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Vergrößerte Schilddrüse: Ursachen, Symptome und Behandlung einer Struma

Veröffentlicht: 12.01.2024

Lesezeit: 6 Min.

Behandlung | Symptome | Krankheiten

Arzt untersucht mittels Tastuntersuchung die sichtbar vergrößerte Schilddrüse einer Patientin. | © Andriy Blokhin - stock.adobe.com

Unsere Schilddrüse ist ein lebenswichtiges Organ, das bei vielen Stoffwechselprozessen im Körper eine entscheidende Rolle spielt. Es ist walnussgroß und befindet sich unterhalb des Kehlkopfes nahe der Luftröhre. Aufgrund diverser Vorerkrankungen oder Mangelernährung kann es zu einer Vergrößerung der Schilddrüse kommen. Schätzungen zufolge sind davon 20 bis 30 Prozent der Deutschen betroffen, Frauen etwa viermal so häufig wie Männer. Insbesondere schwangere Frauen haben aufgrund des schnelleren Stoffwechsels häufig mit Strumen zu kämpfen.

Was ist eine Struma?

Ist die Schilddrüse krankhaft vergrößert, spricht man auch von einer Struma oder einem Kropf. Bei einem vorliegenden Jodmangel kann das Organ keine Hormone produzieren. Deshalb versucht die Schilddrüse die hormonelle Unterversorgung durch eine Vermehrung der hormonproduzierenden Schilddrüsenzellen (funktionelle Autonomie) entgegenzuwirken, was schließlich zu einer Vergrößerung und zu Zellwachstum führt. Die WHO unterscheidet dabei in drei Struma-Grade:

  • Grad 0: Kropf nur in Ultraschall feststellbar

  • Grad 1: Vergrößerung tastbar

  • Grad 1a: Struma tastbar aber nicht sichtbar

  • Grad 1b: Vergrößerung tastbar und nur bei Rückwärtsneigung des Kopfes sichtbar

  • Grad 2: Struma tastbar und bei normaler Kopfhaltung sichtbar

  • Grad 3: Sehr große Struma mit lokalen Komplikationen (z.B. Behinderung der Atmung) deutlich sichtbar

Bleibt eine Struma längere Zeit unbehandelt, kann es sich im schlimmsten Fall zu Schilddrüsenkrebs entwickeln. Das Problem: Patienten und Patientinnen spüren in der Regel nicht, dass Ihre Schilddrüse nur leicht vergrößert ist, da sie keine Beschwerden haben.

Welche Symptome treten bei einer Schilddrüßenvergrößerung auf?

Bei einer leichten bis mäßigen Schilddrüsenvergrößerung treten zunächst keine Symptome auf, da die kleinen Knoten für Patienten und Patientinnen unauffällig sind. Erst mit zunehmender Größe machen sich Probleme bemerkbar. Mögliche Beschwerden bei einer Struma variieren je nach Vorkommen, Größe und Ausdehnung:     

  • Lokale Beschwerden am Hals: Enge-, Kloß- oder Druckgefühl, Husten, Räusperzwang oder Heiserkeit

  • Speiseröhre: Schluckstörungen   

  • Luftröhre: Atembeschwerden oder Luftnot

Bei einer bestehenden Schilddrüsenunter- oder -überfunktion kann es zu weiteren Beschwerden kommen, darunter ungewollter Gewichtsverlust, innere Unruhe, Reizbarkeit und Schlafstörungen.

Erscheinungsformen einer Struma

Je nach Vorkommen wird zwischen unterschiedlichen Erscheinungsformen einer Struma unterschieden:

Struma diffusa

Hier kommt es zum Wachstum und Vermehrung der Schilddrüsenzellen. Diese führen jedoch nur zu einer Vergrößerung und keiner zusätzlichen Knotenbildung der Schilddrüse.

Struma nodosa (Schilddrüsenknoten)

Hier liegen knotige Areale vor, die sich vom normalen Schilddrüsengewebe unterscheiden. Ist nur ein Knoten vorhanden, spricht man von einer Struma uninodosa. In der Regel treten jedoch mehrere verschiedene Schilddrüsenknoten nebeneinander auf. Manchmal besteht sogar die gesamte Schilddrüse nur noch aus Knoten (Struma multinodosa).

Schilddrüsenadenom

Hierbei handelt es sich um die häufigste Tumorart der Schilddrüse. Feingeweblich und funktionell gibt es zwei verschiedene Typen, nämlich jene, die Jod aufnehmen und Schilddrüsenhormone produzieren (heiße bzw. warme Knoten) und nicht jodspeichernde Adenome (kalte Knoten).

Was sind heiße bzw. kalte Knoten? Manchmal ist eine Operation der Schilddrüse unausweichlich.
Was sind heiße bzw. kalte Knoten? Manchmal ist eine Operation der Schilddrüse unausweichlich. | © bilderzwerg - stock.adobe.com

Struma maligna

Weniger als ein Prozent aller Schilddrüsenknoten sind bösartig. Bildet sich jedoch in der Schilddrüse ein Schilddrüsenkrebs, spricht man von einem Struma maligna.

Ursachen: Wie entsteht ein Kropf?

Die Entstehung einer Struma kann viele Ursachen haben. Häufig ist ein schleichender Jodmangel der Auslöser. Doch auch eine vorliegende Schilddrüsenüber- oder unterfunktion kann für einen Kropf verantwortlich sein. Darüber hinaus können auch Autoimmunerkrankungen wie Morbus Basedow oder Hashimoto-Thyreoiditis zu einer Schilddrüsenvergrößerung führen. Hierbei bildet der Körper Abwehrstoffe gegen Teile der Schilddrüse. Wohingegen bei der Hashimoto Thyreoiditis Antikörper für die Entzündung verantwortlich sind, produziert bei der Basedow-Krankheit die Drüse zu viele Hormone. In etwa vier Prozent der Fälle führt ein bösartiger Tumor zum Wachstum der Schilddrüse.

