Krätze (Skabies, Scabies) – Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung
Krätze ist eine ansteckende Hauterkrankung, die durch die Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei var. hominis) ausgelöst wird. Die medizinische Bezeichnung lautet Skabies, englisch heißt die Erkrankung scabies. Typisch sind starker Juckreiz – häufig nachts – und ein juckender Hautausschlag, der je nach Person unterschiedlich aussehen kann. Die Beschwerden entstehen vor allem durch eine Immunreaktion auf Milben, Eier und Ausscheidungen in der obersten Hautschicht.
Krätze ist gut behandelbar, erfordert aber eine konsequente Therapie der betroffenen Person und enger Kontaktpersonen, damit es nicht zu Wiederansteckungen kommt. Bei bestimmten Risikogruppen kann eine schwere Form auftreten (Skabies crustosa/Borkenkrätze), die besonders ansteckend ist und deshalb möglichst schnell behandelt werden sollte.
Dieser Beitrag dient der medizinischen Orientierung und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Eine(n) entsprechende(n) Arzt oder Ärztin finden Sie in unserer Arztsuche.
Definition: Was ist Krätze?
Krätze ist ein Milbenbefall (Ektoparasitose) der Haut. Die medizinische Bezeichnung lautet Skabies. Weibliche Krätzmilben bohren feine Gänge in die oberste Hautschicht (Hornschicht), legen dort Eier ab und verursachen dadurch eine Entzündungs- und Abwehrreaktion. Krätze betrifft in erster Linie die Haut und kann durch Kratzen zu zusätzlichen Hautschäden und bakteriellen Infektionen führen.
Andere Namen und medizinische Bezeichnungen von Krätze
- Skabies: medizinische Bezeichnung für Krätze.
- Scabies: englischer Begriff.
- klassische Skabies: typische Form der Krätze mit relativ geringer Milbenzahl.
- Skabies crustosa (scabies crustosa, auch Borkenkrätze, teils „norwegische Krätze“): schwere Form mit sehr hoher Milbenzahl und dicken, schuppig-krustigen Hautveränderungen.
Womit Krätze verwechselt werden kann
Krätze kann einem unspezifischen Ekzem oder anderen juckenden Hauterkrankungen ähneln. Häufige Verwechslungen sind:
Eine ärztliche Abklärung ist besonders wichtig, wenn mehrere Personen im selben Haushalt Jucken verspüren oder wenn Behandlungsversuche ohne klare Diagnose nicht helfen.
Symptome von Krätze
Die Beschwerden können variieren. Nicht alle Symptome müssen gleichzeitig auftreten.
Typische Symptome von Krätze
- starker Juckreiz (Pruritus), oft nachts oder bei Wärme stärker
- juckender Hautausschlag: kleine rote Knötchen (Papeln), teils Bläschen, Kratzspuren, Krusten
- Milbengänge: feine, kurze, geschlängelte Linien in der Haut, manchmal mit einem kleinen Punkt am Ende
- skabiöse Knoten (Noduli): juckende Knoten, z. B. an Genitalregion, Leisten oder Achseln – können länger bestehen
Typische Körperstellen
Bei Erwachsenen häufig:
- zwischen den Fingern, an Handgelenken, Ellenbogenbeugen
- Achseln, Brustwarzenregion
- Bauch, Umgebung des Bauchnabels, Gesäß
- Leisten und Genitalregion
Bei Säuglingen und kleinen Kindern können zusätzlich Kopfhaut, Gesicht, Hals, Handflächen und Fußsohlen betroffen sein.
Warnzeichen: Wann rasch ärztliche Hilfe nötig ist
- Verdacht auf Skabies crustosa/Borkenkrätze (ausgedehnte, dicke Schuppen oder Krusten, teils weniger Juckreiz trotz schwerem Befall)
- Fieber, starke Rötung, Überwärmung, Schmerzen oder Eiter: Hinweis auf bakterielle Zusatzinfektion
- Der Verdacht besteht bei Säuglingen, Schwangeren, älteren Menschen, immunsupprimierten Personen oder in Pflege- und Gemeinschaftseinrichtungen
Ursachen und Risikofaktoren von Krätze
Ursache
Auslöser ist die Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei var. hominis), die von Mensch zu Mensch übertragen wird.
Risikofaktoren
- längerer, enger Hautkontakt (z. B. im Haushalt oder bei enger Pflege)
- Gemeinschaftseinrichtungen: Kitas, Schulen, Pflegeeinrichtungen, Gemeinschaftsunterkünfte
- Immunsuppression oder bestimmte Grunderkrankungen erhöhten das Risiko für Skabies crustosa
Übertragung und Ansteckung von Krätze
Krätze wird überwiegend durch direkten Haut-zu-Haut-Kontakt übertragen. Häufig ist ein länger dauernder Kontakt nötig. Bei Skabies crustosa kann die Ansteckungsgefahr deutlich höher sein.
