Unter dem Begriff der Fehlsichtigkeit wird eine Vielzahl von Abweichungen im Sehorgan bezeichnet, die zu einem unscharfen oder verschobenen Seheindruck führen. Man unterscheidet die Kurzsichtigkeit (Myopie), die Weitsichtigkeit (Hyperopie) und die Stabsichtigkeit (Astigmatismus oder Hornhautverkrümmung).
Die Voraussetzung für ein scharfes Sehbild ist das richtige Verhältnis der Brechkraft von Hornhaut und Linse zur Länge des Augapfels. Die einfallenden Lichtstrahlen werden von der Hornhaut und Linse so gebündelt, dass sie sich in einem Punkt auf der Netzhaut treffen. Wenn der Augapfel zu lang oder zu kurz ist, wird das Licht vor oder hinter der Netzhaut gebündelt und es resultiert ein unscharfes Bild. Bei der Kurzsichtigkeit ist der Augapfel zu lang und weit entfernte Gegenstände können nur unscharf abgebildet werden während die Brechkraft bei nahe Gegenstände so angepasst werden kann, dass scharf gesehen wird. Bei der Weitsichtigkeit ist der Augapfel zu kurz und nahe Gegenstände erscheinen unscharf während weit entfernte Gegenstände durch Anpassung der Brechkraft scharf anzusehen sind. In seltenen Fällen ist auch eine zu starke oder zu schwache Brechung von Hornhaut oder Linse für eine Fehlsichtigkeit verantwortlich, was allerdings bei weitem nicht so häufig ist, wie ein Kurz- oder Langbau des Augapfels.
Bei Kurzsichtigkeit ist die Brechkraft des Auges zu groß im Verhältnis zum Augapfel und eine Korrektur ist durch eine Verringerung der Brechkraft möglich. Dies geschieht durch Minusgläser, Kontaktlinsen oder eine Laserbehandlung, bei der die Hornhaut abgeflacht wird.
Bei Weitsichtigkeit ist die Brechkraft des Auges zu gering im Verhältnis zum Augapfel und eine Korrektur ist durch eine Stärkung der Brechkraft möglich. Dies geschieht durch Plusgläser, Kontaktlinsen oder eine Laserbehandlung, bei der die Hornhautkrümmung verstärkt wird. Da man keine Hornhaut hinzufügen kann geschieht dies, indem man im Außenbereich Hornhaut abträgt.
Die gängigsten Methoden zur Laserbehandlung einer Kurz- oder Weitsichtigkeit sind die PRK (Photorefraktive Keratektomie) und die LASIK (Laser-in-situ-Keratomileusis). Beide verwenden einen speziellen Laser, der im UV-Bereich bei 192 nm arbeitet und als Excimer-Laser bezeichnet wird. Es handelt sich um einen operativen Eingriff, der bei geringen Fehlsichtigkeiten nicht ohne weiteres gerechtfertigt ist, da auch diese modernen Techniken mit Risiken einhergehen. Ein mit Laser behandelter Kurzsichtiger braucht im späteren Leben aufgrund der Alterssichtigkeit eine Lesebrille, während gering oder mittelgradig Kurzsichtige auch in hohem Alter ohne Brille lesen können.
PRK
Bei Kurzsichtigkeit: Die Oberfläche der Hornhaut wird durch schichtweises Abtragen mit dem Excimer-Laser abgeflacht. Dies führt zu einer Verringerung der Brechkraft des Auges und bewirkt, dass die einfallenden Lichtstrahlen weiter hinten gebündelt werden entsprechend dem zu langen Augapfel des Kurzsichtigen und damit auf der Netzhaut abgebildet werden und scharf erscheinen. Eine Korrektur mit dieser Methode ist bei Kurzsichtigkeit mittleren Grades von-2 bis -6 Dioptrien möglich.
