
Fachgebiet: Urologie
Der Arzt
Ein Urologe ist verantwortlich für die Erkennung und Behandlung von Erkrankungen der harnbildenden und harnableitenden Organe. Hierzu gehören in erster Linie Niere, Blase und Harnleiter. Zwar wird der Urologe vorwiegend von erwachsenen Männern aufgesucht, der Mediziner ist jedoch als Facharzt auf seinem Gebiet auch für urologische Erkrankungen bei Kindern zuständig, zum Beispiel Phimose (Vorhautverengung). Ebenso hilft er unterstützend bei urologischen Erkrankungen älterer Frauen, die nicht vom Gynäkologen übernommen werden können. Der Urologe deckt ein Teilgebiet der Medizin ab und fungiert als Bindeglied zwischen Andrologie, Gynäkologie, Onkologie und Chirurgie.
Die Geschichte der Urologie
Die Wurzeln dieses noch recht jungen eigenständigen Fachgebietes reichen bis in die Antike zurück. Bereits 1000 Jahre vor unserer Zeitrechnung praktizierten im antiken Ägypten Urologen, legten Blasenkatheter und behandelten Blasensteine. Letztere allerdings mit fragwürdigen Methoden, weil das "Herausschneiden" zwar bekannt, aber bei den Urologen verpönt war. Im antiken Griechenland beschäftigte sich Hippokrates mit der Erforschung und Behandlung urologischer Erkrankungen. Er klassifizierte als erster Arzt die Störungen beim Wasserlassen lediglich anhand von Patientenbeobachtungen, da anatomische Studien an Leichen nicht erlaubt waren. Die Behandlung beschränkte sich zur damaligen Zeit auf das Beobachten zu Studienzwecken und diente selten der Heilung. Später wurden die Operationstechniken verfeinert, um Blasensteine zu entfernen. Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts starb etwa ein Drittel der Patienten, weil die Operation ohne Narkose durchgeführt wurde. Heute ist eine Blasen- oder Nierenstein-OP per Endoskopie Routine. Die Erkennung und Behandlung gehört zum Grundwissen eines jeden Urologen.
Die Behandlungsgebiete
Erkrankungen der Harnwege (Harnblase, Harnleiter, Nieren)
Entfernung von Blasen- und Nierensteinen per OP oder Ultraschall
Behandlung von Darmerkrankungen
Behandlung von Prostataerkrankungen
Krebsvorsorgeuntersuchungen (PSA oder Tastuntersuchung)
Behandlung bei Krankheiten der Geschlechtsorgane
Funktionsbehandlung der Sexualorgane
Libido-Beratung
Beratung bei Geschlechtsumwandlung
allgemeine Gesundheitschecks
Der Patient
Ein Urologe behandelt in erster Linie männliche Patienten. Spätestens, wenn es beim Wasserlassen zu Problemen kommt, suchen Männer einen Urologen auf. Eine Blasenentzündung tritt fast immer gemeinsam mit einer Entzündung der Prostata auf. Meist ist eine Erkrankung ursächlich für die andere. Auch Blasensteine verursachen Schmerzen beim Wasserlassen. Der Besuch beim Urologen ist für Männer vergleichbar mit einem Besuch beim Gynäkologen für Frauen: nicht beliebt, aber in regelmäßigen Abständen notwendig. Bei Potenzproblemen ist der Urologe ebenfalls der erste Ansprechpartner für betroffene Männer.
Wann zum Urologen?
Schmerzen beim Wasserlassen
veränderter oder geteilter Urinstrahl
verfärbter Urin
Schmerzen im unteren Bauchraum
Schmerzen beim Stuhlgang
Penisverletzungen, Vorhautprobleme
Potenzprobleme
Krebsvorsorge (Prostata, Darm), zuzahlungsfrei ab dem 45. Lebensjahr
Schreckgespenst Prostata-Krebs
Krebserkrankungen der Vorsteherdrüse (Prostata) gehören zu den häufigsten Krebsarten bei Männern ab 45 Jahre. Je früher die Diagnosestellung erfolgt, desto größer sind die Heilungschancen. Eine rechtzeitige Früherkennung bedingt ein optimales Behandlungsergebnis. Dennoch wird der Gang zum Urologen von vielen Männern hinausgezögert, weil das Abtasten durch den Anus als äußerst unangenehm empfunden wird. Inzwischen gibt es mit der PSA-Methode eine schmerzfreie Untersuchungsmethode, bei der eventuelle Krebszellen über das Blutbild erkannt werden. Die Ergebnisse sind sogar deutlich präziser als bei der herkömmlichen Tastmethode.
Der direkte Weg zum Urologen
Eine Frau benötigt für den Besuch beim Gynäkologen keine Überweisung, ein Mann benötigt ebenfalls keine Überweisung zum Urologen und kann diesen ohne Umwege über den Hausarzt bei Beschwerden direkt aufsuchen. Wer regelmäßig zum Hausarzt geht, wird rechtzeitig auf anstehende Vorsorgetermine hingewiesen. Eine Überweisung ist nicht nötig, aber es sollte ein Termin beim Urologen vereinbart werden. Der Hausarzt kann jedoch Empfehlungen für einen guten Urologen in der Nähe geben. Allgemeinärzte und Urologen arbeiten oft Hand in Hand.
Kassenleistung oder Zuzahlung?
Die meisten urologischen Leistungen sind Kassenleistungen. In einigen Fällen werden Zuzahlungen fällig, zum Beispiel für die Labordiagnostik bei einer Krebsvorsorgeuntersuchung vor dem 45. Lebensjahr bei nicht vorhandener Indikation (beispielsweise ohne erbliche Vorbelastung). Über die genauen Leistungen der Krankenkasse informieren sich die Betroffenen bitte direkt vor Ort.