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Lungenentzündung

Jährlich erkranken etwa 800.000 Menschen an einer Lungenentzündung (Pneumonie). Ursache ist eine Infektion des Lungengewebes und/oder der Lungenbläschen mit Bakterien (Streptokokken, Pneumokokken, Legionellen), Viren (Grippeviren, Windpockenviren), Pilzen (Schimmelpilzen) und Parasiten. Aber auch Fremdkörper und Allergien können Auslöser einer Lungenentzündung sein. Eine Lungenentzündung kann sich in verschiedenen Bereichen der Lunge entwickeln. Eine Lobärpneumonie befällt einen Lungenlappen, die Bronchialpneumonie bildet Entzündungsherde in einem oder beiden Lungenflügeln. Fieber, Schüttelfrost und Atembeschwerden sind die typischen Beschwerden einer Lungenentzündung, sie können mehr oder minder stark ausgeprägt sein. Wird eine Lungenentzündung frühzeitig behandelt, heilt sie innerhalb von zwei bis drei Wochen aus. Schwierige Verläufe bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem können jedoch auch zum Tode führen. Vorsorge zu treffen ist daher gerade bei Risikopatienten (Säuglinge, Senioren und Menschen mit chronischen Grunderkrankungen) wichtig.

Was ist eine Lungenentzündung


Lungenentzündung

Eine Lungenentzündung (Pneumonie) ist eine akute oder chronische Entzündung des Lungengrundgewebes, die durch Allergien und Infektionen sowie äußere Reize hervorgerufen werden kann. Verursacher sind meistens Bakterien, Viren oder Pilze, die über die Atemluft in die Lunge gelangen. In seltenen Fällen entsteht eine Lungenentzündung durch Erreger, die aus einem anderen Entzündungsherd, zum Beispiel aus einer Entzündung im Knochen über die Blutbahn in die Lunge geschwemmt werden. Zu den chemischen und physikalischen Auslösern einer Pneumonie zählen eingeatmeter saurer Magensaft, ätzende Reizstoffe wie giftige Gase und bestimmte Medikamente sowie Strahlung bei einer Strahlentherapie.

Wie schwer die Lungenentzündung verläuft, hängt von der persönlichen Verfassung ab. Besonders kompliziert kann die Lungenentzündung werden, wenn ein schlechter Allgemeinzustand besteht und hohes Alter und Krankheiten wie Diabetes, Herz- und/oder Niereninsuffizienz, Alkoholismus hinzukommen.

Unsere Lunge


Unsere Lunge besteht aus zwei großen Flügeln, die den größten Teil unseres Brustkorbes ausfüllen. Die Lungenflügel teilen sich in drei (rechte Seite) und zwei (linke Seit) Lungenlappen. Brustkorb und Lunge sind von den feinen Häuten des Brustfells umgeben, die durch einen flüssigkeitsgefüllten Spalt (Pleura) gegeneinander verschiebbar sind. Rund 12.000 Liter Luft durchströmen täglich unsere Lunge, ein Fünftel davon ist Sauerstoff. Die Atemluft gelangt über die Luftröhre in unseren Körper. Unsere Luftröhre teilt sich in der Brust in den linken und den rechten Hauptbronchus. Diese zwei Äste führen direkt in den linken oder rechten Lungenflügel. Jeder Hauptbronchus verzweigt sich hier in Lappenbronchien, die sich wiederum in Segmentbronchien teilen. Auch diese verzweigen sich immer weiter bis zu kleinsten Broncholi. An deren Ende befinden sich kleine, elastische und dünnwandige Lungenbläschen (Alveolen). In den Lungenbläschen finden die Aufnahme von Sauerstoff und die Abgabe von Kohlendioxid statt. Die Lungenbläschen (Alveolen) sind traubenartig angeordnet, aber teilweise miteinander verschmolzen. An ihrer inneren Oberfläche sind immer weiße Blutkörperchen anwesend, die schädliche Stoffe wie Keime, Chemikalien oder Staub umschließen und zerstören. Die Lungenbläschen sind von einem Kapillarnetz umgeben. Der Sauerstoff gelangt mit der Atemluft in die Lungenbläschen und diffundiert in die Kapillaren. Kohlendioxid geht wiederum aus dem Blut in die Lungenbläschen über. Mit über 300 Millionen Lungenbläschen (Alveolen), die das Lungengewebe bilden, entsteht eine riesige Oberfläche für den Gasaustausch. Diese Oberfläche entspricht das 40-fache unserer gesamten Körperoberfläche!

