Die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Citalopram und Escitalopram zählen zu den am häufigsten eingesetzten Wirkstoffen bei Depressionen und Angststörungen. Trotz ihrer engen Verwandtschaft unterscheiden sie sich in einigen Punkten, etwa bei Dosierung, chemischem Aufbau und Verträglichkeit. Viele Betroffene fragen sich deshalb: Welche Vorteile hat Escitalopram gegenüber Citalopram? Wie unterscheiden sich Wirkung und Nebenwirkungen? Und worauf sollte beim Absetzen geachtet werden?
Citalopram und Escitalopram: Ähnlich, aber nicht identisch
Wer sich näher mit Antidepressiva beschäftigt, stößt schnell auf die Namen Citalopram und Escitalopram. Die Wirkstoffe sind eng miteinander verwandt und werden bei ähnlichen Erkrankungen eingesetzt. Dennoch gibt es Unterschiede, die einen genaueren Blick lohnen.
Wie Citalopram und Escitalopram wirken
Wie alle SSRI beeinflussen Citalopram und Escitalopram den Botenstoff Serotonin im Gehirn. Er trägt insbesondere zu Stimmung, Angstempfinden und emotionalem Gleichgewicht bei. Beide Wirkstoffe sorgen dafür, dass Serotonin länger zwischen den Nervenzellen verfügbar bleibt. Dadurch können sich depressive Symptome sowie Angst- und Belastungssymptome im Laufe der Behandlung schrittweise verbessern.
Warum sich die Dosierung unterscheidet
Citalopram und Escitalopram unterscheiden sich deutlich in ihren Dosierungen. In der Praxis gelten 10 mg Escitalopram als ungefähr vergleichbar mit 20 mg Citalopram. Entsprechend werden 20 mg Escitalopram mit 40 mg Citalopram gleichgesetzt.
Dieser Unterschied hängt mit dem Aufbau der Wirkstoffe zusammen. Citalopram besteht aus zwei spiegelbildlichen Molekülformen, sogenannten Enantiomeren. Escitalopram enthält dagegen nur eine dieser beiden Formen – nämlich den Bestandteil, der hauptsächlich für die antidepressive Wirkung verantwortlich ist. Dadurch reicht oft bereits eine geringere Wirkstoffmenge aus, um eine vergleichbare Wirkung zu erzielen.
Nebenwirkungen von Citalopram und Escitalopram
Nicht nur die Wirkung, sondern auch die Verträglichkeit spielt bei der Wahl eines Antidepressivums eine wichtige Rolle. Citalopram und Escitalopram gelten als vergleichsweise gut verträglich. Wie die Behandlung vertragen wird und welche Beschwerden auftreten können, unterscheidet sich jedoch sehr individuell.
Welche Nebenwirkungen häufiger auftreten können
Die Nebenwirkungen von Escitalopram und Citalopram ähneln sich stark. Besonders zu Beginn der Behandlung treten häufiger Beschwerden auf wie:
Viele dieser Symptome bessern sich wieder, sobald sich der Körper an das Medikament angepasst hat.
Sexuelle Funktionsstörungen unter der Behandlung
Wie andere SSRI können auch Citalopram und Escitalopram das sexuelle Empfinden beeinflussen. Möglich sind eine verminderte Lust auf Sexualität, Erektionsstörungen oder Schwierigkeiten beim Orgasmus. Wer solche Veränderungen bemerkt, sollte das Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin suchen.
Warum die ersten Wochen besonders wichtig sind
Gerade in den ersten Behandlungswochen können sich Symptome vorübergehend verstärken. Teilweise berichten Patienten und Patientinnen zunächst über mehr innere Unruhe, stärkere Ängste oder eine Verschlechterung der Stimmung, bevor die eigentliche Wirkung einsetzt.
In seltenen Fällen können insbesondere zu Beginn der Behandlung oder nach einer Dosiserhöhung Suizidgedanken neu auftreten oder sich verstärken. Das Risiko betrifft vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis etwa 25 Jahre. Veränderungen der Stimmung oder des Verhaltens sollten deshalb zeitnah ärztlich besprochen werden.
Wo liegen mögliche Unterschiede in Wirkung und Verträglichkeit?
