/
/ Bluthochdruck senken: Möglichkeiten im Überblick

Bluthochdruck senken: Möglichkeiten im Überblick

Von: Gast Redakteur:in

Aktualisiert: 06.11.2025

Lesezeit: 9 Min.

Tipps | Patientenwissen | Ernährung

Ärztin misst den Blutdruck eines Patienten mit einem elektronischen Blutdruckmessgerät und bespricht die Ergebnisse.
Bluthochdruck bleibt oft unentdeckt, kann unbehandelt aber schwere Folgen haben. | © STBSTD - stock.adobe.com

Bluthochdruck (Hypertonie) gehört zu den häufigsten Volkskrankheiten – und bleibt dennoch oft unentdeckt. Viele Betroffene spüren lange Zeit keine Symptome, während der dauerhaft erhöhte Druck in den Gefäßen Herz und Kreislauf bereits stark belastet. Unbehandelt kann das schwerwiegende Folgen haben: von Gefäßschäden über Herzinfarkt bis hin zum Schlaganfall. Der Blutdruck gilt als zu hoch, wenn regelmäßig Werte über 130 (systolisch) und 80 (diastolisch) gemessen werden.

Infobox Systolischer & Diastolischer Wert

Die beiden Werte beim Blutdruck messen den Druck in den Arterien in zwei unterschiedlichen Phasen des Herzzyklus:

  • Systolischer Wert (oberer Wert): Er gibt an, wie hoch der Druck ist, wenn das Herz sich zusammenzieht und Blut in die Gefäße pumpt.

  • Diastolischer Wert (unterer Wert): Er zeigt den Druck an, wenn das Herz sich entspannt und sich wieder mit Blut füllt.

Ein dauerhaft erhöhter systolischer oder diastolischer Wert bedeutet also ein zu hoher, dauerhafter Druck auf die Gefäße. Dies kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen.

Zwischen 20 und 30 Prozent der Deutschen sind von Bluthochdruck betroffen, wobei die Häufigkeit mit dem Alter rapide ansteigt. Lebensstiländerungen sind das wichtigste Mittel, um Bluthochdruck zu senken: Gewichtsreduktion, gesündere Ernährung mit Alkohol- und Salzreduktion, Rauchverzicht, mehr Sport und Bewegung. Führen diese Maßnahmen nicht zum Erfolg, können Ärzte und Ärztinnen blutdrucksenkende Medikamente mit dem Wirkstoff Ramipril verordnen, um die Hypertonie zu behandeln und das Risiko von Folgeerkrankungen zu verringern.

Lebensstiländerungen sind die wichtigsten Grundlagen

In den weitaus meisten Fällen ist Bluthochdruck die Folge eines ungesunden Lebensstils: Kalorienreiche Nahrung in Verbindung mit zu wenig Bewegung führt zu Übergewicht, das nachweisbar ein Hauptrisikofaktor für zu hohen Blutdruck ist. Hinzu kommen die Auswirkungen von Alkohol- und Tabakkonsum, die ebenfalls den Blutdruck in die Höhe treiben können. Änderungen des Lebensstils gelten daher als der wichtigste Hebel, um Bluthochdruck langfristig in den Griff zu bekommen und das Risiko für die damit verbundenen Folgeerkrankungen – Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschäden – zu senken.

Übergewicht ist einer der Hauptrisikofaktoren für Bluthochdruck. Jedes Kilo weniger bedeutet eine Entlastung für Herz und Gefäße. Als besonders gefährlich gilt Bauchfett, weshalb Kardiologen und Kardiologinnen für eine Risikobewertung nicht nur den BMI, sondern auch den Bauchumfang von Patienten und Patientinnen heranziehen. Bei Männern sollte er maximal 94 Zentimeter betragen, bei Frauen 80 Zentimeter.

