Lentigo maligna (Vorstufe eines Melanoms; „Melanoma in situ“ vom Lentigo-maligna-Typ) – Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung
Lentigo maligna ist eine frühe Form von schwarzem Hautkrebs (Melanom), bei der die veränderten Pigmentzellen (Melanozyten) noch auf die Oberhaut (Epidermis) begrenzt sind. Sie entsteht meist auf langjährig sonnengeschädigter Haut, besonders im Gesicht, und wächst häufig sehr langsam über Jahre. Die Stelle wirkt oft wie ein unregelmäßig gefärbter, größer werdender „Pigmentfleck“ und kann anfangs leicht mit harmlosen Altersflecken verwechselt werden.
Wird die Veränderung nicht vollständig entfernt, kann sie in einen invasiven Tumor übergehen, dann spricht man von einem Lentigo-maligna-Melanom (engl. lentigo maligna melanoma). Weil eine sichere Unterscheidung von gutartigen Pigmentflecken ohne fachärztliche Untersuchung nicht möglich ist, sollte jede auffällige, sich verändernde Pigmentläsion dermatologisch abgeklärt werden.
Dieser Beitrag dient der medizinischen Orientierung und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Eine(n) entsprechende(n) Arzt oder Ärztin finden Sie in unserer Arztsuche.
Definition: Was ist Lentigo maligna?
Lentigo maligna ist ein Melanom in situ: „in situ“ bedeutet, dass die Tumorzellen (hier: atypische Melanozyten) noch nicht in tiefere Hautschichten eingedrungen sind. Damit hat Lentigo maligna für sich genommen kein Metastasenpotenzial, kann aber im Verlauf invasive Anteile entwickeln. Sobald Tumorzellen in die Lederhaut (Dermis) einwachsen, spricht man von einem Lentigo-maligna-Melanom.
Betroffen sind überwiegend sonnenexponierte Areale – vor allem Gesicht (Wangen, Nase, Stirn), seltener Kopfhaut, Ohren und Hals. Das Wachstum ist häufig langsam und schleichend, wodurch Lentigo maligna oft erst spät als potenziell gefährlich erkannt wird.
Andere Namen und medizinische Bezeichnungen von Lentigo maligna
- Melanom in situ (Lentigo-maligna-Typ)
- präinvasives Melanom (umgangssprachlich, medizinisch präziser ist „Melanom in situ“)
- Lentigo-maligna-Melanom (nur wenn bereits invasiv, engl. lentigo maligna melanoma)
Womit Lentigo maligna verwechselt werden kann
Pigmentierte Veränderungen im Gesicht sind häufig und können ähnlich aussehen. Häufige Abgrenzungen (Differenzialdiagnosen) sind:
- Solarer Lentigo / Altersfleck (meist gleichmäßiger gefärbt, weniger dynamisch)
- Seborrhoische Keratose („Alterswarze“, oft wachsig/„aufgeklebt“ wirkend)
- Pigmentierte aktinische Keratose (Vorstufe eines hellen Hautkrebses)
- Melanozytärer Nävus („Muttermal“)
- Superfiziell spreitendes Melanom (anderer Melanomtyp)
Die Unterscheidung gelingt oft erst durch Dermatoskopie (Auflichtmikroskopie) und vor allem durch Gewebeuntersuchung (Histopathologie).
Symptome von Lentigo maligna
Lentigo maligna verursacht häufig keine klassischen „Schmerzen“ oder Allgemeinsymptome. Typisch sind vor allem sichtbare Hautveränderungen:
- langsam größer werdender flacher Fleck (oft > 6 mm, teils mehrere Zentimeter)
- unregelmäßige Begrenzung und Form
- Farbvielfalt innerhalb der Läsion (hell- bis dunkelbraun, teils rötlich, grau, weißlich)
- Veränderung im Verlauf („Evolving“), z. B. dunklere Bereiche oder neue Farbtöne
Warnzeichen für mögliche Invasion (Verdacht auf Lentigo-maligna-Melanom):
- neu auftretende Verdickung/Knoten in einem Teil der Stelle
- blau-schwarze Areale
- Ulzeration, Nässen oder Blutung
- anhaltender Juckreiz oder Brennen
Bei solchen Veränderungen ist eine rasche ärztliche Abklärung erforderlich.
