Clostridium-difficile-Infektion – Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung
Eine Clostridium-difficile-Infektion ist eine bakterielle Darminfektion, die vor allem nach einer Antibiotikatherapie auftreten kann. Auslöser ist meist nicht eine Ansteckung allein, sondern eine Störung der normalen Darmflora, wodurch sich giftbildendes Clostridioides difficile stark vermehren kann. Typisch sind plötzlich einsetzende, wässrige Durchfälle, oft begleitet von Bauchschmerzen und Fieber; die Beschwerden reichen von mild bis lebensbedrohlich.
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Patienten und Patientinnen im Krankenhaus oder Pflegeeinrichtungen sowie Personen mit schweren Grunderkrankungen oder geschwächtem Immunsystem. Die Diagnose wird in der Regel durch Stuhluntersuchungen gestellt. Die Behandlung richtet sich nach Schweregrad und Rückfallrisiko und umfasst unterstützende Maßnahmen sowie – häufig – eine gezielte antibiotische Therapie unter ärztlicher Kontrolle.
Dieser Beitrag dient der medizinischen Orientierung und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Eine(n) entsprechende(n) Arzt oder Ärztin finden Sie in unserer Arztsuche.
Definition: Was ist eine Clostridium-difficile-Infektion?
Die Clostridium-difficile-Infektion (CDI) ist eine durch Clostridioides difficile verursachte Entzündung des Dickdarms (Kolitis). Krankmachend sind vor allem Stämme, die Giftstoffe (Toxine) bilden und dadurch die Darmschleimhaut schädigen. CDI gilt als häufige Ursache der nosokomialen (im Zusammenhang mit medizinischer Behandlung erworbenen) Durchfallerkrankungen, kann aber bei entsprechenden Risikofaktoren auch außerhalb von Krankenhäusern auftreten.
Wichtig zur Einordnung: Viele Menschen tragen C. difficile im Darm, ohne krank zu sein (Besiedelung/„Kolonisation“). Von einer Infektion spricht man in der Regel erst, wenn typische Symptome auftreten und giftbildendes C. difficile nachgewiesen wird.
Andere Namen und medizinische Bezeichnungen der Clostridium-difficile-Infektion
- Clostridioides-difficile-Infektion (heutige Gattungsbezeichnung; früher Clostridium)
- C.-difficile-Infektion (Abkürzung: CDI)
- C.-difficile-assoziierte Diarrhö (Durchfall; teils auch „CDAD“)
- Pseudomembranöse Kolitis (schwere Verlaufsform mit typischen Belägen an der Darmschleimhaut)
Womit die Clostridium-difficile-Infektion verwechselt werden kann
Wässriger Durchfall und Bauchschmerzen sind unspezifisch. Häufige oder wichtige Differenzialdiagnosen (mögliche andere Ursachen) sind:
- Antibiotika-assoziierte Diarrhö ohne CDI (Durchfall als Nebenwirkung ohne C. difficile)
- Akute infektiöse Gastroenteritis (z. B. Norovirus, Rotavirus, Salmonellen)
- Schub einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (z. B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
- Andere Kolitiden (z. B. ischämische Kolitis, medikamentenbedingte Kolitis, pseudomembranöse Kolitis)
Bei starkem Krankheitsgefühl, Blut im Stuhl, hohem Fieber, Kreislaufproblemen oder ausgeprägten Bauchschmerzen sollte eine zeitnahe ärztliche Abklärung erfolgen.
Symptome der Clostridium-difficile-Infektion
Typische Beschwerden sind:
- Plötzlich einsetzender, wässriger Durchfall (häufig, teils übelriechend)
- Bauchschmerzen und krampfartige Beschwerden
- Fieber
- Übelkeit, ggf. Appetitlosigkeit
Je nach Schweregrad können zusätzlich auftreten:
- Blutiger oder schleimiger Stuhl
- Zeichen von Flüssigkeitsmangel (Dehydratation): starker Durst, Schwindel, wenig Urin
- Allgemeine Schwäche
Warnzeichen (sofort ärztlich abklären, ggf. Notfall):
- sehr häufige Durchfälle mit deutlicher Austrocknung oder Kreislaufproblemen
- starke, zunehmende Bauchschmerzen, geblähter Bauch, fehlender Stuhl-/Windabgang (Hinweis auf Darmverschluss/Ileus)
- hohes Fieber, Blut im Stuhl, Verwirrtheit
- Anzeichen einer schweren Infektion wie Sepsis (z. B. kalte/feuchte Haut, schneller Puls, schnelle Atmung)
Ursachen und Risikofaktoren der Clostridium-difficile-Infektion
Die unmittelbare Ursache ist eine Überwucherung des Darms mit C. difficile und Toxinbildung (Giftbildung). Entscheidend ist häufig eine Verschiebung der Darmflora, z. B. nach Antibiotika.