Eine gesunde Ernährung ist für die Gewichtsreduktion essenziell. Empfehlenswerte Bestandteile der Ernährung sind:

  • vitaminreiches Gemüse

  • ballaststoffreiche Vollkornprodukte

  • Hülsenfrüchte

  • zuckerarmes Obst (z. B. Beeren)

  • magere Milchprodukte

  • Gesunde Fette aus Nüssen, Olivenöl und Seefisch

Folgende Lebensmittel sollten so gut es geht reduziert werden:

  • Zucker

  • Kohlenhydrate

  • Produkte aus Weizenmehl (z. B. Weißbrot)

  • Fettreiche Speisen

  • Wurstwaren

  • Fleisch

Hypertonie-Patienten und -Patientinnen sollten zudem ihren Salzkonsum einschränken.

Alkohol bringt Kalorien mit, belastet die Leber, erhöht das Risiko für verschiedene Krebserkrankungen und treibt langfristig den Blutdruck nach oben. Es gibt also mehrere Gründe, den Konsum zu einzugrenzen oder ganz auf Alkohol zu verzichten. Noch wichtiger ist der Verzicht aufs Rauchen, denn Rauchen ist Risikofaktor Nummer 1 für Herzinfarkt und Gefäßerkrankungen.

Ein weiterer wichtiger Faktor, um den Blutdruck langfristig zu senken, ist ausreichende Bewegung: Nicht den Fahrstuhl nehmen, sondern die Treppe, das Auto zugunsten des Fahrrads stehenlassen oder sich ein 10.000-Schritte-Ziel setzen. Zudem helfen gezielte sportliche Aktivität dabei, das Herz-Kreislauf-System zu trainieren und den Blutdruck langfristig zu senken. Ideal sind Ausdauersportarten wie Joggen und Schwimmen, aber auch Radfahren und Nordic Walking. Empfohlen werden mindestens 30 bis 45 Minuten Sport, mehrmals pro Woche.

Medikamente ergänzen die Therapie bei Bedarf

Falls die oben genannten Lebensstiländerungen keine oder keine ausreichenden Effekte zeigen, der Blutdruck also trotz Gewichtsreduktion, gesunder Ernährung, Rauchverzicht und vermehrter körperlicher Aktivität dauerhaft zu hoch ist, können Ärzte und Ärztinnen Blutdrucksenker (Antihypertensiva) verschreiben, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Ramipril. Diese Medikamente lassen sich in verschiedene Wirkstoffklassen einteilen, die an unterschiedlichen Stellen im Körper ansetzen und das Ziel der Senkung des Blutdrucks auf unterschiedliche Weise erreichen. Auch hinsichtlich Neben- und Wechselwirkungen gibt es bedeutsame Unterschiede zwischen den Präparaten.

ACE-Hemmer

ACE-Hemmer (Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmer), beispielsweise mit dem Wirkstoff Ramipril zählen aufgrund der hohen Wirksamkeit und guter Verträglichkeit zu den am häufigsten verordneten Medikamenten zur Behandlung von Bluthochdruck. Sie blockieren die Aktivität eines Enzyms, das an der Bildung des Hormons Angiotensin beteiligt ist, welches durch seine gefäßverengende Wirkung blutdrucksteigernd wirkt. Zu den häufigsten unerwünschten Nebenwirkungen gehören trockener Reizhusten, außerdem Kopfschmerzen, Schwindel und Müdigkeit. Aber auch seltene Schwellungen im Bereich von Gesicht, Lippen und Zunge können auftreten. ACE-Hemmer dürfen nicht während einer Schwangerschaft angewendet werden.

AT1-Rezeptor-Antagonisten

AT1-Rezeptor-Antagonisten (weitere Bezeichnungen für diese Wirkstoffklasse: Sartane, Angiotensin-Antagonisten) wirken ebenfalls auf das blutdrucksteigernde Hormon Angiotensin. Im Gegensatz zu ACE-Hemmern reduzieren sie jedoch nicht dessen Bildung, sondern blockieren dessen Rezeptoren. Das gefäßverengende Angiotensin kann seine Wirkung auf die Blutgefäße nicht entfalten und dadurch wird der Blutdruck gesenkt. Angiotensin-Antagonisten können ähnliche Nebenwirkungen wie ACE-Hemmer haben (Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Reizhusten - tritt wesentlich seltener auf als bei ACE-Hemmern) und sollten ebenfalls nicht von Schwangeren eingenommen werden.

