Definition: Was ist Eireifestörung?
Unter einer Eireifestörung versteht man eine Störung der Follikelreifung im Eierstock und/oder des Eisprungs. In der Praxis wird der Begriff oft als Sammelbezeichnung für Ovulationsstörungen genutzt – also für Situationen, in denen der Eisprung
- gar nicht stattfindet (Anovulation),
- zu selten stattfindet (Oligoovulation) oder
- zeitlich stark schwankt (unregelmäßige Ovulation).
Manchmal wird auch eine unzureichende Gelbkörperphase (Lutealphase) diskutiert. Die Bedeutung dieser Diagnose ist jedoch nicht in allen Aspekten eindeutig, weil Messmethoden und Kriterien je nach Quelle variieren.
Andere Namen und medizinische Bezeichnungen der Eireifestörung
Je nach Kontext werden verwendet:
- Eireifungsstörung / Follikelreifungsstörung
- Ovulationsstörung / ovulatorische Dysfunktion
- Anovulation (fehlender Eisprung)
- Oligoovulation (seltene Eisprünge)
Womit eine Eireifestörung verwechselt werden kann
Unregelmäßige oder ausbleibende Blutungen haben nicht immer eine Eireifestörung als Ursache. Häufige Abgrenzungen in der ärztlichen Diagnostik sind:
- Schwangerschaft (auch bei unklaren Blutungen immer auszuschließen)
- Wechseljahre / Perimenopause (v. a. ab Mitte/Ende 40, je nach individueller Situation auch früher)
- uterine Ursachen (z. B. Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut, Polypen, Myome)
- Blutungsstörungen durch Medikamente (z. B. hormonelle Verhütung, bestimmte Psychopharmaka)
- Entzündungen oder andere gynäkologische Erkrankungen, die Blutungen beeinflussen können
Symptome der Eireifestörung
Die Beschwerden können stark variieren. Typisch sind:
Zyklus- und Blutungsauffälligkeiten
- sehr lange Zyklen (z. B. deutlich über 35 Tage)
- sehr kurze Zyklen (z. B. unter 21 Tage)
- unregelmäßige Blutungen oder Zwischenblutungen
- Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhoe)
Hinweise auf fehlenden oder unregelmäßigen Eisprung
- fehlende typische Zykluszeichen (z. B. kein verlässlicher Zervixschleim- oder Temperaturanstieg)
- bei Kinderwunsch: Schwierigkeiten, schwanger zu werden bzw. ein möglicher Zusammenhang mit Kinderwunsch-Behandlung
Begleitzeichen je nach Ursache
- bei PMOS z. B. Akne, vermehrte Körperbehaarung (Hirsutismus), Gewichtszunahme
- bei Schilddrüsenstörungen z. B. Müdigkeit, Gewichtsveränderungen, Herzrasen oder Kälteempfinden
- bei erhöhtem Prolaktin ggf. Brustmilchabsonderung außerhalb der Stillzeit (Galaktorrhö)
Warnzeichen – zeitnah ärztlich abklären lassen
- sehr starke oder anhaltende Blutungen, Kreislaufprobleme
- starke Unterbauchschmerzen, Fieber
- Ausbleiben der Blutung zusammen mit Unterbauchschmerzen oder Schwindel (Schwangerschaft/Komplikationen abklären)
- zusätzliche Symptome wie Kopfschmerzen, Sehstörungen oder deutliche hormonelle Veränderungen
Ursachen und Risikofaktoren der Eireifestörung
Eireifestörungen entstehen meist durch hormonelle Regulationsstörungen entlang der sogenannten Hypothalamus–Hypophysen–Ovar-Achse (Gehirn–Hirnanhangsdrüse–Eierstock) oder durch Veränderungen im Eierstock.