Escitalopram wird inzwischen häufiger verschrieben als Citalopram. Gründe dafür können individuelle Unterschiede bei Wirksamkeit, Wirkungseintritt und Herzverträglichkeit sein.
Leichte Unterschiede bei der Wirksamkeit
Einige Studien deuten auf leichte Vorteile von Escitalopram gegenüber Citalopram hin. Dabei geht es vor allem um das Ansprechen auf die Behandlung und die Besserung depressiver Symptome. Die Unterschiede fallen insgesamt jedoch eher gering aus und lassen sich nicht auf alle Menschen übertragen. Beide Wirkstoffe gelten als wirksame Behandlungsoptionen bei Depressionen und Angststörungen.
Hinweise auf einen früheren Wirkungseintritt
Gerade zu Beginn der Behandlung wünschen sich viele Betroffene eine möglichst schnelle Besserung ihrer Beschwerden. Antidepressiva wirken allerdings nicht sofort. Bis sich Stimmung, Antrieb oder Angstbeschwerden spürbar verbessern, vergehen häufig zwei bis vier Wochen, manchmal auch länger. Hintergrund ist, dass sich die Veränderungen an den Nervenzellen erst nach und nach entwickeln.
Ob Escitalopram schneller wirkt als Citalopram, wurde in mehreren Studien, wie dieser von Gorman et al., untersucht. Dabei zeigten sich teilweise leichte Vorteile für Escitalopram. Die Unterschiede fielen insgesamt jedoch auch hier eher gering aus.
Vorteile bei der Herzverträglichkeit
Ein wichtiger Unterschied zwischen beiden Wirkstoffen betrifft die sogenannte QT-Zeit im EKG. Dabei handelt es sich um einen bestimmten Abschnitt des Herzschlags, der im EKG sichtbar wird. Citalopram kann diese Zeit dosisabhängig verlängern. Dadurch steigt bei höheren Dosierungen das Risiko bestimmter Herzrhythmusstörungen.
Auch Escitalopram kann die QT-Zeit verlängern. Dieser Effekt fällt im Allgemeinen jedoch geringer aus als unter Citalopram. Deshalb gelten für Citalopram heute strengere Höchstdosierungen – besonders bei älteren Patienten und Patientinnen, bestehenden Herzerkrankungen oder anderen Medikamenten mit Einfluss auf die Herzrhythmik.
Was passiert beim Absetzen von Citalopram oder Escitalopram?
Früher oder später stellt sich für viele Betroffene die Frage, was beim Beenden der Behandlung zu beachten ist. Beide Wirkstoffe sollten nicht abrupt abgesetzt werden, da dabei sogenannte Absetzsymptome auftreten können. Sie sind jedoch kein Zeichen einer Abhängigkeit oder Sucht. Sie entstehen, weil sich das Gehirn nach längerer Einnahme zunächst wieder an die veränderten Bedingungen anpassen muss.
Welche Beschwerden beim Absetzen auftreten können
Wie stark solche Beschwerden auftreten, unterscheidet sich von Person zu Person. Einfluss haben die Höhe der Dosierung, die Dauer der Behandlung und wie schnell die Dosis reduziert wird.
Mögliche Absetzsymptome sind zum Beispiel:
innere Unruhe
Angstgefühle
grippeähnliche Beschwerden
kurze stromschlagartige Empfindungen im Kopf, oft als „Brain Zaps“ bezeichnet
Ein Teil der Betroffenen erlebt außerdem, dass frühere Beschwerden wie Angst, Unruhe oder depressive Symptome vorübergehend wieder stärker wahrgenommen werden.
Warum das Ausschleichen so wichtig ist
Um Absetzsymptome möglichst zu vermeiden, wird die Dosis in der Regel schrittweise reduziert. Wie langsam dieses „Ausschleichen“ erfolgen sollte, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Während einige Patienten und Patientinnen auch größere Dosisschritte gut vertragen, reagieren andere bereits auf kleine Veränderungen empfindlich. Deshalb sollte das Absetzen immer gemeinsam mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin geplant werden.
Wie läuft ein Wechsel zwischen Citalopram und Escitalopram ab?