Betablocker

Betarezeptorenblocker, kurz Betablocker, blockieren Beta-Rezeptoren, die für die Aktivierung des Symphatikus des vegetativen Nervensystems zuständig sind.. Dadurch wirken sie der Erhöhung von Blutdruck und Herzfrequenz entgegen, die von einem aktivierten Sympathikus ausgelöst würden. Zu den unerwünschten Nebenwirkungen zählen Gewichtszunahme (vor allem am Anfang der Behandlung), Durchblutungsstörungen und Potenzstörungen. Auch das Risiko für Diabetes erhöht sich. Betablocker werden heute aufgrund anderer, wirksamerer und besser verträglicher Blutdrucksenker wie ACE-Hemmer und AT1-Rezeptor-Antagonisten seltener verschrieben.

Calciumantagonisten

Calciumantagonisten wirken dem Zufluss von Calcium entgegen und haben einen gefäßerweiternden Effekt. Infolgedessen kann sich das Blut in den Gefäßen besser verteilen und der Blutdruck sinkt. Relativ häufige Nebenwirkungen von Calciumantagonisten sind Flush (Gesichtsrötung und Wärmegefühl), Wassereinlagerungen in den Beinen und Magen-Darm-Probleme. Außerdem können diese Blutdrucksenker den Herzschlag verlangsamen oder beschleunigen und sich negativ auf bestimmte Herzrhythmusstörungen auswirken. Sie sind bei bestimmten Herzerkrankungen kontraindiziert.

Diuretika

Diuretika sorgen für eine erhöhte Harnbildung in den Nieren und entwässern den Körper. Als Folge sinkt der Druck in den Blutgefäßen. Allerdings werden mit dem Urin nicht nur Wasser, sondern auch Mineralstoffe ausgeschieden. Insbesondere einen möglichen Kaliummangel sollte man daher bei der Behandlung mit Diuretika im Blick behalten. Eine nicht zu vermeidende Nebenwirkung der entwässernden Medikamente ist der gesteigerte Harndrang. Außerdem kann es zu Mundtrockenheit, Muskelschwäche und einer erhöhten Lichtempfindlichkeit der Haut kommen. Patienten und Patientinnen mit schweren Nierenerkrankungen oder Gicht sollten keine Diuretika einnehmen.

Blutdruck richtig messen und Therapieziele festlegen

Um den Blutdruck langfristig zu senken, sind regelmäßige Selbstmessungen essenziell. Ihr Blutdruck sollte täglich zur selben Zeit gemessen werden, noch besser zweimal täglich (etwa morgens und abends). Die im Handel erhältlichen Blutdruckmessgeräte sind auch für Laien einfach zu bedienen und können üblicherweise mehrere Messwerte speichern. Zur genaueren Kontrolle und Besprechung mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin sollten Sie sich die Werte zusätzlich, versehen mit Datum und Uhrzeit, notieren – entweder schriftlich oder digital. Smartwatches und Fitness Wearables bieten jede Menge komfortabler Dokumentationsmöglichkeiten.

Ziel sollte sein, den Blutdruck unter Werte von 140 (systolisch) und 90 (diastolisch) zu senken. Als optimal gelten Werte unter 130 (systolisch) und 80 (diastolisch). Jedoch können Ärzte und Ärztinnen unter Berücksichtigung der individuellen Lebensumstände und Krankengeschichte von Patienten und Patientinnen auch abweichende Zielbereiche festlegen, die unter oder über den hier genannten Werten liegen können. Hierbei werden Behandelnde die individuellen Risikofaktoren der Betroffenen, insbesondere das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, ebenso abwägen wie die Vor- und Nachteile blutdrucksenkender Medikamente. Regelmäßige Besprechungen mit dem behandelnden Arzt bzw. der behandelnden Ärztin und ggf. Anpassungen der Medikation ergänzen die Messung und Überwachung der Blutdruckwerte. Eine 24-Stunden-Blutdruckmessung kann, sowohl bei Therapiebeginn als auch in deren Verlauf, hilfreich sein. Sie ermöglicht ein besonders genaues Monitoring.