Tests

Schilddrüsenvergrößerungen lassen sich häufig mithilfe von einfachen Tests feststellen. Den Schlucktest können Sie selbst zuhause durchführen, die Tastuntersuchung als weitere Diagnostik sollte immer ausschließlich von Medizinern und Medizinerinnen durchgeführt werden.

Schlucktest

Mit einem einfachen Schlucktest können Sie selbst erste Anzeichen für eine vergrößerte Schilddrüse feststellen. Sie benötigen dazu lediglich einen Handspiegel, sowie ein Glas Wasser.

  1. Halten Sie den Handspiegel so, dass Sie den Halsbereich zwischen Kehlkopf und Schlüsselbein gut sehen können.

  2. Legen Sie den Kopf in den Nacken.

  3. Trinken Sie nun einen Schluck Wasser.

  4. Sehen Sie sich während des Schluckens den Halsbereich genau an.

  5. Wiederholen Sie den dritten und vierten Schritt so häufig, bis Sie den Schluckvorgang gut beobachten können.

Haben Sie unterhalb des Kehlkopfes Schwellungen bemerkt, könnten eine vergrößerte Schilddrüse oder knotige Veränderungen vorliegen. In diesem Fall sollten Sie sich schnellstmöglich an Ihren Arzt oder Ihre Ärztin wenden.

Tastuntersuchung

Die Tastuntersuchung ist eine weitere Diagnostik-Methode, mit deren Hilfe die meisten Knoten und Schilddrüsenveränderungen erkannt werden können. Bei dieser Untersuchung steht Ihr Arzt bzw. Ihre Ärztin hinter Ihnen und tastet mit beiden Händen Ihre Schilddrüse ab. Die Untersuchung erfolgt schnell und ist komplett schmerzfrei.

Diagnostik und Behandlung

Diagnostik Schilddrüsenvergrößerung: Was wird gemacht?

Zur Basisuntersuchung bei Verdacht auf eine Struma gehören die Ultraschalluntersuchung des Halses, sowie eine Blutuntersuchung zur Bestimmung der wichtigsten Schilddrüsenwerte. Der Ultraschall gibt Aufschluss über die Größe und Beschaffenheit beider Schilddrüsenlappen. Hier können selbst kleine Knoten und andere krankhafte Veränderung festgestellt werden. Bei einer Blutuntersuchung werden die Schilddrüsenhormone zur Diagnostik herangezogen. Diese geben Auskunft über eine mögliche Schilddrüsenüberfunktion oder Schilddrüsenunterfunktion.

Wurden einer oder mehrere Knoten entdeckt, wird häufig eine Szintigraphie der Schilddrüse durchgeführt. Dabei handelt es sich um ein bildgebendes Verfahren der nuklearmedizinisches Diagnostik. Diese Methodik ist relativ ungefährlich. Röntgenuntersuchungen haben im Vergleich dazu eine höhere Strahlenbelastung. Ziel der Szintigraphie ist die weitere Charakterisierung der Struma. So lässt sich herausfinden, ob diese vermehrt oder vermindert Schilddrüsenhormone produzieren.

Behandlung einer Struma

Da die Schilddrüsenvergrößerung verschiedene Ursachen haben kann, gibt es auch unterschiedliche Möglichkeiten zur Behandlung einer Struma. Jede Therapie hat dabei das Ziel, die vorhandene Vergrößerung wieder wirksam zu verkleinern. In der Regel kommen bei der Behandlung einer Struma:

  1. Jod

  2. Schilddrüsenhormone (Thyroxin) oder

  3. eine Kombination aus Jod und Schilddrüsenhormonen zum Einsatz.

Verursacht die Schilddrüse Beschwerden und/oder drückt sie auf die Speise- oder Luftröhre, kann eine operative Behandlung ratsam sein. Zudem besteht die Möglichkeit einer Radiojodtherapie, beispielsweise, wenn die Struma trotz einer abgeschlossenen medikamentösen Behandlung immer wieder auftritt. Dabei werden mithilfe von radioaktivem Jod jene Schilddrüsenzellen in ihrem Wachstum gehemmt, die zu viele Hormone produzieren. Diese Form der medikamentösen Therapie erfolgt immer stationär in einem nuklearmedizinischen Zentrum. Dort wird die optimale Strahlendosis ermittelt und von Experten und Expertinnen regelmäßig überprüft.

Prävention

Wie lässt sich also einem Kropf bzw. einer Stroma vorbeugen? Bei der Prävention hat sich insbesondere eine jodhaltige Ernährung bewährt. Denn das Spurenelement kommt nur in sehr geringen Mengen im Körper vor und muss daher über die Nahrung zugeführt werden. Zu den TOP Jodlieferanten gehören:

  • Seefisch und Meeresfrüchte

  • Algen, wie z.B. Nori, die im Sushi verwendet werden

  • Jodiertes Speisesalz

  • Konventionelle Milch und Milchprodukte

  • Fleisch und Wurst

Wichtig: Jod kann nur dann im Körper aufgenommen werden, wenn Sie ausreichend Eisen und Selen über die Ernährung zuführen. Hier empfiehlt es sich, zuvor einen eventuellen Eisenmangel ärztlich überprüfen zu lassen. Dieser kann insbesondere bei menstruierenden Frauen häufiger auftreten.