Ursachen und Risikofaktoren von Lentigo maligna
Als wichtigste Einflussgröße gilt chronische UV-Strahlung über viele Jahre. Lentigo maligna tritt häufiger auf bei:
- höherem Lebensalter
- langjähriger Sonnenexposition, z. B. bei Outdoor-Arbeit oder intensiver Freizeitexposition
- heller Haut (Fitzpatrick I–II, grundsätzlich aber auch bei anderen Hauttypen möglich)
- deutlich sonnengeschädigter Haut (z. B. „Sonnenfelder“, Elastose) und ggf. weiteren UV-assoziierten Hauttumoren
Warum einzelne Zellen entarten, lässt sich im Einzelfall nicht sicher erklären. Beteiligt sind meist UV-bedingte DNA-Schäden und weitere genetische Veränderungen.
Diagnose von Lentigo maligna
Die Abklärung erfolgt in der Regel durch Dermatologen oder Dermatologinnen.
typische Schritte:
- Anamnese und klinische Untersuchung: seit wann besteht der Fleck, Wachstum, Veränderungen, Blutung, Juckreiz, Sonnenexposition.
- Dermatoskopie (Auflichtmikroskopie): hilft, typische Muster zu erkennen und Lentigo maligna von anderen pigmentierten Läsionen zu unterscheiden. Im Gesicht ist die Beurteilung oft anspruchsvoll, weil chronische Sonnenschäden, andere pigmentierte Veränderungen und die besondere Struktur der Gesichtshaut die Abgrenzung erschweren.
- Biopsie/Exzision und Histopathologie: Die Gewebeuntersuchung ist entscheidend. Wenn möglich, wird die Läsion diagnostisch komplett entfernt (Exzisionsbiopsie). Bei sehr großen oder ungünstig gelegenen Läsionen können gezielte oder mehrere Teilbiopsien nötig sein – sie können jedoch invasive Anteile verpassen.
- Zusatzverfahren (je nach Zentrum): z. B. konfokale Laserscanmikroskopie zur besseren Randbeurteilung vor einer Operation.
Die Histopathologie klärt, ob es sich um Lentigo maligna (in situ) handelt oder bereits invasive Anteile vorliegen (Lentigo-maligna-Melanom).
Behandlung von Lentigo maligna
Die Therapie richtet sich nach Ausdehnung, Lokalisation (v. a. Gesicht), Alter und Begleiterkrankungen sowie nach der Frage, ob invasive Anteile vorliegen.
1) operative Entfernung (Standardverfahren)
- Ziel ist die vollständige Entfernung mit histologischer Kontrolle.
- Für Melanome in situ ist in vielen Leitlinien ein Sicherheitsabstand von etwa 5 mm etabliert. Bei schwer abgrenzbaren, diskontinuierlich wachsenden Läsionen können 5–10 mm vertretbar sein.
- Im Gesicht und an anderen „Problemlokalisationen“ kann eine mikroskopisch kontrollierte Chirurgie (z. B. stufenweise Exzision/„Slow Mohs“ mit Randkontrolle) sinnvoll sein, um gesundes Gewebe zu schonen und trotzdem vollständige Tumorfreiheit zu erreichen.
2) Strahlentherapie (Alternative bei nicht möglicher Operation)
- Wenn eine Operation aufgrund von Ausdehnung, Lage oder Allgemeinzustand nicht geeignet ist, kann eine primäre Radiotherapie in Betracht kommen (insbesondere bei Lentigo-maligna-Melanomen, in der Praxis teils auch bei ausgedehnter Lentigo maligna).
- Die Evidenz basiert überwiegend auf Fallserien, in spezialisierten Zentren wurden hohe lokale Kontrollraten berichtet.
3) weitere Verfahren
- Topisches **Imiquimod** wird in manchen Situationen eingesetzt, wenn Operation nicht möglich oder sehr entstellend wäre. Wirksamkeit und Rückfallraten sind uneinheitlich. Eine engmaschige Kontrolle und häufig eine histologische Sicherung sind wichtig.
