
Die Behandlung von krankheitstypischen Auffälligkeiten und spezifischen Symptomen mit dem eigenen Blut der Patientinnen und Patienten ist keine moderne oder neuzeitliche Methode. Die Eigenblutbehandlung gehört schon seit dem 15. Jahrhundert vor Christus zu einem wichtigen Bestandteil der naturheilkundlichen Medizin. Der englischstämmige gelehrte und Arzt William Highmore begründete den Sinn dieser Behandlung damit, dass ein Bluterguss den Heilungsprozess im Organismus fördert.
Die genetischen Informationen, welche jeder Mensch in sich trägt, umfassen auch die eindeutigen Erbinformationen über das Blut. Es gibt beispielsweise neben den bekannten Blutgruppen A, B, AB, 0 und den Rh-Faktor noch eine Vielzahl von Untersystemen. Wird einem Empfänger nun sein eigenes Blut zugeführt, kommt es zu einer Zunahme der körpereigenen Abwehrmechanismen. Diese ist jedoch nicht so stark, wie es bei einer Unverträglichkeit durch verschiedenartige Blutgruppen der Fall wäre. Durch die Verabreichung von Eigenblut kann demnach eine Mobilisierung der Immunabwehr erzielt werden. Da fast keine Nebenwirkungen auftreten, gehört diese Therapie zu den schonenden und sanften Varianten. In seltenen Fällen kann es zu natürlichen Nebenwirkungen wie Fieber, entzündlichen Prozessen an den Einstichstellen durch eine unzureichende Desinfektion oder zu einer Verschlechterung von Krankheitszeichen kommen.
Basis für die Therapie mit Eigenblut
Bei der Eigenbluttherapie geht es nicht um die bei der klassischen Eigenbluttransfusion eingesetzten hohen Mengen an Blut. Der Heilpraktiker entnimmt lediglich kleine Mengen, die maximal 10 ml betragen. Die Entnahme des Blutes erfolgt über die Armvene. Das Eigenblut kann aber auch aus der Fingerbeere (Kapillarblut) entzogen werden. Vor der Rückgabe in den Körper wird das kapillare Blut homöopathisch behandelt und über den Mund zurückgeführt. Handelt es sich um eine Entnahme aus der Vene, bleibt das Blut im Originalzustand. Es wird als unverändertes Eigenblut bezeichnet. Diese Version wird häufiger ausgeführt als die Kapillar-Eigenbluttherapie. Eine noch spezifischere Methode ist die Verabreichung von sogenanntem potenziertem Eigenblut.
Nach einer sehr kurzen Wartezeit bekommt derselbe Patient das Blut über eine Injektion in den Muskel wieder zurück. Da dieses Blut "von außen" in den Körper gelangt, wird diesem ein Fremdkörper vorgegaukelt. In Folge dessen kommt es zu einer Aktivierung der körpereigenen Abwehrmechanismen. Die alternative Heilmethode der Eigenblutbehandlung erzeugt durch das Zuführen des zuvor entnommenen Blutes einen Effekt, welcher mit der Einwirkung von Kälte oder Wärme und den dabei im Körper ausgelösten Vorgängen vergleichbar ist.
In der Naturheilkunde sind die Mediziner heute schon so weit, dass sie dem Eigenblut spezielle Substanzen zusetzen. In diesem Zusammenhang geht es um geringe Mengen von Arzneistoffen aus rein pflanzlichen Bestandteilen. So kann gleichzeitig eine medikamentöse Therapie realisiert werden. Recht häufig wird das frische Eigenblut auch mit reinem Sauerstoff angereichert.
Vorteile der Eigenbluttherapie
Das in der Naturheilkunde als Klassiker betrachtete Verfahren der Eigenblutbehandlung wird als sogenannte unspezifische Reiztherapie bezeichnet. Es wird insbesondere bei Erkrankten eingesetzt, die gesundheitliche Beschwerden in Verbindung mit einer Schwächung ihres Immunsystems aufweisen. Damit eine Wirkung der Eigenblutbehandlung wirklich erzielt werden kann, muss die körpereigene Abwehr noch imstande sein, diesen speziellen Reiz von außen noch zu erkennen.
Einen berechtigten Stellenwert nimmt die Eigenbluttherapie in der Naturheilkunde bei einer erhöhten Anfälligkeit gegen Erkältungen. Durch die positiven Effekte, welche auf die Immunabwehr ausgelöst werden, ist diese Behandlung sinnvoll, wenn allergische Überempfindlichkeiten vorhanden sind. Überempfindlichkeits-Reaktionen der Haut und der Schleimhäute in der Nase (Heuschnupfen) lassen sich mit diesem minimalen Eingriff lindern.
Typische Erkrankungen, bei denen der Heilpraktiker eine Eigenblutbehandlung mit Rückinjektion empfiehlt, sind plötzlich auftretende oder stetig wiederkehrende, anhaltende Infektionen und Erkältungen, rheumatische Erkrankungen sowie Störungen der Blutbildung. Des Weiteren können Hilfe suchende Menschen bei einem Heilpraktiker mit einer Eigenbluttherapie versorgt werden, wenn sie unter Ekzemen und Störungen der Durchblutung leiden. In Hinsicht auf eine Rekonvaleszenz und eine Stimulierung der körpereigenen Immunkräfte ist die Eigenblutbehandlung gleichermaßen dienlich.
Gegenanzeigen der Eigenblutbehandlung
Eine Behandlung mit Eigenblut, wie sie ein Heilpraktiker ausführt, ist mit bestimmten Risiken verbunden. Diese entstehen allerdings nur dann, wenn spezielle Vor- oder Nebenerkrankungen vorhanden sind. Die vorsprechenden Patientinnen und Patienten sollten daher beim Erstgespräch immer alle Krankheiten angeben und die verordneten Medikamente angeben. Das ist ganz besonders wichtig, wenn es um schwere Erkrankungen geht, bei denen der Organismus einem schnellen Verfall unterliegt (meist bösartige Krebserkrankungen). Treten plötzlich tuberkulöse Beschwerden auf oder sind entzündliche Prozesse in den Venen diagnostiziert worden, sollte diese Therapieform unterbleiben. Darüber hinaus nehmen die geschulten und erfahrenen Heilpraktiker eine Eigenbluttherapie auch dann ab, wenn die Erkrankten aufgrund einer Gefährdung durch eine Thrombose gerinnungshemmende Medikamente einnehmen müssen.