IgA-Nephritis (IgA-Nephropathie, Morbus Berger) – Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung
Die IgA-Nephritis ist eine meist chronische, immunologisch bedingte Nierenerkrankung, bei der sich Abwehrstoffe (Immunglobulin A, kurz IgA) im Filtergewebe der Nieren (den Glomeruli) ablagern. Häufig fällt sie zuerst durch Blut im Urin oder Eiweiß im Urin auf. Fang doch Beide Befunde können zunächst nur in einer Routineuntersuchung auffallen. Der Verlauf ist sehr unterschiedlich: Bei manchen Betroffenen bleibt die Nierenfunktion über viele Jahre stabil, bei anderen kann die Erkrankung zu einer fortschreitenden chronischen Niereninsuffizienz führen. Eine sichere Diagnose ist in der Regel nur durch eine Nierenbiopsie (Gewebeprobe) möglich. Die Behandlung zielt vor allem darauf ab, die Nieren langfristig zu schützen, zum Beispiel durch konsequente Blutdruckkontrolle und Medikamente.
Dieser Beitrag dient der medizinischen Orientierung und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Eine(n) entsprechende(n) Arzt oder Ärztin finden Sie in unserer Arztsuche.
Definition: Was ist eine IgA-Nephritis?
Die IgA-Nephritis – auch IgA-Nephropathie oder Morbus Berger genannt – ist eine chronische Entzündung bestimmter Nierenkörperchen (Glomeruli). Diese feinen Filtereinheiten reinigen das Blut und bilden den Urin. Bei der Erkrankung lagern sich veränderte Immunglobulin-A-Antikörper in den Glomeruli ab. Dadurch entsteht eine Entzündungsreaktion, die das Nierengewebe nach und nach schädigen kann.
Die IgA-Nephritis gehört zur Gruppe der Glomerulonephritiden, also entzündlichen Erkrankungen der Nierenfilter. Sie ist weltweit eine der häufigsten Formen dieser Erkrankungsgruppe. Typisch ist, dass die Veränderungen zunächst lange kaum Beschwerden verursachen. Erste Hinweise liefern oft Laborbefunde wie Mikrohämaturie (Labornachweis von Blut im Urin) oder Makrohämaturie (Urin sichtbar rötlich) sowie eine Proteinurie. (Eiweiß im Urin).
Andere Namen und medizinische Bezeichnungen der IgA-Nephritis
Gebräuchliche Bezeichnungen sind:
- IgA-Nephritis
- IgA-Nephropathie
- Morbus Berger
Im medizinischen Sprachgebrauch wird meist von IgA-Nephropathie gesprochen. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist IgA-Nephritis jedoch ebenfalls verbreitet. Beide Begriffe bezeichnen in der Regel dieselbe Erkrankung.
Womit eine IgA-Nephritis verwechselt werden kann
Eine IgA-Nephritis kann anfangs unspezifisch erscheinen, weil Blut im Urin oder Eiweiß im Urin auch bei anderen Erkrankungen vorkommen. Dazu zählen zum Beispiel:
Ein wichtiger Unterschied ist, dass die sichtbare Hämaturie bei IgA-Nephritis häufig im zeitlichen Zusammenhang mit Infekten der oberen Atemwege auftritt. Die endgültige Abgrenzung gelingt aber nur durch ärztliche Diagnostik.
Symptome der IgA-Nephritis
Die Beschwerden können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Manche Betroffene haben über lange Zeit keine spürbaren Symptome. Andere bemerken wiederholt auffälligen Urin oder Zeichen einer nachlassenden Nierenfunktion.
Typische mögliche Symptome und Befunde sind:
- sichtbares oder nur im Labor nachweisbares Blut im Urin
- Eiweiß im Urin
- schäumender Urin
- erhöhter Blutdruck
- Wassereinlagerungen (Ödeme), etwa an Beinen oder Augenlidern
- nachlassende Leistungsfähigkeit
- in fortgeschrittenen Stadien Zeichen einer Niereninsuffizienz
Nicht alle Symptome müssen gleichzeitig auftreten. Viele Betroffene bemerken zunächst gar nichts. Ärztlich abgeklärt werden sollten wiederholt sichtbares Blut im Urin, neu auftretende Ödeme, anhaltend hoher Blutdruck oder auffällige Urinbefunde.
Ursachen und Risikofaktoren der IgA-Nephritis
Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Nach heutigem Verständnis handelt es sich um eine fehlgesteuerte Immunreaktion. Dabei bildet der Körper veränderte IgA-Antikörper. Diese lagern sich zusammen mit anderen Eiweißen in den Glomeruli ab und lösen dort Entzündungen aus.
Als beteiligt gelten unter anderem:
- genetische Faktoren
- Störungen der Schleimhaut-Immunabwehr
- immunologische Fehlregulationen
- möglicherweise Infekte als Auslöser einzelner Schübe
Die Erkrankung tritt überwiegend isoliert auf, kann aber in manchen Fällen auch mit anderen Erkrankungen oder immunologischen Besonderheiten verbunden sein. Manche Verläufe werden zufällig entdeckt, andere fallen erstmals nach Infekten auf.
Diagnose der IgA-Nephritis
Am Anfang stehen die ärztliche Befragung (Anamnese), eine körperliche Untersuchung sowie Urin- und Blutuntersuchungen. Typische Hinweise sind Hämaturie (Blut im Urin), Proteinurie (Eiweiß im Urin) und je nach Stadium Einschränkungen der Nierenfunktion.