Um die Lunge vor dem Eindringen von Erregern und Fremdkörpern zu schützen gibt es eine Reihe von Abwehrsystemen. Der Hustenreflex ist ein Mechanismus, der Fremdkörper aus den Atemwegen und der Lunge wieder hinaus befördert. Krankheitserreger werden so einfach wieder ausgehustet und können sich deshalb nicht in der Lunge verbreiten.

Weiterhin vollführt eine Zellschicht, an dessen Oberfläche sich ein Bürstensaum aus härchenartigen Fortsätzen (Cilien) befindet, nach oben gerichtete Bewegungen. Dadurch werden Schleim und kleinste Fremdteilchen in Richtung Rachen befördert. Die Atemwege sind weiterhin mit einer Schutzschicht aus Schleim ausgekleidet, die ein Anheften und Eindringen von Erregern in die Lunge erschweren.

Konnten trotz dieser Schutzmechanismen Krankheitserreger in den Körper eindringen, werden diese durch spezielle Zellen, die zum Immunsystem des Körpers gehören, angegriffen und unschädlich gemacht.

Erst wenn diese fein aufeinander abgestimmten Mechanismen gestört sind oder versagen, können Erreger in die Luftwege eindringen und sich ausbreiten.

Arten der Lungenentzündung


Eine Lungenentzündung, die durch Pilze ausgelöst wird, wird auch als Pilzpneumonie bezeichnet. Der häufigste Erreger ist der Schimmelpilz Aspergillus fumigatus. Er verursacht jedoch kaum Beschwerden, gelegentlich besteht Bluthusten. Diese Lungenentzündung verläuft daher über Monate bis Jahre unauffällig. Bei der Röntgenuntersuchung der Lunge sieht man jedoch einen charakteristischen Ball aus Pilzgewebe (Mycelom) mit Lufteinschlüssen. Bei immungeschwächten Menschen dringen die Pilze in kleinere Gefäße ein, es kommt zu Gefäßverschlüssen und einer Embolie. Im Röntgenbild zeigt sich das unter anderem als 1-2 cm große Knoten.

Bei der Bronchopneumonie (bronchoalveoläre Pneumonie) greifen die bakteriellen Erreger (Staphylokokken, Pseudomonas) von Infektionen der oberen Luftwege wie Bronchitis und Tracheitis auf die benachbarten Alveolarräume der Lunge über. Diese füllen sich mit Schleim, was im Röntgenbild als fleckige Verschattung sichtbar wird.

Die interstitielle Pneumonie wird meist durch Chlamydien, Legionella pneumophila, Mycoplasma pneumoniae oder Viren ausgelöst. Diese Form der Lungenentzündung macht sich durch mäßiges Fieber, aber starke Kopf- und Gliederschmerzen bemerkbar. Die Erreger gelangen in das Gewebe zwischen den Lungenbläschen (Alveolen) und rufen dort Entzündungen hervor. Das stäbchenförmige Bakterium Legionella pneumophila verursacht die Legionärskrankheit. Legionella ist in vielen Warmwasserleitungen vorhanden und vermehren sich auch sehr schnell in wassergefüllten Klimaanlagen. Die Symptome ähneln einer Lungenentzündung. Zusätzlich können jedoch Durchfall, Bauchschmerzen und Gelbsucht auftreten.

Die Viruspneumonie wird beim Erwachsenen durch Grippeviren und Adenoviren ausgelöst, bei Kindern durch Parainfluenza und RS-Viren. Das Beschwerdebild dieser Art von Lungenentzündung ist gekennzeichnet durch Fieber ohne Schüttelfrost, trockenem Husten sowie Hals-und Kopfschmerzen. Häufig gibt es virustypische Vorstadien wie akute Rhinitis, Pharyngitis oder Laryngitis. Als Komplikationen können Myokarditis, Perikarditis, Meningoenzephalitis und Hepatitis auftreten.

Bei der Pneumocystis-carinii-Pneumonie (PcP) ist der Einzeller Pneumocystis carinii der Auslöser. Dieser Krankheitserreger findet sich in den Lungen der meisten Menschen, jedoch bleibt er unbemerkt und richtet beim gesunden Menschen auch keinen Schaden an. Sind die Abwehrkräfte jedoch geschwächt, kann Pneumocystis carinii Entzündungen in den Lungenbläschen und im Lungengewebe hervorrufen. Rund 85 Prozent aller Patienten mit AIDS bekommen diese Form der Lungenentzündung.