häufige Ursachen bzw. Einflussfaktoren:
- polyendokrine metabolische Ovarsyndrom (PMOS) (häufige Ursache von Oligo-/Anovulation)
- funktionelle Störungen: ausgeprägter Stress, sehr intensiver Leistungssport, Untergewicht, Essstörungen
- Schilddrüsenerkrankungen (Überfunktion oder Unterfunktion)
- erhöhte Prolaktinwerte (z. B. durch Medikamente oder Hypophysenveränderungen)
- Alter: mit zunehmendem Alter sinken Eizellzahl und -qualität; Ovulationen können unregelmäßiger werden
- vorzeitige Eierstockschwäche (primäre Ovarialinsuffizienz, selten, aber wichtig)
- chronische Erkrankungen (z. B. Diabetes mellitus oder Nierenerkrankungen) und bestimmte Medikamente (z. B. bestimmte Psychopharmaka oder Hormonpräparate)
Diagnose der Eireifestörung
Die Abklärung erfolgt meist in der Gynäkologie (bei Bedarf mit Reproduktionsmedizin). Typische Schritte sind:
1) Anamnese (Gespräch) und Zyklusdaten
- Zykluslänge, Blutungsmuster, Beginn der Beschwerden
- Kinderwunschdauer, bisherige Schwangerschaften
- Gewichtsentwicklung, Stress, Sport, Medikamente
- Begleitsymptome (z. B. Akne/Hirsutismus, Milchabsonderung, Schilddrüsensymptome)
2) körperliche und gynäkologische Untersuchung
- allgemeiner Gesundheitsstatus, Zeichen hormoneller Störungen
3) Ultraschall
- Beurteilung der Eierstöcke (z. B. polyzystische Morphologie), Follikelentwicklung
- ggf. Verlaufskontrollen (Follikelmonitoring) bei Kinderwunschtherapie
4) Laboruntersuchungen (hormonell)
Je nach Fragestellung, Zyklustag und Beschwerden, z. B.:
- Schwangerschaftstest
- Progesteron in der zweiten Zyklushälfte als Hinweis auf erfolgte Ovulation
- FSH/LH, Estradiol, AMH (Eierstockreserve, je nach Kontext)
- TSH (Schilddrüse), Prolaktin
- Androgene (z. B. Testosteron) bei Verdacht auf PMOS/Hyperandrogenismus
Wichtig: Einzelwerte sind oft nur im Zusammenhang interpretierbar. Die endgültige Einordnung (z. B. PMOS, hypothalamische Störung, primäre Ovarialinsuffizienz) erfordert ärztliche Bewertung.
Behandlung der Eireifestörung
Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Beschwerden und dem Ziel (z. B. Zyklusregulation, Kinderwunsch). Sie gehört in ärztliche Hand – insbesondere, weil hormonelle Therapien Risiken haben können.
ursachenbezogene Maßnahmen
- Behandlung einer Schilddrüsenfunktionsstörung
- Abklärung und Therapie bei erhöhtem Prolaktin (je nach Ursache z. B. Anpassung von Medikamenten oder Dopaminagonisten)
- bei funktionellen Ursachen: medizinisch begleitete Normalisierung von Energiezufuhr/Belastung, Stressreduktion (je nach Situation)
bei Kinderwunsch: Ovulationsinduktion (Auslösen/Verbessern des Eisprungs)
- Bei PMOS empfehlen Leitlinien häufig Letrozol als eine der ersten Behandlungsoptionen, um die Eizellreifung zu fördern. Clomifen und/oder Gonadotropine kommen je nach Situation in Betracht.
- Eine sonographische Kontrolle (Ultraschallmonitoring) ist in der Regel erforderlich, um Überstimulation und Mehrlingsschwangerschaften zu vermeiden.
reproduktionsmedizinische Verfahren
- Wenn Eisprungtherapien nicht ausreichen oder weitere Faktoren vorliegen (z. B. Eileiter- oder Spermienfaktoren), kann eine assistierte Reproduktion (z. B. IVF/ICSI) in der Reproduktionsmedizin erwogen werden.
Hinweis: Empfehlungen können sich je nach Ursache (z. B. PMOS vs. primäre Ovarialinsuffizienz), Alter, Begleiterkrankungen und individueller Ausgangslage deutlich unterscheiden.
Verlauf, Dauer und Prognose bei Eireifestörung
Der Verlauf hängt stark von der Ursache ab:
- Vorübergehende Eireifestörungen (z. B. bei Stress, deutlichen Gewichtsveränderungen) können sich nach Beseitigung des Auslösers wieder normalisieren.
