
Was bedeutet Diabetologie?
Als ein Teil der Humanmedizin beschäftigt sich die Diabetologie mit der Komplexität der Krankheit Diabetes mellitus. Es handelt sich dabei um eine spezielle Fachrichtung, welche die Ärzte erst nach einer intensiven 2-jährigen Weiterbildung ausüben dürfen. Nur durch eine fachliche Weiterbildung kann das umfassende Wissen über Diabetes mellitus Typ 1 sowie Typ 2 und etwaige Sonderformen vermittelt werden. Im Fachgebiet Diabetologie, welches klinisch der Inneren Medizin zugeordnet wird, sind also Diabetologen als speziell geschulte, kompetente Experten für das Krankheitsbild Diabetes mellitus zuhause. Diese stellen sowohl ambulant als auch stationär mit Diagnose, Therapie und Forschung eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung von Diabetikern sicher. Patienten sollten bei Verdacht oder bereits bestehendem Diabetes mellitus einen niedergelassenen Arzt mit dieser Spezialisierung aufsuchen.
Die Volkskrankheit Diabetes mellitus und ihre Folgen
Es gibt in Deutschland gegenwärtig mehr als 6 Millionen Menschen, die an Diabetes erkrankt sind. Betroffen sind dabei Menschen in jeder Altersgruppe, wobei die Anzahl bekannter Fälle mit zunehmendem Alter steigt. Die Krankheit ist dadurch gekennzeichnet, dass der Traubenzuckergehalt des Blutes (Blutzucker) dauerhaft erhöht ist. Es werden hauptsächlich zwei Diabetes-Typen unterschieden. Der Diabetes mellitus Typ 1 entsteht, weil die in der Bauchspeicheldrüse angesiedelten Betazellen, die für die Produktion von Insulin verantwortlich sind, nicht ausreichend vorhanden sind. Da die Krankheit häufig bereits in der Jugend auftritt, wird der Typ 1 Diabetes auch als juveniler Diabetes bezeichnet. Bei dem Typ 2 Diabetes sprechen vornehmlich die eigenen Körperzellen in zu geringem Maße auf das Insulin an. Hinzu kommt eine unzureichende Funktion der Betazellen. Diese Form des Diabetes tritt bei 95 Prozent aller Diabetesfälle auf. Sie zeigt sich häufig nach dem 40. Lebensjahr. Im Volksmund wird daher auch vom Alterszucker gesprochen. Weitere Sonderformen wie Schwangerschaftsdiabetes kommen ebenfalls in der Praxis vor.
Damit schwerwiegende gesundheitliche Probleme sowie Folgekrankheiten vermieden werden können, sollten sich Patienten frühestmöglich an einen Diabetologen wenden. Zu den typischen Begleiterkrankungen bei Diabetes gehören:
Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arterienverkalkung (Arteriosklerose), koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt (Myokardinfarkt) oder Schlaganfall (Apoplex)
diabetisches Fußsyndrom bis hin zu Amputation
seelische Belastung (Depression)
Sehstörungen (Retinopathie)
Nervenschädigungen (Polyneuropathie)
Nierenerkrankung (Nephropathie)
Mit Hilfe der Diabetologie bessere Behandlungserfolge erzielen
Diabetes ist bereits seit der Antike bekannt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert wurde erstmals Insulin aus Bauchspeicheldrüsen von Schweinen und Rindern gewonnen und klinisch erfolgreich eingesetzt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert wurden Wege zur Bestimmung des Insulinspiegels im Blut und zur Herstellung von gentechnischem Insulin gefunden. Einen großen Stellenwert in der Diabetologie nimmt heute die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ein. Diese Institution ist eine medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft, die sich mit der Forschung, Prävention und Behandlung von Diabetes mellitus befasst.
Diabetes mellitus ist eine chronische Erkrankung und kann niemals völlig geheilt werden. Die Therapie zielt darauf ab, die Lebensqualität der Patienten zu steigern und Folgeerkrankungen zu verhindern. Während Typ 1 Diabetiker ihrem Körper immer Insulin in Form von Spritzen in das Unterhautgewebe zuführen müssen, kann der Typ 2 Diabetiker oft mit einer nichtmedikamentösen Basistherapie den Blutzucker regulieren. Betroffene müssen dafür ihren Lebensstil ändern, indem die sich bei Einhaltung eines dauerhaften Diätplanes ausgewogen ernähren und körperlich aktiv werden. Kann allerdings der Blutzucker nicht angemessen eingestellt werden, müssen Diabetiker zunächst auf orale Antidiabetika zurückgreifen, bei weiterhin bestehenden Blutzuckerunregelmäßigkeiten schließlich auf Insulin. Dies kann durch Spritzen oder eine Insulinpumpe verabreicht werden. Durch die Behandlung mit einer Insulinpumpe bekommen Patienten kontinuierlich kurz wirkendes Insulin verabreicht.