Begleiterkrankungen und Stress nicht unterschätzen

Bluthochdruck geht häufig mit weiteren Grunderkrankungen einher. Zum einen kann Hypertonie andere Erkrankungen begünstigen oder deren Verlauf verschlimmern, zum anderen gibt es verschiedene Krankheiten, die sich negativ auf den Blutdruck auswirken können. Wichtig ist daher, nicht nur den zu hohen Blutdruck, sondern auch alle anderen damit zusammenhängenden Erkrankungen von Patienten und Patientinnen zu behandeln.

Dies gilt in besonderem Maße für Diabetes Typ 2, eine weitverbreitete Volkskrankheit, die eine der Hauptursachen für Arteriosklerose darstellt. Kommt eine Hypertonie hinzu, werden die Blutgefäße noch mehr strapaziert, was wiederum das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall stärker erhöht. Zu hoher Blutdruck und ein zu hoher Blutzucker sind Teil des metabolischen Syndroms und können sich gegenseitig verstärken. Bei Betroffenen sollten daher sowohl die Blutzuckerwerte als auch die Blutdruckwerte engmaschig kontrolliert und ggf. mit Medikamenten auf Normalwerte eingestellt werden. Die gute Nachricht: Änderungen des Lebensstils wie eine gesündere Ernährung, Gewichtsreduktion und mehr sportliche Betätigung wirken sich positiv sowohl auf Diabetes als auch auf Bluthochdruck aus.

Auch Nierenerkrankungen hängen eng mit Hypertonie zusammen – schließlich ist die Niere über die Freisetzung blutdruckregulierender Hormone direkt an einem zu hohen Blutdruck beteiligt. Es kann ein Teufelskreis entstehen: Ist eine erkrankte Niere weniger leistungsfähig, steigt oft der Blutdruck an. Die Hypertonie wiederum kann die Nieren weiter schädigen. Auch wenn anfangs keine Nierenerkrankung besteht, kann das Organ durch einen chronisch zu hohen Blutdruck stark geschädigt werden. Dann erhöht sich das Risiko sowohl für Nierenversagen als auch für Herzinfarkt und Schlaganfall. Wichtig ist es daher, immer auch die Funktion der Niere zu überprüfen und ggf. beide Erkrankungen – den Bluthochdruck und die Nierenerkrankung – zu behandeln. Dabei sollten selbstverständlich die Neben- und Wechselwirkungen der verschiedenen Medikamente im Blick behalten werden, um ungünstige Effekte zu vermeiden.

Nicht unterschätzt werden sollte darüber hinaus der Einfluss von psychischen Belastungen wie etwa Depressionen und Angststörungen auf den Bluthochdruck. Während Panikattacken den Blutdruck situativ in die Höhe treiben, können ständige Angstgefühle und insbesondere chronischer Stress zu dauerhafter Hypertonie führen. Hier gilt es, die Ursachen zu beheben, etwa durch Reduzierung der Arbeitsbelastung, das Erlernen von Entspannungstechniken oder eine Psychotherapie.

Wann eine ärztliche Abklärung wichtig ist

Lassen sich die Blutdruckwerte trotz medikamentöser Behandlung nicht im angestrebten Zielbereich einstellen, sondern bleiben dauerhaft erhöht, ist eine erneute ärztliche Konsultation und gründliche Untersuchung erforderlich. Wenn die Werte unter der Behandlung sogar noch steigen, gilt dies umso mehr. Eventuell muss der Arzt oder die Ärztin die Dosierung des Medikaments erhöhen, ein anderes Medikament verordnen oder verschiedene Antihypertensiva kombinieren, um den gewünschten Erfolg zu erreichen.

Zu hoher Blutdruck ist eine der Hauptursachen für Gefäßerkrankungen und damit für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Zeigen sich Symptome, die auf einen Herzinfarkt hindeuten (wie Engegefühl und/oder Schmerzen in der Brust, bis in den Arm ausstrahlende Schmerzen, Übelkeit) oder als Warnzeichen eines Schlaganfalls gewertet werden können (plötzlich einsetzende heftige Kopfschmerzen, Sehstörungen, Lähmungen, neurologische Ausfälle), sollten Betroffene und Angehörige sofort eine Notaufnahme aufsuchen oder den Rettungsdienst rufen.