Da beide Wirkstoffe eng miteinander verwandt sind, kann ein Wechsel häufig ohne längere Übergangsphase erfolgen. Die konkrete Vorgehensweise richtet sich jedoch immer nach der bisherigen Dosierung, Begleiterkrankungen und weiteren eingenommenen Medikamenten.
Ein langsames Ausschleichen wie beim vollständigen Absetzen eines Antidepressivums ist dabei häufig nicht notwendig. Weil Citalopram und Escitalopram sehr ähnlich wirken, treten ausgeprägte Absetzsymptome beim Wechsel meist nicht auf.
Dennoch verläuft nicht jede Umstellung gleich. Faktoren wie die bisherige Dosierung, die Dauer der Behandlung oder andere Medikamente können beeinflussen, wie gut der Wechsel vertragen wird. Deshalb sollte die Umstellung stets ärztlich begleitet werden.
Citalopram oder Escitalopram: Welcher Wirkstoff passt besser?
Citalopram und Escitalopram gehören beide zu den etablierten Medikamenten bei Depressionen und Angststörungen.
Escitalopram wird heute häufig bevorzugt, da es die QT-Zeit im EKG tendenziell weniger beeinflusst. Dennoch kann auch Citalopram für viele Betroffene eine gut geeignete und wirksame Therapie darstellen. Welcher Wirkstoff besser geeignet ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Frühere Erfahrungen mit Antidepressiva, Begleiterkrankungen und mögliche Wechselwirkungen spielen bei der Auswahl eine wichtige Rolle.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Citalopram und Escitalopram
Ist Escitalopram stärker als Citalopram?
Escitalopram enthält nur den Wirkstoffanteil von Citalopram, der hauptsächlich für die antidepressive Wirkung verantwortlich ist. Deshalb erreicht Escitalopram bereits in niedrigeren Dosierungen eine vergleichbare Wirkung. Einige Studien deuten leichte Vorteile für Escitalopram an, insgesamt sprechen jedoch viele Menschen auf beide Wirkstoffe gut an.
Warum unterscheiden sich die Dosierungen so deutlich?
Die Dosierungen lassen sich nicht direkt miteinander vergleichen. Während Citalopram häufig mit 20 oder 40 mg verordnet wird, liegen typische Dosierungen bei Escitalopram eher bei 10 oder 20 mg. Hintergrund ist der unterschiedliche chemische Aufbau der Wirkstoffe.
Machen Citalopram oder Escitalopram abhängig?
Die Medikamente gelten nicht als klassische Suchtmittel. Es entsteht also normalerweise kein zwanghaftes Verlangen wie etwa bei Beruhigungsmitteln oder Alkohol. Beim plötzlichen Absetzen können allerdings Absetzsymptome auftreten, weshalb die Dosis meist langsam reduziert wird.
Kann man während der Therapie Auto fahren?
Besonders zu Beginn der Behandlung oder nach Dosiserhöhungen können Müdigkeit, Schwindel oder Konzentrationsprobleme auftreten. Deshalb sollte zunächst vorsichtig geprüft werden, wie gut das Medikament vertragen wird.
Warum wird häufig Escitalopram statt Citalopram verschrieben?
Ein möglicher Grund ist das geringere Risiko für dosisabhängige QT-Verlängerungen im EKG. Zudem deuten einige Studien auf leichte Vorteile bei Wirksamkeit oder Wirkungseintritt hin. Im klinischen Alltag können jedoch beide Wirkstoffe eine geeignete Behandlungsoption sein.
Kann man unter den Medikamenten zunehmen?
Gewichtsveränderungen sind möglich, fallen aber von Person zu Person unterschiedlich aus. Ein Teil der Betroffenen nimmt leicht zu, andere verlieren eher Gewicht oder bemerken gar keine Veränderung.
Wie lange muss man Citalopram oder Escitalopram einnehmen?
Die Dauer der Behandlung hängt von der Erkrankung, dem Verlauf und früheren Episoden ab. Häufig empfehlen Ärzte und Ärztinnen, das Medikament auch nach einer Besserung noch mehrere Monate weiter einzunehmen, um Rückfälle zu vermeiden.