Ist Krätze ansteckend?
Ja. Krätze kann auch vor dem Auftreten typischer Beschwerden übertragen werden. Nach korrekt durchgeführter erster Behandlung sind Erkrankte in der Regel nicht mehr ansteckend. Bei Skabies crustosa ist oft eine wiederholte beziehungsweise kombinierte Therapie nötig.
Hinweis zu Haustieren: Krätze bei Menschen wird durch eine an den Menschen angepasste Milbenvariante verursacht. Haustiere sind davon deshalb in der Regel nicht betroffen. Auch umgekehrt gilt Tiermilben können zwar vorübergehend Hautreizungen bei Menschen auslösen, verursachen aber in der Regel keine anhaltende menschliche Krätze.
Krätze-Inkubationszeit
Die Inkubationszeit (Zeit von Ansteckung bis Symptombeginn) ist variabel:
- Bei Erstbefall treten Symptome häufig erst nach mehreren Wochen auf (oft etwa 2–6 Wochen).
- Bei erneuter Ansteckung können Beschwerden deutlich schneller beginnen (teils innerhalb weniger Tage), weil das Immunsystem bereits vorbereitet ist.
Diagnose von Krätze
Die Diagnose erfolgt durch medizinisches Fachpersonal, meist in der Hausarztpraxis oder Dermatologie.
Typische Bausteine sind:
- Anamnese: Juckreiz, betroffene Stellen, Kontakt zu Personen mit ähnlichen Beschwerden, Umfeld (Haushalt oder Gemeinschaftseinrichtung)
- körperliche Untersuchung: Verteilungsmuster des Ausschlags, Kratzspuren, typische Milbengänge
- spezielle Nachweise (bei Bedarf):
- Dermatoskopie (Auflichtmikroskopie) zum Erkennen typischer Zeichen am Milbengang
- Hautgeschabsel oder Abstrich und mikroskopischer Nachweis von Milben, Eiern oder Kot
Gerade bei wenigen Hautveränderungen oder bei atypischem Verlauf kann die Abgrenzung zu anderen Hautkrankheiten schwierig sein.
Behandlung von Krätze
Die Behandlung sollte ärztlich angeleitet werden. Entscheidend ist, dass alle engen Kontaktpersonen zeitgleich mitbehandelt werden, auch wenn sie noch keine Symptome haben.
Medikamentöse Behandlung
topische Antiskabiosa (Cremes oder Lotionen)
- In vielen Leitlinien gilt Permethrin 5 % als Standardtherapie.
- Alternativen können je nach Situation, Verfügbarkeit, Alter, Schwangerschaft oder Verträglichkeit zum Beispiel Benzylbenzoat, Crotamiton oder Schwefelpräparate sein. Die Auswahl und Anwendung richtet sich nach ärztlicher Einschätzung.
systemische Therapie (Tabletten)
- Ivermectin wird als Tablette eingesetzt, zum Beispiel bei Ausbrüchen, Therapieversagen, wenn eine topische Behandlung nicht praktikabel ist oder bei schweren Verläufen.
- Bei Skabies crustosa ist häufig eine Kombination aus äußerlicher Behandlung und Ivermectin nötig.
Begleitende Maßnahmen
- Kontaktpersonenmanagement: enge Kontakte (Haushalt, Sexualpartner, enge Pflegekontakte) zeitgleich behandeln.
- Umgebungsmaßnahmen: Kleidung, Bettwäsche und Handtücher sollten entsprechend den Empfehlungen ärztlicher Stellen aufbereitet werden. Im Vordergrund stehen dabei meist alltagsnahe Maßnahmen wie das Waschen benutzter Textilien und das zeitweilige luftdichte Lagern von Gegenständen, die nicht gewaschen werden können. Wichtig ist vor allem, Textilien zu berücksichtigen, die in engem zeitlichen Zusammenhang mit dem Hautkontakt verwendet wurden. Umfassende Desinfektionsmaßnahmen oder umfangreiche Raumdesinfektionen sind in der Regel nicht erforderlich. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt jedoch auch von der Krankheitsform, dem Ausmaß des Befalls und der jeweiligen Umgebung ab, zum Beispiel davon, ob Krätze in einem Privathaushalt oder in einer Gemeinschafts- oder Pflegeeinrichtung auftritt.