Zur Diagnostik gehören je nach Situation:
- Urinstatus und Urinsediment
- Bestimmung der Eiweißausscheidung im Urin
- Blutuntersuchungen zur Beurteilung der Nierenfunktion
- Blutdruckmessungen
- Ultraschall der Nieren
- Abklärung anderer Ursachen für Blut oder Eiweiß im Urin
Die Diagnose lässt sich in der Regel nur durch eine Nierenbiopsie sicher bestätigen. Dabei wird mit einer Nadel eine kleine Gewebeprobe aus der Niere entnommen und mikroskopisch untersucht. Fachärztlich betreut werden Betroffene meist in der Nephrologie.
Behandlung der IgA-Nephritis
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad, der Eiweißausscheidung, dem Blutdruck und der Nierenfunktion. Nicht jede IgA-Nephritis wird sofort immunsuppressiv behandelt. Im Vordergrund steht zunächst meist eine konsequente unterstützende Therapie zum Schutz der Nieren.
Wichtige Behandlungsbausteine sind:
- gute Blutdruckeinstellung
- Senkung der Eiweißausscheidung im Urin
- regelmäßige Verlaufskontrollen
- Behandlung von Begleiterkrankungen und Risikofaktoren
Häufig eingesetzte Medikamente sind ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorblocker. Sie können helfen, den Blutdruck zu senken und die Nieren zu entlasten. In ausgewählten Fällen kommen zusätzlich spezielle medikamentöse Therapien infrage, zum Beispiel Budesonid oder andere immunsuppressive Verfahren. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt vom individuellen Befund ab und muss ärztlich entschieden werden.
Wichtig ist auch, nierenschädigende Faktoren möglichst zu vermeiden. Dazu gehört insbesondere ein zurückhaltender Umgang mit bestimmten Schmerzmitteln aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika wie Ibuprofen oder Diclofenac, sofern medizinisch keine andere Einschätzung besteht.
Bei fortgeschrittener Erkrankung kann eine Nierenersatztherapie notwendig werden, also Dialyseverfahren und in geeigneten Fällen eine Nierentransplantation.
Verlauf, Dauer und Prognose bei IgA-Nephritis
Die IgA-Nephritis verläuft meist chronisch, aber sehr unterschiedlich. Bei einem Teil der Betroffenen bleibt die Nierenfunktion über viele Jahre stabil. Bei anderen schreitet die Erkrankung langsam fort und kann langfristig in eine chronische Niereninsuffizienz übergehen.
Für die Prognose bedeutsam sind vor allem:
- Ausmaß der Proteinurie (Eiweiß im Urin)
- Höhe des Blutdrucks
- Nierenfunktion bei Diagnosestellung
- histologische Veränderungen in der Biopsie
- Ansprechen auf die Behandlung
Mögliche Komplikationen sind zunehmende Nierenfunktionsstörungen, schwer einstellbarer Bluthochdruck und in fortgeschrittenen Stadien eine terminale Niereninsuffizienz. Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Häufige Fragen zur IgA-Nephritis
Ist eine IgA-Nephritis heilbar?
Eine vollständige Heilung ist meist nicht möglich. Ziel der Behandlung ist es, das Fortschreiten zu verlangsamen, Komplikationen zu vermeiden und die Nierenfunktion möglichst lange zu erhalten.
Ist eine IgA-Nephritis gefährlich?
Das hängt stark vom Verlauf ab. Manche Betroffene haben nur milde Veränderungen, bei anderen kann die Erkrankung die Nieren dauerhaft schädigen.
Welche Symptome macht eine IgA-Nephritis?
Typisch sind Blut im Urin, Eiweiß im Urin, schäumender Urin, Bluthochdruck und bei fortgeschrittenem Verlauf Wassereinlagerungen oder Zeichen einer Nierenschwäche.
Wie wird eine IgA-Nephritis festgestellt?
Wichtige Hinweise liefern Urin- und Blutuntersuchungen. Die Diagnose wird meist durch eine Nierenbiopsie gesichert.
Kann eine IgA-Nephritis nach einem Infekt auffallen?
Ja. Sichtbares Blut im Urin tritt bei manchen Betroffenen im zeitlichen Zusammenhang mit Infekten der oberen Atemwege auf.
Wann braucht man bei IgA-Nephritis eine Dialyse?
Eine Dialyse wird erst nötig, wenn die Nierenfunktion stark eingeschränkt ist und die Nieren ihre Aufgaben nicht mehr ausreichend erfüllen.
Was sollte man bei einer IgA-Nephritis vermeiden?
Ohne ärztliche Rücksprache sollten insbesondere Medikamente vermieden werden, die die Nieren zusätzlich belasten können. Dazu gehören bestimmte Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac.
Ist die IgA-Nephritis dasselbe wie eine Glomerulonephritis?
Die IgA-Nephritis ist eine spezielle Form der Glomerulonephritis. Der Oberbegriff umfasst verschiedene entzündliche Erkrankungen der Nierenkörperchen.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Nephrologie – Informationen zu glomerulären Erkrankungen: https://www.dgfn.eu/, aufgerufen am 24.06.2026
Autor
Elisabeth Maußner ist studierte Journalistin und schreibt bei der ärzte.de MediService GmbH & Co. KG seit 2017 zu medizinischen Themen. Ihr Ziel: komplexe Zusammenhänge und wissenschaftliche Hintergründe einfach und für jeden verständlich auszudrücken. Die erfahrene Autorin hat bereits über 400 Artikel zu Gesundheits- und Medizinthemen verfasst, die u.a. auf aerzte.de, sanego.de und arzttermine.de veröffentlicht wurden.
Außerdem durfte sie Erfahrung beim Radio und beim Produzieren von Videos sammeln.
Persönlich interessiert sie sich insbesondere für Kinder- und Frauengesundheit, eine ausgewogene, intuitive Ernährung und die Digitalisierung im Gesundheitswesen.