutzt?

Ja. C60 spielt vor allem in der Materialwissenschaft und Nanotechnologie eine Rolle. Dort wird das Molekül unter anderem untersucht für:

  • organische Solarzellen

  • Elektronik

  • Schmierstoffe

  • Nanomaterialien

Die medizinische Nutzung ist dagegen noch deutlich weniger entwickelt.

Ist C60 in Deutschland verboten?

Ja, teilweise. C60 darf in Deutschland bisher nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel vermarktet werden. In der EU gilt C60 als neuartiges Lebensmittel (novel food). Eine Prüfung, ob es zugelassen wird, ist bisher nicht abgeschlossen.

In Kosmetik wie Cremes wird C60 auch in der EU vereinzelt bereits eingesetzt. Die Produkte müssen vor der Markteinführung allerdings umfassend geprüft und entsprechend gekennzeichnet werden.

Ist C60 als Nahrungsergänzung sicher?

Nein, C60 ist als Nahrungsergänzungsmittel nicht sicher. Es gibt bisher keine eindeutigen Studien, die auf eine sichere Anwendung hindeuten oder langfristige Folgen einbeziehen. Zudem werden die angebotenen Produkte kaum oder gar nicht geprüft, sodass sie sich selbst innerhalb eines Herstellers in Konzentration und Reinheit stark unterscheiden können.

Wie könnte man prüfen, ob C60 wirkt?

Da es keine etablierten klinischen Anwendungen gibt, existieren auch keine standardisierten Untersuchungen, mit denen sich eine Wirkung eindeutig nachweisen lässt. In der Forschung werden teilweise Marker für oxidativen Stress oder Entzündungen untersucht, etwa bestimmte Laborwerte im Blut. Diese Werte werden jedoch von vielen Faktoren beeinflusst und erlauben keine eindeutige Aussage über die Wirkung von C60.