Risikofaktoren sind:
- Antibiotikatherapie (besonders in den Wochen nach der Einnahme; Risiko je nach Antibiotikaklasse unterschiedlich)
- Krankenhausaufenthalt oder Aufenthalt in Pflege-/Gemeinschaftseinrichtungen des Gesundheitssystems
- Höheres Alter (> 65 Jahre)
- Frühere CDI (Rückfallrisiko erhöht)
- Immunsuppression (z. B. nach Organ-/Stammzelltransplantation, bestimmte Therapien)
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
- Schwere Begleiterkrankungen
Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang der Einnahme von Protonenpumpenhemmern (PPI) und einer Clostridium-difficile-Infektion, eine eindeutige Kausalität ist jedoch noch nicht sicher.
Übertragung und Ansteckung der Clostridium-difficile-Infektion
C. difficile wird über den Stuhl ausgeschieden. Die Übertragung erfolgt meist fäkal-oral (Keime gelangen über Hände/Flächen in den Mund). Die Bakterien können als Sporen sehr widerstandsfähig sein und lange auf Oberflächen überleben.
Wichtige Punkte für den Alltag und den Klinikbereich:
- Nicht jede Ansteckung führt zur Erkrankung. Ob Symptome entstehen, hängt stark von individuellen Risikofaktoren (v. a. Antibiotika/geschwächte Darmflora) ab.
- Händehygiene ist zentral: In Risikosituationen ist Waschen mit Wasser und Seife besonders wichtig, da Sporen durch alkoholische Händedesinfektion nicht zuverlässig entfernt werden.
- In medizinischen Einrichtungen werden bei CDI häufig Kontaktmaßnahmen/Isolierung und sporizide Flächendesinfektion eingesetzt.
Diagnose der Clostridium-difficile-Infektion
Die Abklärung erfolgt in der Regel durch:
- Anamnese: Durchfallbeginn, Antibiotika in den letzten Wochen/Monaten, Krankenhaus-/Pflegeaufenthalt, Vorerkrankungen
- Körperliche Untersuchung: Kreislauf, Bauchbefund, Zeichen der Austrocknung
- Stuhldiagnostik: Leitlinien empfehlen einen Algorithmus, der ein hochsensitives und ein hochspezifisches Testverfahren kombiniert (z. B. Screening über GDH oder molekularen Toxingen-Nachweis und Bestätigung über Toxinnachweis).
- In der Regel wird nur ungeformter/breiig-wässriger Stuhl getestet.
- Wiederholtes Testen ohne neue klinische Hinweise („Test of cure“) ist üblicherweise nicht sinnvoll.
- Labor (je nach Schweregrad): Blutbild, Entzündungswerte, Elektrolyte, Nierenwerte zur Schweregradeinschätzung
- Bildgebung/Endoskopie: Bei schweren Verläufen oder Komplikationsverdacht (z. B. Ileus, toxisches Megakolon, Perforation)
Welche Fachrichtungen beteiligt sind, hängt vom Verlauf ab (Hausarzt und Hausärztin, Innere Medizin, Gastroenterologie, Infektiologie, ggf. Chirurgie).
Behandlung der Clostridium-difficile-Infektion
Die Therapie richtet sich nach Schweregrad, Rückfallrisiko und Begleiterkrankungen. Sie erfolgt ärztlich gesteuert; eine Selbstbehandlung ist wegen möglicher Komplikationen nicht geeignet.
Allgemeine Maßnahmen
- Ausreichend Flüssigkeit und Elektrolyte (oral oder bei Bedarf intravenös)
- Auslösendes Antibiotikum (wenn möglich) beenden oder umstellen – immer in ärztlicher Abstimmung
- Mittel, die die Darmbewegung hemmen (z. B. Loperamid), sollten bei Verdacht auf CDI ohne ärztliche Rücksprache nicht eingenommen werden.
Spezifische antibiotische Therapie (typisch)
Aktuelle deutschsprachige Leitlinien empfehlen für die Primärtherapie in der Regel Fidaxomicin oder Vancomycin (oral) über 10 Tage.
Metronidazol wird in vielen Leitlinien nicht mehr als bevorzugte Erstlinientherapie empfohlen und kommt eher in Betracht, wenn die erstgenannten Optionen nicht verfügbar oder nicht geeignet sind (ärztliche Einzelfallentscheidung).
Therapie bei schweren/komplizierten Verläufen
Bei schweren Verläufen oder Komplikationszeichen (z. B. Ileus, toxisches Megakolon) sind häufig stationäre Behandlung, engmaschige Kontrollen und ggf. kombinierte Therapiestrategien erforderlich. In solchen Situationen kann eine chirurgische Mitbeurteilung notwendig sein.
Behandlung von Rückfällen
Rückfälle können auftreten. Je nach Situation kommen (leitlinienabhängig) u. a. infrage:
- erneute Therapie mit Fidaxomicin oder Vancomycin (ggf. als Ausschleich-/Pulsregime)
- Fäkale Mikrobiota-Transplantation (FMT) bei mehrfachen Rezidiven unter spezialärztlicher Betreuung
- Bezlotoxumab (monoklonaler Antikörper gegen Toxin B) als Zusatz zu einer antibiotischen Therapie bei erhöhtem Rückfallrisiko – falls verfügbar und geeignet
Verlauf, Dauer und Prognose bei der Clostridium-difficile-Infektion
Der Verlauf ist sehr unterschiedlich:
- Milde Verläufe können sich nach Absetzen des auslösenden Antibiotikums und unter ärztlicher Beobachtung bessern.