Nach der Behandlung: Juckreiz und Ausschlag
Juckreiz und Hautausschlag können nach erfolgreicher Behandlung noch eine Zeit anhalten (postskabiöser Juckreiz oder entzündliche Reaktion). Das bedeutet nicht automatisch, dass die Behandlung fehlgeschlagen ist. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sollte ärztlich geprüft werden, ob eine erneute Behandlung, eine alternative Diagnose oder eine Zusatzbehandlung nötig ist.
Verlauf, Dauer und Prognose bei Krätze
Bei korrekt durchgeführter Behandlung ist die Prognose in der Regel gut.
- Ohne Behandlung heilt Krätze meist nicht spontan aus und bleibt ansteckend.
- Nachbeobachtung ist wichtig, weil falsche Anwendung, unvollständige Mitbehandlung von Kontaktpersonen oder Re-Exposition zu Rückfällen führen können.
- Skabies crustosa kann schwer verlaufen und erfordert meist eine intensivierte Therapie sowie konsequente Hygienemaßnahmen im Umfeld.
Häufige Fragen zu Krätze
Ist Krätze dasselbe wie Skabies oder Scabies?
Ja. Krätze ist die gebräuchliche deutsche Bezeichnung, Skabies der medizinische Fachbegriff und scabies der englische Begriff.
Wie sieht Krätze aus?
Krätze kann sehr unterschiedlich aussehen: Häufig sind kleine rote, juckende Knötchen, Kratzspuren und manchmal feine Milbengänge zu sehen. Bilder können Hinweise geben, sind aber nicht zuverlässig zur Selbstdiagnose, weil viele Hautkrankheiten ähnlich aussehen.
Wie lange ist die Krätze-Inkubationszeit?
Bei Erstbefall dauert es oft mehrere Wochen (häufig etwa 2–6 Wochen), bis Beschwerden auftreten. Bei erneuter Ansteckung kann es deutlich schneller gehen.
Wie merkt man, dass man Krätze hat?
Typisch sind starker, nachts zunehmender Juckreiz und ein juckender Ausschlag an charakteristischen Stellen, etwa in den Fingerzwischenräumen oder an den Handgelenken. Die sichere Diagnose stellt medizinisches Fachpersonal.
Wie erfolgt die Behandlung von Krätze mit Creme?
Üblich ist eine ärztlich verordnete Antiskabies-Creme oder Lotion, die nach genauer Anleitung aufgetragen wird. Wie oft und wie lange die Stellen behandelt werden müssen, hängt vom Präparat ab. Bei Permethrin 5 % reicht eine Anwendung, die gegebenenfalls nach 7 bis 10 Tagen wiederholt wird. Cremes wie Benzylbenzoat oder Crotamiton werden meist an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen angewendet. Wichtig ist, die Anwendungsvorgaben genau einzuhalten und enge Kontaktpersonen zeitgleich mitzubehandeln.
Wann werden bei Krätze Tabletten eingesetzt?
Tabletten mit Ivermectin können je nach Situation eingesetzt werden, zum Beispiel wenn eine äußerliche Behandlung nicht möglich ist oder bei schweren Verläufen wie Skabies crustosa. Die Entscheidung trifft der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin.
Wie lange ist man mit Krätze ansteckend?
In der Regel gilt: Nach korrekt durchgeführter erster Behandlung sind Betroffene meist nicht mehr ansteckend. Bei Skabies crustosa kann die Ansteckungsdauer länger sein und es sind häufig wiederholte Behandlungen nötig.
Kann Krätze von Haustieren kommen?
Die menschliche Krätze wird meist von Mensch zu Mensch übertragen. Tiermilben können zwar vorübergehende Hautreizungen verursachen, führen aber in der Regel nicht zu einer anhaltenden menschlichen Krätze.
Was ist Skabies crustosa (Borkenkrätze)?
Skabies crustosa ist eine schwere Form mit sehr hoher Milbenzahl und oft ausgeprägten Schuppen oder Krusten. Sie ist besonders ansteckend und sollte rasch ärztlich behandelt werden.
Quellen
Autor
Elisabeth Maußner ist studierte Journalistin und schreibt bei der ärzte.de MediService GmbH & Co. KG seit 2017 zu medizinischen Themen. Ihr Ziel: komplexe Zusammenhänge und wissenschaftliche Hintergründe einfach und für jeden verständlich auszudrücken. Die erfahrene Autorin hat bereits über 400 Artikel zu Gesundheits- und Medizinthemen verfasst, die u.a. auf aerzte.de, sanego.de und arzttermine.de veröffentlicht wurden.
Außerdem durfte sie Erfahrung beim Radio und beim Produzieren von Videos sammeln.
Persönlich interessiert sie sich insbesondere für Kinder- und Frauengesundheit, eine ausgewogene, intuitive Ernährung und die Digitalisierung im Gesundheitswesen.