- Verfahren wie Kryotherapie oder Laser werden in einzelnen Fällen diskutiert, gelten aber im Vergleich zur vollständigen Exzision meist als weniger sicher (Rezidivrisiko).
Welche Methode geeignet ist, entscheidet das behandelnde Team. Wichtig ist anschließend eine regelmäßige Hautkontrolle (Nachsorge), weil nach einem Melanom in situ das Risiko für weitere Melanome erhöht sein kann.
Verlauf, Dauer und Prognose bei Lentigo maligna
Lentigo maligna wächst meist sehr langsam und kann sich über Jahre bis Jahrzehnte ausdehnen. In einem Teil der Fälle entstehen im Verlauf invasive Tumoranteile. Dann liegt ein Lentigo-maligna-Melanom vor, das – wie andere invasive Melanome – in die Tiefe wachsen und metastasieren kann.
Wird Lentigo maligna vollständig entfernt, ist die Prognose in der Regel sehr gut. Rückfälle (Rezidive) sind möglich, besonders bei großen Läsionen im Gesicht oder wenn die Ränder schwer zu beurteilen sind – deshalb sind Randkontrolle und Nachsorge wichtig.
Häufige Fragen zu Lentigo maligna
Was ist Lentigo maligna?
Lentigo maligna ist ein Melanom in situ: bösartig veränderte Pigmentzellen sind auf die Oberhaut begrenzt und haben noch keine Möglichkeit zu streuen.
Ist Lentigo maligna bösartig?
Ja, Lentigo maligna entspricht einer Frühform von schwarzem Hautkrebs. „In situ“ bedeutet jedoch, dass noch kein invasives Wachstum vorliegt.
Kann sich Lentigo maligna zu einem Lentigo-maligna-Melanom entwickeln?
Ja. Wenn Tumorzellen in tiefere Hautschichten einwachsen, wird aus Lentigo maligna ein Lentigo-maligna-Melanom (engl. lentigo maligna melanoma).
Wie erkennt man Lentigo maligna?
Typisch ist ein langsam größer werdender, unregelmäßig begrenzter Fleck mit wechselnder Färbung – häufig im Gesicht. Sicher beurteilen lässt sich das nur durch Hautärztinnen/Hautärzte und eine Gewebeuntersuchung.
Wie wird Lentigo maligna diagnostiziert?
Meist durch Untersuchung der Haut (inkl. Dermatoskopie) und anschließende Biopsie bzw. Entfernung mit histologischer Untersuchung.
Wie wird Lentigo maligna behandelt?
Standard ist die vollständige operative Entfernung mit Randkontrolle. In ausgewählten Situationen kommen strahlentherapeutische oder topische Verfahren als Alternative infrage.
Muss Lentigo maligna immer operiert werden?
Eine Operation ist in der Regel die sicherste Methode. Wenn sie nicht möglich ist, werden Alternativen (z. B. Strahlentherapie, off-label Imiquimod) individuell abgewogen.
Kann Lentigo maligna streuen?
Solange die Erkrankung in situ ist, nicht. Ein Streuungsrisiko entsteht erst, wenn invasive Anteile (Lentigo-maligna-Melanom) vorliegen.
Wie lange dauert Lentigo maligna?
Oft wächst sie über Jahre langsam. Die Dauer bis zur Diagnose variiert stark, weil sie anfangs harmlos wirken kann.
Ist Lentigo maligna ansteckend?
Nein. Lentigo maligna ist nicht infektiös und wird nicht übertragen.
Quellen
Autor
Elisabeth Maußner ist studierte Journalistin und schreibt bei der ärzte.de MediService GmbH & Co. KG seit 2017 zu medizinischen Themen. Ihr Ziel: komplexe Zusammenhänge und wissenschaftliche Hintergründe einfach und für jeden verständlich auszudrücken. Die erfahrene Autorin hat bereits über 400 Artikel zu Gesundheits- und Medizinthemen verfasst, die u.a. auf aerzte.de, sanego.de und arzttermine.de veröffentlicht wurden.
Außerdem durfte sie Erfahrung beim Radio und beim Produzieren von Videos sammeln.
Persönlich interessiert sie sich insbesondere für Kinder- und Frauengesundheit, eine ausgewogene, intuitive Ernährung und die Digitalisierung im Gesundheitswesen.