- Bei PMOS sind Oligo-/Anovulationen häufig langfristig, lassen sich aber oft behandeln (Zyklus, Stoffwechsel, Kinderwunsch).
- Bei hormonellen Grunderkrankungen (Schilddrüse, Prolaktin) verbessert sich die Ovulation häufig, wenn die Ursache behandelt wird.
- Bei abnehmender Eierstockreserve (altersbedingt oder bei vorzeitiger Ovarialinsuffizienz) ist die Prognose für spontane Ovulationen und Schwangerschaften individuell und kann eingeschränkt sein.
mögliche Komplikationen bzw. Folgen (je nach Ursache):
- anhaltende Zyklusunregelmäßigkeiten
- unerfüllter Kinderwunsch
- bei länger anhaltender Anovulation teils erhöhtes Risiko für Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut (abhängig vom hormonellen Muster, ärztliche Einordnung wichtig)
Häufige Fragen zur Eireifestörung
Was ist eine Eireifestörung genau?
Eine Eireifestörung ist eine Störung der Follikelreifung und/oder des Eisprungs. Häufig reift keine Eizelle bis zum Eisprung heran oder Eisprünge treten unregelmäßig auf.
Welche Symptome sind typisch für eine Eireifestörung?
Typisch sind unregelmäßige Zyklen, sehr lange oder sehr kurze Zyklen, ausbleibende Regelblutung und – bei Kinderwunsch – Schwierigkeiten, schwanger zu werden.
Kann eine Eireifestörung ohne Kinderwunsch trotzdem wichtig sein?
Ja. Anhaltende Zyklus- oder Blutungsauffälligkeiten sollten ärztlich abgeklärt werden, weil dahinter behandelbare Hormonstörungen oder andere Erkrankungen stecken können.
Welche Ursachen hat eine Eireifestörung am häufigsten?
Häufige Ursachen sind PMOS, funktionelle Einflüsse (Stress, Untergewicht, intensiver Sport) sowie Schilddrüsen- oder Prolaktinstörungen.
Wie wird eine Eireifestörung diagnostiziert?
Meist durch Zyklus- und Symptom-Anamnese, Ultraschall sowie Hormonuntersuchungen. Ein Progesteronwert in der zweiten Zyklushälfte kann Hinweise geben, ob ein Eisprung stattgefunden hat.
Wie wird eine Eireifestörung behandelt, wenn ein Kinderwunsch besteht?
Je nach Ursache kommen ursachenbezogene Therapien und eine ärztlich überwachte Ovulationsinduktion (z. B. mit Letrozol oder Clomifen, ggf. Gonadotropine) infrage.
Wie lange dauert es, bis sich eine Eireifestörung verbessert?
Das ist sehr unterschiedlich. Bei funktionellen Auslösern kann sich der Zyklus nach Stabilisierung von Gewicht/Belastung/Stresseinfluss erholen. Bei hormonellen Erkrankungen hängt es vom Ansprechen auf die Behandlung ab.
Wann sollte ich mit Verdacht auf Eireifestörung ärztliche Hilfe suchen?
Bei stark unregelmäßigen oder ausbleibenden Blutungen über mehrere Monate, sehr starken Blutungen, starken Schmerzen, Kinderwunsch seit etwa 12 Monaten (bei höherem Alter oft früher) oder bei zusätzlichen Symptomen wie Sehstörungen oder Milchabsonderung aus der Brust.
Quellen
Autor
Elisabeth Maußner ist studierte Journalistin und schreibt bei der ärzte.de MediService GmbH & Co. KG seit 2017 zu medizinischen Themen. Ihr Ziel: komplexe Zusammenhänge und wissenschaftliche Hintergründe einfach und für jeden verständlich auszudrücken. Die erfahrene Autorin hat bereits über 400 Artikel zu Gesundheits- und Medizinthemen verfasst, die u.a. auf aerzte.de, sanego.de und arzttermine.de veröffentlicht wurden.
Außerdem durfte sie Erfahrung beim Radio und beim Produzieren von Videos sammeln.
Persönlich interessiert sie sich insbesondere für Kinder- und Frauengesundheit, eine ausgewogene, intuitive Ernährung und die Digitalisierung im Gesundheitswesen.