Die Aspirationspneumonie entsteht, wenn Essensteilchen beim Erbrechen oder Verschlucken mit und ohne Magensaft in die Lunge gelangen. Der saure Magensaft verätzt, der Fremdkörper reizt das Lungengewebe. Bakterielle Erreger haben somit leichtes Spiel. Diese „eingeatmete“ Lungenentzündung wird durch ein Versagen des Schutzmechanismus (Hustenreflex, Pförtnerklappe am Magen) ausgelöst. Das passiert häufig bei älteren Menschen, bei Bewusstlosigkeit, bei Alkohol- und Medikamentenvergiftung. Ebenfalls gefährdet sind Menschen mit Schluckstörungen, die auftreten können bei Parkinson, Multipler Sklerose, Schädel-Hirn-Trauma, Hirntumor oder nach einem Schlaganfall. Bei Menschen mit diesen Erkrankungen ist nicht nur der Schluckreflex eingeschränkt, sondern auch die Motorik von Mund- und Rachenraum.

Der Lungenabszess ist eine seltene Form der Lungenentzündung. Im Lungengewebe entsteht ein mit Eiter gefüllter Hohlraum, der sich vom gesunden Gewebe abkapselt. Die Erreger eines Lungenabszesses können von einer Parodontitis, also einer Entzündung des Zahnfleisches, auf die Lunge übergreifen. Oft entsteht ein Lungenabszess jedoch auch durch den Verschluss eines Bronchus durch einen Fremdkörper oder einen Lungentumor. Hinter dem Verschluss entsteht eine Schleimansammlung, die nicht abgehustet werden kann und somit zum idealen Nährboden für Erreger wird. Wenn das Immunsystem dann noch geschwächt ist oder eine Vorerkrankung der Lunge wie Tuberkulose oder ein Lungentumor besteht, vermehren sich die Keime besonders leicht.

Extrem selten können infizierte Blutgerinnsel aus einem anderen Körperteil, in dem eine Entzündung stattfindet, in die Lunge gelangen und dort einen Abszess hervorrufen. Häufig entstehen dann mehrere, über beide Lungenflügel verstreute Abszesse. Dies ist vor allem bei Drogenabhängigen, die sich mit verschmutzten Nadeln Drogen spritzen, ein Problem.

Die meisten Lungenabszesse platzen, der eitrige Inhalt des Abszess gelangt in die Bronchien und wird abgehustet. Zurück bleibt ein Hohlraum, der sich mit Luft und Flüssigkeit füllt. Verteilt sich der Eiter hingegen in der Lunge, kann eine Lungenentzündung oder ein akutes Atemnotsyndrom (ARDS) entstehen. Wenn ein Abszess platzt und eine Blutgefäßwand zerreißt, entsteht eine starke Blutung, die unter Umständen auch tödlich enden kann.

Lungenentzündung Komplikationen


Unsere Lunge umgibt eine zweilagige Membran. Zwischen den beiden Blättern der Membran befindet sich im sogenannten Pleuraspalt ein Flüssigkeitsfilm, der eine reibungsarme Lungenbewegung in der Brust am Atmen ermöglicht. Eine Lungenentzündung kann zu einer Flüssigkeitsansammlung von bis zu drei Litern im Pleuraspalt führen. Das bezeichnet man als Pleuraerguss. Die Flüssigkeitsansammlung drückt auf die Lungen, führt zu Atemnot und Brustschmerzen. Behandelt wird der Pleuraerguss, indem der Arzt mit einer Hohlnadel oder einem Drainageschlauch die Flüssigkeit absaugt.

Ein Pleuraemphysem kann entstehen, wenn ein Lungenabszess platzt und Eiter in den Pleuraspalt gelangt. Auch hier ist dann ein operativer Eingriff nötig.

Wenn die Behandlung der Lungenentzündung nicht rechtzeitig begonnen wird oder die Therapie nicht ausreichend wirkt, kann als Komplikation auch eine Entzündung des Lungenfells (Pleuritis) auftreten.

Selten, aber dennoch möglich ist es, dass die Erreger der Lungenentzündung in andere Körperregionen streuen und dort eine Blutvergiftung (Sepsis) hervorrufen. Sie können auch die Gehirnhäute, das Mittelohr oder das Herz befallen und dort Entzündungen hervorrufen. Dann entstehen eine: Meningoenzephalitis, Mittelohrentzündung, Perikarditis und Myokarditis.

Bei Menschen mit geschwächter Abwehr und chronischen Erkrankungen kann die Lungenentzündung chronisch werden. Risikopatienten sind Diabetiker, Alkoholiker und Menschen, die Kortison, Immunsuppressiva (Medikamente, die die körpereigene Abwehr unterdrücken) oder Chemotherapeutika einnehmen. Auch bei vorgeschädigter Lunge wie bei Tuberkulose oder chronischer Bronchitis kann sich eine Lungenentzündung viel leichter entwickeln und komplizierter verlaufen.

Lungenentzündung Ursachen Zuletzt geändert am: 28.01.2013
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