
Die Rheumatologie beschäftigt sich mit der Diagnose und Therapie von chronischen Krankheiten. Derzeit werden mehr als 400 Krankheiten unter dem Rheumatischen Aspekt zusammengefasst. Die Ursache einer solchen Erkrankung liegt meistens bei einer Auto-Immunerkrankung oder ist die Folge von Verschleißerscheinungen. Auto-Immunerkrankungen gehen oft mit Entzündungsprozessen einher.
Rheumatische Erkrankungen - Wann sollte der Rheumatologe aufgesucht werden?
Meistens werden rheumatische Erkrankungen durch Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparates (Muskeln, Sehnen, Skelett) bemerkt. Aber auch Störungen des Stoffwechsels, Fehlfunktionen innerer Organe und Erosionen von Hautpartien sowie Schäden der Sinnesorgane können mögliche Symptome darstellen. Besonders häufige Erkrankungen sind die rheumatoide Arthritis (entzündliche Erkrankung der Gelenke), der Morbus Bechterew (chronische Entzündung, bei der die Gelenke versteifen), die Polychondritis (Knorpelkrankheit) und der Lupus erythematodes (das körpereigene Immunsystem ist fehlreguliert und richtet sich gegen eigene Zellen).
Andere Erkrankungen im rheumatischen Bereich lösen Schmerzen aus, ohne nachweisbare Entzündungsaktivität. Solche Symptome treten oft infolge von Stoffwechselstörungen (Osteoporose) oder Abnutzungserscheinungen (Arthrose) auf.
Sollten beschriebene Beschwerden auftreten, ist es immer sinnvoll, einen Rheumatologen aufzusuchen. Oftmals ist es jedoch so, dass zunächst der Hausarzt konsultiert wird und dieser den Patienten dann zu einem Spezialisten überweist. Rheumaexperten findet man sowohl in Krankenhäusern auch selbstständig in Praxen.
Was macht ein Rheumatologe
Aufgrund der hohen Anzahl rheumatischer Erkrankungen, die sich in Symptomen, Ursachen, dem Verlauf sowie der Behandlung unterscheiden, wurde in Deutschland ein neuer Spezialbereich eingeführt. Die Rheumatologie ist eine Zusatzausbildung für Ärzte, die im Durchschnitt 2 Jahre andauert und an die Facharztweiterbildung der Orthopädie oder der Inneren Medizin angeschlossen werden kann. In Deutschland gibt es aus diesem Grund viele Internisten und Orthopäden mit dem Schwerpunkt der Rheumatologie. Die zusätzliche Ausbildung muss immer an einer anerkannten rheumatologischen Ausbildungsstätte stattfinden und mit einer Prüfung abgeschlossen werden. Internisten, die sich der rheumatologischen Zusatzausbildung unterziehen, legen den Schwerpunkt meistens auf die Differntialdiagnostik und die Diagnostik rheumatischer Krankheiten sowie die konservativen, also nicht operativen, Therapiemöglichkeiten. Eine Weiterbildung im Anschluss an eine Orthopädie-Fachausbildung umfasst eher den operativen Aspekt, sodass hier eher spezielle rheumachirurgische Techniken erlernt werden. Ein besonders wichtiger Teil der Ausbildung stellt außerdem die Schmerztherapie dar.
Sobald der Verdacht auf eine rheumatologische Krankheit besteht, sollte der Hausarzt seinen Patienten an einen Rheumatologen überweisen. Rheumatische Erkrankungen sind sehr komplex und die Diagnose extrem schwer, sodass nur Experten diagnostizieren und behandeln sollten. Der Rheumatologe wird jedoch in ständigem Kontakt mit dem Hausarzt stehen. Besonders wichtig ist, dass die Überweisung an den Experten sehr schnell erfolgt, da die Behandlung nur dann ideal stattfinden kann. Je früher die Krankheit erkannt und behandelt wird, umso länger wird es dem Patienten gut gehen. Folgeschäden, lange Aufenthalte im Krankenhaus und Berufsunfähigkeit lassen sich dann außerdem in den meisten Fällen vermeiden.
Rheumatologen arbeiten in der Regel eng mit Physiotherapeuten, Orthopädietechnikern, Psychologen, Sozialarbeiten, orthopädischen Chirurgen und Ergotherapeuten zusammen. Nur die wenigsten kooperieren auch mit Naturheilkundlern, Heilpraktikern oder Ernährungsberatern, obwohl das in vielen Fällen recht sinnvoll sein kann und sich meistens positiv auf den Gesundheitszustand des Patienten auswirkt. Häufig stützt sich die Therapie der komplexen Krankheitsbilder auf eine physikalische und medikamentöse Therapie, später müssen natürlich auch erforderliche Hilfsmittel sowie psychologische und soziale Beratung in Anspruch genommen werden. Unter Umständen müssen Operationen durchgeführt werden.
Konservative Behandlungsformen
Die Therapie setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen. In erster Linie werden Medikamente verschrieben, die je nach angestrebtem Therapieziel anders wirken. Um die Lebensqualität zu sichern und Schmerzen zu lindern, werden zunächst Schmerzmittel wie Ibuprofen verschrieben. Entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken cortisonfreie Entzündungshemmer, die ebenfalls oft zum Einsatz kommen. Abgeschlagenheit, Gewichtsabnahme und Leistungsminderung können hiermit jedoch nicht behoben werden. Cortison ist ein sehr stark entzündungshemmendes Medikament, das ebenso lokal wie auch auf systemische Entzündungen wirkt. Bei akuten Krankheitsschüben oder niedrigdosiert als Langzeittherapie stellt das Medikament eine wichtige Komponente für eine erfolgreiche Behandlung dar. Antirheumatika kommen zum Einsatz, um eine Krankheitsremission zu bewirken. Die Krankheitserscheinungen sollen also nach und nach zurückgehen. Chronische Entzündungen am Knochen oder Knorpel können somit aufgehalten werden. Krankheitskontrollierende Medikamente können den Krankheitsverlauf unter Umständen stoppen. In den USA wurde im Jahr 2001 das Medikament Etanercept (Enbrel) erstmals gegen die chronische Polyarthritis zugelassen.
Neben der Einnahme von Medikamenten müssen Erkrankte aber auch Krankengymnastik betreiben. Aber auch andere physikalische Therapien (Massagen, Kälte-Wärme-Anwendungen und Elektrotherapien) können sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken. Unter Umständen werden während einer Operation bei Fehlstellungen Korrekturen durchgeführt, sodass der Patient sich wieder schmerzfrei bewegen kann. Zur Schmerzbewältigung ist oftmals eine psychologische Betreuung notwendig.