Die Chirurgie ist ein medizinisches Fachgebiet und befasst sich mit der Behandlung von Verletzungen und Krankheiten durch die direkte Einwirkung auf den Körper des Patienten. Verletzte Körperteile werden wieder zusammengefügt oder genäht, kranke Organe teilweise oder komplett entfernt, verstopfte Organe durchgängig gemacht und neue Organe oder Prothesen implantiert.
Geschichtlicher Hintergrund
Bereits in der Steinzeit können chirurgische Eingriffe, bei denen Patienten überlebten, nachgewiesen werden. Ein etwa 50.000 Jahre alter Fund eines Skelettes in einer Höhle belegte sogar eine erfolgreiche Armamputation. Seit knapp 12.000 Jahren lassen sich außerdem überlebende Trepanationen (Verfahren, bei dem knöcherne Räume mechanisch geöffnet werden) nachweisen. In der Antike wurden Operationen meistens mit metallischen Werkzeugen durchgeführt.
Was ist ein Chirurg?
Ein Facharzt der Allgemeinen Chirurgie beschäftigt sich insbesondere mit der Erkennung, konservativen und operativen Behandlung, Nachsorge und Vorbeugung von chirurgischen Krankheiten, Fehlbildungen und Verletzungen. Die Fachärzte arbeiten vorwiegend in Hochschulkliniken, Facharztpraxen und Krankenhäusern. Des Weiteren sind sie in Gesundheitszentren beschäftigt oder in der medizinischen Forschung oder Lehre tätig.
Der Facharzt für Chirurgie ist durch die Landesärztekammer fest geregelt und bedarf einer Weiterbildung an Hochschul- oder Universitätskliniken sowie anderen Einrichtungen der ärztlichen Versorgung. In der Regel dauert die Weiterbildungsmaßnahme 6 Jahre und ist in zwei Abschnitte gegliedert. Die Basisweiterbildung findet im Gebiet der Chirurgie statt und dauert 2 Jahre. Die anschließende Facharztweiterbildung findet im Bereich der Allgemeinchirurgie statt und dauert weitere 4 Jahre. Das Ziel besteht darin, aufbauend auf der Basisweiterbildung die Fachkompetenz der Allgemeinchirurgie zu erlangen. Die Weiterbildung dient dem Erwerb von Erfahrung, Fertigkeiten und Kenntnissen der nicht operativen und operativen Versorgung eines Patienten im Notfall bei thorax-, unfall- und gefäßchirurgischen einschließlich koloproktologischen Erkrankungen, Infektionen und Verletzungen. Endoskopische und laparoskopische (minimalinvasive) Operationsverfahren werden den jungen Ärzten ebenfalls näher gebracht.
Aufgaben eines Chirurgen
In der Allgemenchirurgie werden Bereiche der Gefäß-, Thorax-, Viszeral- und Unfallchirurgie abgedeckt. In der Viszeralchirurgie werden Verletzungen oder Erkrankungen innerer Organe von Fachärzten diagnostiziert und operiert. Bei der Gefäßchirurgie geht es um Erkrankungen des Gefäßsystemes und in die Thoraxchirurgie befasst sich mit Krankheiten oder Fehlbildungen der Brust, des Rippenfells, der Lunge, des Bronchialsystems oder der Thoraxwand. In der Unfallchirurgie werden Verletzungen und Folgezustände eines Unfalles schnell aufgedeckt und behandelt.
Neben der erforderlichen Voruntersuchung und nach Erhebung der Krankheitsvorgeschichte wird eine Diagnose gestellt und die Behandlung oder Operation durchgeführt. Voruntersuchungen werden in der Regel mit dem Ultraschall- oder Röntgengerät durchgeführt. Fachärzte der Allgemeinchirurgie nehmen beispielsweise den Blinddarm raus, führen Eingriffe an Dünn- und Dickdarm durch und nehmen Eingriffe an der Gallenblase vor. Sie nähen im Rahmen eines Unfalles gerissene Sehnen, behandeln Knochenbrüche und entfernen nach Abschluss des Heilungsprozesses eingesetzte Metallteile. Sollte der Meniskus verletzt sein, muss eine Kniespiegelung durchgeführt werden. Des Weiteren wird eine geeignete Nachsorge und Rehabilitationsmaßnahme eingeleitet. Um Krankheiten recht früh zu erkennen oder diesen vorzubeugen, wird eine Beratung und eine Vorsorgeuntersuchung angeboten. Bei Notfällen wird direkt nach der Diagnose medizinische Hilfe geleistet.
Neben den medizinischen Aufgaben wird der Chirurg auch viele organisatorische und verwaltungstechnische Arbeiten ausführen. Der Verlauf von Behandlungen muss dokumentiert, Gutachten erstellt und Leistungsabrechnungen überwacht werden. Ärzte, die im Krankenhaus tätig sind, müssen weniger Papierkram erledigen und sind zunehmend für die Patienten verantwortlich.
Ablauf vor einer OP
Vor einer jeden Operation muss ein eingehendes Gespräch mit dem Patienten stattfinden. Bei diesem Gespräch geht es um die Krankheitsgeschichte und die vorliegenden Beschwerden. Daraufhin werden entsprechende Voruntersuchungen veranlasst und die Ergebnisse interpretiert. Im Anschluss daran wird dann das genaue Vorgehen mit dem Patienten abgesprochen und über mögliche Risiken bei einer OP aufgeklärt.
Minimalinvasive Eingriffe
Fachärzte der Allgemeinchirurgie erledigen viele operative Eingriffe. Von besonderer Bedeutung sind die minimalinvasiven Eingriffe, da hierbei alles mit höchster Präzision und in kleinen Schritten durchgeführt werden muss. Um zur Operationsstelle zu gelangen, wird eine Minikamera verwendet, die das Operationsfeld auf einen Bildschirm überträgt. Teilweise wird auch mittels Assistenzsystemen operiert, wobei Fachärzte die Instrumente über einen Computer steuern.
Wann muss man zum Chirurgen und welche Facharztrichtungen gibt es in diesem Bereich?
In der Regel wird man von einem Haus- oder Facharzt an einen Allgemeinchirurgen überwiesen, wenn die Notwendigkeit dazu besteht. Darüber hinaus wird man nach einem schwereren Unfall möglicherweise automatisch mit dem Rettungswagen in die Unfallchirurgie gefahren und somit von einem Allgemeinchirurgen behandelt.
Die Chirurgie in Deutschland umfasst seit 2008 insgesamt acht Facharztrichtungen:
- Die Allgemeinchirurgie
- Die Gefäßchirurgie
- Die Herzchirurgie
- Die Kinderchirurgie
- Die Orthopädie
- Die Plastische und Ästhetische Chirurgie
- Die Thoraxchirurgie
- Die Viszeralchirurgie
Weitere operative Fächer sind die HNO-Heilkunde, die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, die Neurochirurgie, die Urologie, die Frauenheilkunde und die Dermatologie. Da aber jedes Land eine eigene Weiterbildungsordnung hat, sind diese Einteilungen nicht allgemeingültig.