Zuerst wird das Hornhautepithel (Deckschickt über der Hornhaut) abgeschabt und anschließend wird die Hornhautoberfläche entsprechend der nötigen Korrektur modelliert. Zur Abflachung der Hornhaut muss im Zentrum mehr Hornhaut abgetragen werden als in den Außenbereichen. Dadurch entsteht zentral oft ein großer Hornhautdefekt, der zu einer Hornhautvernarbung führen kann im Rahmen des an den Eingriff einsetzenden Heilungsprozesses. Um dies zu verhindern ist eine vorübergehende Behandlung mit kortisonhaltigen Augentropfen notwendig. Bis eine neue Epithelschicht (Deckschickt) über die abgetragene Hornhaut gewachsen ist im Rahmen des Heilungsprozesses hat der Patient Schmerzen aufgrund der freiliegenden Hornhautnerven. Eine spezielle Kontaktlinse, die nach der Operation getragen wird verringert diese Schmerzen.
Eine Variante dieser Methode ist die sogenannte LASEK, die auch EpiLASIK genannt wird, bei der die Epithelschicht nicht entfernt sondern zurückgeklappt wird und anschließend wieder aufgeschoben werden kann. Durch dieses Verfahren haben die Patienten weniger Schmerzen nach der Operation.
Bei Weitsichtigkeit:
Die Hornhautoberfläche muss zentral eine stärkere Wölbung erhalten, was durch eine ringförmige Abtragung der Hornhaut um das Zentrum geschieht. Oftmals füllt sich die Grube am Außenrand der Hornhaut im weiteren Verlauf wieder mit Hornhautepithel (Deckschicht) auf und durch den Lidschlag kann auf Dauer die Grube abgeflacht werden, was einen Rückgang der durch die Operation erwirkte Sehverbesserung bedeutet. Aus diesem Grund ist diese Operation nur bei geringer Weitsichtigkeit bis +4 Dioptrien zu empfehlen und wird generell selten angewandt.
LASIK
Die Laser-in-situ-Keratomileusis kann zur Korrektur einer stärkeren Fehlsichtigkeit eingesetzt werden. Möglich ist eine Behandlung einer Kurzsichtigkeit bis zu -8 Dioptrien, einer Weitsichtigkeit bis 4 Dioptrien und einer Stabsichtigkeit (Hornhautverkrümmung) bis 6 Dioptrien.
Bei diesem Verfahren wird vorerst ein sehr dünner Schnitt durch die Hornhautoberfläche mit einem Präzisionsmesser durchgeführt, welcher nicht ganz bis ans Ende der gegenüberliegenden Seite reicht, damit das Hornhautstück nicht komplett abgeschnitten ist. Die entstehende Hornhautlamelle (flap) wird zurückgeklappt und die Abtragung der darunter liegenden Hornhautschicht mit dem Excimer-Laser kann beginnen. Je nachdem welche Fehlsichtigkeit ausgeglichen werden soll wird eine Abflachung, eine stärkere Wölbung oder ein Ausgleich einer bestehenden Verkrümmung der Hornhaut bewirkt. Anschließend wird die Hornhautlamelle wieder zurückgeklappt, die durch den nach innen gerichteten Flüssigkeitssog sofort wieder fest anhaftet und auch durch Lidschlag nicht mehr verschoben werden kann.
Der Vorteil dieser Methode ist, dass Narben sehr viel seltener als bei einer PRK entstehen, der Behandelte sehr schnell beschwerdefrei ist und die volle Sehschärfe innerhalb von wenigen Tagen erreicht wird. Durch den Hornhautschnitt handelt es sicher trotzdem um das Verfahren mit dem größeren Risiko für Schnittfehler, Infektionen und Epitheleinwachsungen. Diese sind allerdings sehr selten.
Quellen:
- Grehn, Franz: Augenheilkunde. 30. Auflage. Heidelberg: Springer, 2008
- Sachsenweger, Matthias: Augenheilkunde. 2. Auflage. Stuttgart: Thieme, 2003
Verfasserin:
Judith Kroll