Eine erfolgreiche Diabetestherapie muss in schwierigen Fällen in Teamarbeit erfolgen. Interdisziplinäre Zusammenarbeit, bei der Diabetologen mit verschiedenen Facharztgruppen, Experten sowie anderen Heilberuflern Hand in Hand arbeiten, ist wesentlich für einen nachhaltigen Therapieerfolg. Bei der Behandlung von Diabetes mellitus findet daher ein Austausch zwischen den behandelnden Diabetologen, Hausärzten, Neurologen, Psychiatern oder Psychologen statt. Für Diabetiker gibt es spezielle Schwerpunktpraxen. Unter dem Praxispersonal befinden sich Diätassistenten, Diabetesberater, Diabetesassisten oder auch spezielle Wundassistenten. In dort angebotenen Schulungskursen kann mit den Patienten über Problematiken wie Diät, Tabletten-, Insulin- oder Insulinpumpenbehandlung gesprochen werden. Bei Bestehen von Folgeerkrankungen finden zudem Konsultationen mit Kardiologen, Augenärzten, Nephrologen, Angiologen, Radiologen, Chirurgen, Podologen oder weiteren Fachärzten für Innere Medizin statt. Der Diabetologe stellt die Schnittstelle zwischen allen Fachrichtungen dar, um mit der Gesamtheit aller Informationen eine bestmögliche Therapie ermöglichen zu können.
Therapeutische Möglichkeiten und Grenzen in der Diabetesbehandlung
Die therapeutischen Möglichkeiten in der Diabetologie sind vielfältig. Jeder Patient mit Diabetes erfordert eine individuelle, auf ihn zugeschnittene Behandlung. Die Ziele der Diabetestherapie sind die Einstellung des Blutzuckerspiegels und dadurch die Vermeidung von Akutkomplikationen. Ohne Therapie können sowohl Hypoglykämie (Unterzuckerung) als auch Hyperglykämie (Überzuckerung) zu lebensbedrohlichen Zuständen führen. Allerdings ist für den Erfolg der Therapie die Mitarbeit des Patienten, die so genannte Compliance, entscheidend. Nur bei Veränderungsbereitschaft und aktiver Mitwirkung kann eine Diabetestherapie die gewünschte Wirkung zeigen. Mit Hilfe von DDG-zertifzierten Schulungsprogrammen kann sich jeder Patient Fachwissen über die eigene Krankheit aneignen, um so damit besser umgehen zu können.
In der Diabetologie wird die Diagnostik und Therapie aller Diabetesformen durchgeführt. Zur Versorgung zählen hierbei Maßnahmen wie
Blutzuckermessungen, oraler Glukosetoleranztest sowie Langzeitblutzuckermessungen
Durchblutungsmessungen
Urin-Diagnostik
Diabetes-Antikörper-Diagnostik
Polyneuropathie-Diagnostik
Von der gesetzlichen Krankenkasse werden nicht alle Leistungen bezahlt. So werden meist nur bei insulinpflichtigen Patienten die Kosten für ein Blutzuckermessgerät sowie die dafür notwendigen Teststreifen übernommen. Auch bei Sehhilfen bekommen Patienten keine Zuschüsse. Allerdings bieten viele gesetzliche Krankenkassen vermehrt kostenlose Zusatzleistungen an. Zu den Angeboten können beispielsweise ein Diabetes-Extra-Check für die Augen, Risikobestimmung für diabetestypische Begleiterkrankungen, Herz-Gefäß-Check, Akupunktur sowie Homöopathie zählen. Individuelle Gesundheitsleistungen (IGel) wie die kontinuierliche Glukosemessung oder spezielle Blut- sowie Ultraschalluntersuchungen werden zwar angeboten, müssen allerdings privat bezahlt werden. In der Diabetologie können zudem kostenpflichtige alternative Heilmethoden wie Eigenbluttherapie, Hypnose oder Infusionsbehandlungen therapiebegleitend angewendet werden. Eine entsprechende private Zusatzversicherung kann sinnvoll sein, um als Diabetiker mehr Anspruch auf überdurchschnittliche Leistungen zu haben.