- Typische Krankheitsdauer hängt von Schweregrad und Therapie ab; unter gezielter Behandlung bessern sich Symptome häufig innerhalb weniger Tage, die vollständige Erholung kann jedoch länger dauern.
- Schwere Verläufe können zu Komplikationen wie Ileus, toxischem Megakolon, Perforation oder Sepsis führen und sind potenziell lebensbedrohlich.
Rückfälle sind möglich – besonders bei älteren Menschen, nach vorausgegangener CDI oder bei schweren Begleiterkrankungen. Die Prognose hängt stark davon ab, wie schnell eine adäquate Diagnostik, Therapie und Hygiene-/Schutzmaßnahmen erfolgen.
Häufige Fragen zur Clostridium-difficile-Infektion
Ist eine Clostridium-difficile-Infektion ansteckend?
Ja, die Erreger werden mit dem Stuhl ausgeschieden und können über Hände und kontaminierte Oberflächen übertragen werden. Krank werden jedoch vor allem Menschen mit Risikofaktoren (z. B. nach Antibiotika).
Wie steckt man sich mit der Clostridium-difficile-Infektion an?
Meist über Schmierinfektionen: Sporen gelangen von Stuhlresten über Hände oder Flächen in den Mund. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ist das Risiko erhöht.
Welche Symptome sind typisch für eine Clostridium-difficile-Infektion?
Plötzlich einsetzender wässriger Durchfall, Bauchschmerzen und Fieber sind typisch. Blutige Stühle, starke Schwäche oder Austrocknung sprechen für einen schwereren Verlauf.
Wann sollte ich bei einer Clostridium-difficile-Infektion zum Arzt oder zur Ärztin?
Wenn Durchfall nach oder während einer Antibiotikatherapie auftritt, ist eine zeitnahe Abklärung sinnvoll. Sofortige Hilfe ist nötig bei Kreislaufproblemen, starkem Bauchschmerz, hohem Fieber, Blut im Stuhl oder deutlicher Austrocknung.
Wie wird eine Clostridium-difficile-Infektion diagnostiziert?
Üblicherweise durch Stuhltests bei ungeformtem Stuhl, kombiniert in einem diagnostischen Algorithmus (Screening plus Bestätigung, z. B. Toxinnachweis). Bei schweren Verläufen kommen zusätzlich Bluttests und ggf. Bildgebung/Endoskopie hinzu.
Wie wird die Clostridium-difficile-Infektion behandelt?
Je nach Schweregrad: supportive Maßnahmen (Flüssigkeit/Elektrolyte) und häufig eine gezielte antibiotische Therapie, typischerweise mit Fidaxomicin oder oralem Vancomycin. Die genaue Auswahl trifft der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin.
Wie lange ist man bei einer Clostridium-difficile-Infektion ansteckend?
Die Ausscheidung kann während der akuten Erkrankung hoch sein; Sporen können zudem in der Umgebung lange überleben. In medizinischen Einrichtungen werden Schutzmaßnahmen meist mindestens bis nach Abklingen der Durchfälle fortgeführt.
Kann eine Clostridium-difficile-Infektion wiederkommen?
Ja. Rückfälle sind möglich, besonders bei Risikofaktoren (z. B. höheres Alter, vorherige CDI, schwere Begleiterkrankungen). Bei wiederholten Rezidiven (Rückfällen) kommen spezielle Therapiekonzepte wie Vancomycin-Pulsregime oder FMT infrage.
Ist eine Clostridium-difficile-Infektion gefährlich?
Sie kann mild verlaufen, aber auch schwere Komplikationen verursachen. Warnzeichen sind z. B. starke Bauchschmerzen, aufgeblähter Bauch, Blut im Stuhl, hohes Fieber, Kreislaufprobleme oder Zeichen einer Sepsis.
Quellen
Autor
Elisabeth Maußner ist studierte Journalistin und schreibt bei der ärzte.de MediService GmbH & Co. KG seit 2017 zu medizinischen Themen. Ihr Ziel: komplexe Zusammenhänge und wissenschaftliche Hintergründe einfach und für jeden verständlich auszudrücken. Die erfahrene Autorin hat bereits über 400 Artikel zu Gesundheits- und Medizinthemen verfasst, die u.a. auf aerzte.de, sanego.de und arzttermine.de veröffentlicht wurden.
Außerdem durfte sie Erfahrung beim Radio und beim Produzieren von Videos sammeln.
Persönlich interessiert sie sich insbesondere für Kinder- und Frauengesundheit, eine ausgewogene, intuitive Ernährung und die Digitalisierung im Gesundheitswesen.